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„Welt braucht Pressefreiheit mit prüfendem Blick“

Jeff Zucker, Präsident CNN Worldwide
© Johannes Brunnbauer

Im ersten Panel der 25. Österreichischen Medientage, „Seriös informieren in Zeiten von Fake News und Trump-Attacken“ spricht Jeff Zucker, Präsident CNN Worldwide, mit Anna Maria Wallner, Die Presse, über den Impact von Fake News und die Zukunft des weltweiten Journalismus.

Die erste Frage, die Wallner stellt, bezieht sich auf Zucker`s Liebe zu Äpfeln. CNN startete eine Kampagne in der Äpfel eben Äpfel sind. Die Idee dahinter: Politiker und Präsidenten können viel sagen, am Ende des Tages ist ein Apfel eben ein Apfel, beziehungsweise die Wahrheit eben die Wahrheit.  

Wallner findet die Kampagne clever umgesetzt, die ein Teil der „Facts First Kampagne“ von CNN ist. In der Kampagne erzählt eine freundliche, männliche Stimme eine Geschichte und im Hintergrund sieht man die Message „ein Apfel ist ein Apfel, eine Banane, eben eine Banane“. Und egal wie man das Wort schreibt, in Großbuchstaben, unter Anführungszeichen oder sonst wie, es ist immer noch eine Banane – ist die Aussage. „Denken Sie, die Zuseher haben das verstanden?“, fragt Wallner den CNN Präsidenten.

Fakten vs. Ideologie

Das große Problem in den USA sei, dass Fakten keine Fakten mehr sind, sondern diese lediglich persönliche Ideologien abbilden, sagt Zucker. „Aber ich sage, Fakten sind Fakten, egal wie man sie dreht und wendet. Bei CNN geht es nur um Fakten, Fakten kommen zuerst. Ich denke, die Menschen verstehen das.“

Ob Zucker nicht müde wäre, ständig über den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump zu sprechen? Zucker antwortet mit einem lang gezogenen Nein. Da dieses Thema in aller Munde ist, sowohl in den USA als auch in der Welt, ist es wichtig über ihn zu sprechen. Schließlich dominiere er die Diskussion. „Das ist die Realität in der Welt, in der wir heute leben.“

Freundschaft mit Trump?

Ob Trump und er noch enge Freunde werden? Zucker erzählt dazu, dass er Trump seit 20 Jahren kennt. Als Zucker das NBC Entertainment Programm verantwortete, liebte ihn Trump nach seinen eigenen Aussagen. Als er für die Präsidentschaft kandidierte, „verstand ich seine Beweggründe, früher als andere.“ Zucker merkte eine Veränderung in Trumps Verhalten als er für die Republikaner ins Rennen um die Präsidentschaft ging. „Er mochte es einfach nicht, dass man die Wahrheit sagen sollte. Er verstand einfach nicht, warum ich als sein Bekannter ihn nicht in Schutz nahm, und zu seinem Vorteil berichtete.“ Und hier wendete sich das Blatt in der Freundschaft Zucker Trump. CNN und damit auch ihn persönlich zu attackieren, sind zu seinem Spiel geworden. Das sei aber etwas dass Zucker nicht im Geringsten störe.  

Medien trugen nicht zu Trump-Wahl bei

Medien stünden oft in der Kritik, aufgrund der dichten Berichterstattung über Trump ihm zur Präsidentschaft verholfen zu haben, sagt Wallner. Zucker kontert mit: „Auf keinen Fall ist das so. Trump hat nur die Medien verstanden, und wie sie funktionieren, und das besser, als seine Konkurrenz.“ Als Trump zu Interviews on air eingeladen wurde, sei er immer „verfügbar gewesen, er war immer präsent. Dies gab ihm zwar Vorteile, aber ich weigere mich zu sagen, dass das die Wahl entschieden hat.“

Aber nicht nur Trump attackiere CNN, sondern auch unseriöse Webseiten, dass CNN bald schließen wird, weil die Zuschauerzahlen im Keller sind. Wie Zucker auf solche Attacken reagiere?

„Sie sagten es bereits, das sind unseriöse Seiten. Es ist leider die Welt, in der wir leben, dass Fakten nicht immer an erster Stelle stehen.“ So auch beispielsweise bei Fox News, die Zucker als Sprachrohr des Weißen Hauses betitelt. Sie attackieren alle Organisationen, während CNN versucht, die Wahrheit zu covern. „Ich sage immer, wir sind nicht Anti-Trump, wir sind Pro-Wahrheit“, bekräftigt Zucker im Panel. Die vergangenen drei Jahre waren mit die erfolgreichsten in der Geschichte von CNN.

Trump ist die News

Warum Trump immer wieder in den Nachrichten vorkommt beantwortet Zucker einfach so: „Weil der Präsident einfach das Interesse der Menschen anzieht.“ Gestern habe der US-Präsident eine Rede bei den United Nations gehalten, und über den Erfolg der Präsidentschaft im letzten Jahr gesprochen. Hier erntete er nur Gelächter, während er bei seinen Fans mit diesen Aussagen ins Schwarze trifft und dafür Applaus erntet. „Das ist die Realität, in der wir derzeit leben“, sagt Zucker.

‚Guter Journalismus ist teuer‘

Der Erfolg des Nachrichtensenders hänge auch mit den neuen Eigentümern AT&T zusammen. Während noch im Jahr 2000 einige Büros geschlossen wurden, beispielsweise in Moskau. „Nein eigentlich haben wir das nicht geschlossen, sondern im Gegenteil, erweitert, aufgrund der Brisanz der Geschichte rund um Russland (lacht)“. Da Geschichten einem Ebbe- und Flutprinzip unterliegen, „legen wir auch den Fokus auf Länder, beziehungsweise Büros, wo auch mehr passiert“, erklärt Zucker. Derzeit beschäftige CNN die meisten Korrespondenten in seiner Geschichte.

Darunter auch starke Frauen, wie Nima Elbagir and Christiane Amanpour. Sie ist Teil der CNN DNA und ist eine Pionierin in der Berichterstattung. „Viele eifern ihr nach“, sagt Zucker, „diese Frauen haben den Weg geebnet für qualitative Berichterstattung und zählen zu den besten Reportern der Welt.“

Öffentlich vs. privat

Ob CNN gebührenfinanziert, wie hierzulande der ORF, werden wolle? Zucker würde das nicht wollen, denn wenn man bedenkt, was derzeit in den USA geschieht, „würde man uns jeden Tag die Finanzierung entziehen wollen“, sagt er. Er sei froh, dem nicht ausgesetzt zu sein. „Wir werden täglich von der Regierung attackiert, stellen Sie sich vor, Trump würde mir jederzeit damit drohen können“. Guter Journalismus sei eben teuer, und 30 Büros weltweit zu haben, koste eben Geld.

Was ihn in den kommenden Jahren noch beschäftigen wird? Seine größte Sorge sieht Zucker in den Attacken des Präsidenten. „Denn wenn der Präsident der USA Medien auf der ganzen Welt attackiert, und beschuldigt nur Fake News zu produzieren, ist das die größte Bedrohung mit der wir heute leben.“ Das sei ein falsches Vorbild, dem andere auch folgen. Das bereite Zucker die größten Sorgen.

Für die aktuellen Ereignisse rund um die Pressefreiheit-Debatte in Österreich wünscht Zucker sich: „Bieten Sie denen, die an der Macht sind, die Stirn.“

Für die Wahlen in 2020 werde CNN alles genauso machen, wie bisher – die „volle Berichterstattung liefern“, sagt Zucker. Jetzt seien einmal die mid-Term Wahlen interessant.

 

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