2016 – das Jahr der Handy-Werbung
 

2016 – das Jahr der Handy-Werbung

Kolumne von Walter Braun

ZenithOptimedia behauptet in einem neuen Bericht, dass mobile Werbung 2016 global zur drittgrößten Werbeplattform (hinter TV-Werbung und Werbung am Desktop-PC) aufsteigt. Mit einem Wachstumsschub (plus 38 Prozent!) und einem Marktanteil von 12,4 Prozent würde sie die Tageszeitungen (11,9 Prozent) überrunden. Steve King, CEO von ZenithOptimedia, kann sich ein Staunen nicht verkneifen: „Wir werden Zeugen der schnellsten Werbebudgetumschichtung der Geschichte.“

 Eile und Heftigkeit der Umstellung auf Handy-Werbung haben damit zu tun, dass Marketer und Mediaagenturen einander überzeugt haben, der Mensch von heute verfolge einen „mobilen Lebensstil“; kennzeichnet zwar eher die Lebensweise jüngerer Jahrgänge, aber auf die sind Werbetreibende seit eh und je scharf.

Übrigens geht der Aufstieg der mobilen Werbung nicht auf Kosten der Werbung im Web; in dem erwähnten Report orakeln die Mediaforscher, Desktop-Werbung werde 2018 sogar den ewigen Anführer TV (Anteil 2014: 39 Prozent) überrunden. Werbung in Online-Videos und auf Sozialplattformen haben die stärksten Zuwächse.

Natürlich verbergen weltweite Durchschnittsdaten starke regionale Unterschiede. Aber der Trend auf den fortgeschrittensten Märkten ist eindeutig. In Großbritannien hat mobile Werbung in den ersten sechs Monaten über eine Milliarde Pfund erzielt – ein Plus von 51 Prozent! Dieser Boom dürfte Ursache sein, warum UK bis 2017 zum global viertgrößten Werbemarkt der Welt aufsteigen dürfte.
Der Handyeinsatz ist so ausgeufert, dass Sozialforscher nun den Menschen beim Leben in Echtzeit zusehen können. Das amerikanische Forschungsinstitut MIT und der Telekom­anbieter Ericsson haben ein Online-Werkzeug namens „ManyCities“ entwickelt, das die immense, von Mobiltelefonen erzeugte Datenfülle visualisiert. Was die stillen Beobachter da ablesen, ist geradezu gruselig – von der Reichtumsverteilung in afrikanischen Ländern bis zum Fortpflanzungsverhalten in westlichen Gesellschaften.

Dazu braucht es keine individuellen Details; unser Rudelverhalten hinterlässt Muster. In Hongkong etwa ist der Mobiltelefoneinsatz in der Früh am stärksten, in London zu Mittag und in New York am Abend. Aus den Daten lässt sich klar zwischen Geschäfts- und Wohnviertel unterscheiden. Das Mobiltelefonverhalten in Geschäftsbezirken ist einheitlich, während sich in Wohngegenden der Handy-Einsatz oft drastisch unterscheidet. Bisher noch ein Rätsel, warum das so ist.
Wer Interesse an dem neuen Analysewerkzeug hat, kann es auf www.manycities.org ausprobieren. Vom Werbeeinsatz bis zur Event- und sogar Stadtplanung sind eine Reihe von Nutzungsmöglichkeiten denkbar.

[Walter Braun
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