Horizont Newsletter

Was ist der Konsens wert?

© Sabine Klimpt / Manstein Verlag

Über das berechtigte Hinterfragen finanzieller Investments – und warum die ÖWA als Währungsstudie nicht leichtfertig aufgegeben werden darf. Leitartikel von Jürgen Hofer, Chefredakteur

Dieser Leitartikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 41/2019 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Es ist ja nicht so, als würde es in Zeiten, in denen Allianzen flächendeckend gefordert werden, keinerlei davon geben. Kluge Marktteilnehmer haben längst sinnvolle Kooperationen auf verschiedenen Ebenen geschlossen: Joint Ventures für regionale Medien, das gemeinsame Betreiben einer Nachrichtenagentur, die übergreifende Vermarktung von Privatradios, Content-Austausch im Bewegtbild-Segment und eben auch und vor allem die Zusammenarbeit in Sachen gemeinsamer Währungsstudien. Breiter Konsens zum Wohle aller Einzelnen.

Regelmäßig zu bröckeln beginnen solche Initiativen weniger dann, wenn es um Meinungsverschiedenheiten in Nuancen der Erhebung oder Darstellung geht, sondern vielmehr in Fragen der Finanzierung. Die Media Analyse trat wegen zu hohen Kosten aus dem Media Server aus, bereits ein Jahr davor tat das die ÖWA ebenso aus budgetären Gründen. Eben diese steht nun wegen Kostengründen zur Debatte. Es werde immer schwieriger, die Finanzierung einer solchen Studie zu sichern, konstatiert ÖWA-Präsidentin Gerlinde Hinterleitner (siehe Interview). Erst im Herbst 2017 hatten Vermarktungsgemeinschaften ihren Rücktritt aus der ÖWA vollzogen – und später teils revidiert.

Finanzielle Investments zu hinterfragen, ist und bleibt gutes Recht aller Teilnehmer. Veränderungen, so sie denn notwendig sind, zu fordern, selbstverständlich. Die Frage nach Alternativen zu bestehenden Währungsstudien drängt sich aber ebenso auf. Erhebungen, hinter denen der Markt nicht mit breiter Zustimmung steht, verlieren an Wert, da Äpfel mit Birnen verglichen werden. ­Valide Aussagen fallen dann schwer. Sich der gemeinsamen, konsensualen Erhebung zu entziehen und in die Hände Dritter zu begeben, birgt Risiken – vor allem, wenn dies nach Vorstellungen einiger das Tool eines jener Unternehmen ist, das sie sonst gern als Feindbild Nummer eins hinstellen: Google. Die Gefahr, dass finanziell motivierte Schritte im Endeffekt teuer zu stehen kommen, droht. Was ist der Konsens also wert? Und was muss er wert sein?