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Weihnachten: Der Kampf um die Pakete

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David gegen Goliath? DHL steigt massiv in den österreichischen Markt ein – die Post kontert. Gewinner sind Konsumenten und Werber

Zehn Millionen Pakete verschickt die österreichische Post heuer alleine zu Weihnachten. Das ist ein Plus von rund acht Prozent gegenüber dem Vorjahr – und dank Online-Shopping ein neuer Rekordwert. Pikant dabei: 60 Prozent jener Waren, die Österreicher im Internet bestellen, kommen aus Deutschland. Genau dieses Volumen hat die Deutsche Post DHL Group im Visier. Statt wie bisher die für Österreicher bestimmten Pakete an die Österreichische Post AG zur Zustellung zu übergeben, will DHL ­direkt an den Empfänger liefern. Aus einstigen Partnern wurden damit Konkurrenten.

Die Dimension ist enorm: Der deutsche Paketmarkt belief sich 2014 auf rund 8,8 Milliarden Euro – DHL hält daran einen Anteil von rund 43 Prozent. Erst im August kündigte DHL an, in Österreich ein eigenes Paketnetz aufbauen zu wollen. Nach drei Monaten zog Günter Birnstingl, Geschäftsführer des Tochterunternehmens DHL Paket Österreich mit Sitz in Wien-Favoriten, eine erste Bilanz: Bis Ende Oktober hatte DHL bereits mehr als eine Million Pakete zugestellt. Das Paketshop-Netzwerk umfasst bereits 1.000 Shops. Und: Auf dem Gelände eines Merkur-Marktes in Wien-Floridsdorf steht bereits die erste DHL-Packstation.

Mehrere Hundert Stationen geplant

„Insgesamt wollen wir rund 25 dieser Empfangs- und Versandstationen ­alleine in Wien installieren“, so Birn­stingl. In ganz Österreich soll es langfristig mehrere Hundert dieser Stationen an öffentlich zugänglichen Orten wie Supermärkten, Bahnhöfen oder Tankstellen geben. Dort kann der Kunde Retouren oder Pakete versenden, und auch abholen. In Deutschland nutzen bereits mehr als acht Millionen Kunden das insgesamt 2.750 Automaten in über 1.600 Städten und Gemeinden umfassende Packstationsnetzwerk.

Warum stürzt sich DHL nun auf den österreichischen Markt – und will 2016 alleine hier einen dreistelligen Millionenbetrag investieren? Birnstingl ­gegenüber HORIZONT: „Wir gehen davon aus, dass der Onlinehandel weiterhin national wie grenzüberschreitend wachsen wird.“ Er verweist dabei auf die aktuelle Studie „E-Commerce-Markt Österreich/Schweiz 2015“ des EHI Instituts und Statista. Die Untersuchung zeigt, dass die 250 umsatzstärksten Online-Shops Österreichs im vergangenen Jahr 2,1 Milliarden Euro umgesetzt, und gegenüber 2013 ein Wachstum von 11,3 Prozent verzeichnet haben.

Post rüstet sich

Die Österreichische Post kontrolliert derzeit 77 Prozent des stark wachsenden B2C-Markts (inklusive C2C) in Österreich, und hat wenig Lust, auch nur Teile des lukrativen Geschäfts abzugeben. Zwischen 2010 und 2015 hat das Unternehmen das Volumen an Sendungen von 56 auf prognostizierte 80 Millionen Stück gesteigert. Mit dem prosperierenden Geschäftsbereich Paket und Logistik konnte man das Schrumpfen des Briefmarktes ausgleichen. Die Post kämpft also mit allen Mitteln gegen die neue Konkurrenz, und hat dabei gleich mehrere Pfeile im Köcher. Einer der wohl wichtigsten ist die Servicequalität. „Bereits heute werden 90 Prozent der Pakete beim ersten Zustellversuch an den Empfänger übergeben – diese Top-Quote ist nur dank unserer erfahrenen und gut organisierten Zustellung möglich“, so Post-Generaldirektor Georg Pölzl kürzlich vor Journalisten.

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