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Was erfolgreiche Crowdfunder von anderen unterscheidet

Crowdfunding Experte Wolfgang Gumpelmaier im Interview

M.Weberberger: Wolfgang, wir haben ziemlich exakt vor 3 Jahren das letzte Interview zum Thema Crowdfunding mitsammen gemacht. Was hat sich seither in der Branche getan?

W. Gumpelmaier: Es hat sich sehr viel getan. Einerseits wurden viele unterschiedliche Projekte auf diese Weise finanziert, was mich persönlich sehr freut. Andererseits setzen sich auch immer mehr Leute dafür ein, dass Crowdfunding als alternative Projektfinanzierungsform ernst genommen wird. So haben wir etwa das German Crowdfunding Network gegründet (kurz GCN), das im gesamten deutschsprachigen Raum als Verband in allen Fragen rund um das Thema Crowdfunding/Crowdinvesting mit Rat und Tat zur Seite steht. Mit der CREATIVE REGION Linz als weiteres Beispiel organisiere ich regelmäßige Vorträge für Projektinitatoren aus dem Bereich der Kreativwirtschaft in Oberösterreich und biete zusätzlich für diese Gruppe auch eine monatliche Crowdfunding-Sprechstunde an. Daneben haben auch Förderinstitutionen wie das austria wirtschaftsservice das Thema erkannt und bieten hier Informationsveranstaltungen und Workshops an. Zudem sind viele neue Plattformen an den Start gegangen, in Österreich etwa Greenrocket für nachhaltige Startups oder auch in neuere Zeit die Plattform Mit.Einander für Vorarlberg, eine Regionalfunding Plattform für Projekte aus dem westlichsten Bundesland. Mittlerweile ist auch Kickstarter in Deutschland gestartet und erfolgreiche, bestehende Plattformen wie etwa wemakeit aus der Schweiz haben auch Österreich als spannenden Crowdfunding-Schauplatz erkannt. So hat wemakeit etwa aktuell in Form einer Kooperation mit der Bank Austria das Modell des Cofundings zu uns gebracht, wo im Rahmen des Kunstpreises Projekte crowdfunden und nach Erreichen des ersten Drittels der Zielsumme von der Bank Austria das zweite Drittel erhalten. Letztlich muss natürlich auch noch das so genannte Alternativfinanzierungsgesetz genannt werden, das es Projekten und Unternehmen im Bereich des equity-based Crowdfunding (landläufig als „Crowdinvesting“ bekannt) erleichtert in einem rechtlich abgesichertem Rahmen Geld von der Crowd einzusammeln. 

 

M.Weberberger: Welche österreichischen Projekte waren die Highlights der letzten Monate aus deiner Sicht? 

W. Gumpelmaier: Natürlich alle, bei denen ich als Berater mit dabei sein durfte [lacht]. Hervorzuheben wären da zum Beispiel der holis market aus Linz, der mit seinem Konzept eines verpackungslosen Supermarkts inklusive zugehöriger App und Vernetzung mit Ernährungsberatern und Food-Bloggern die Crowd begeistert hat und über EUR 40.000 auf wemakeit erreicht hat. Oder das innovative Trinksystem nuapua, das Leitungswasser mittels eines Flavor-Sticks erst während des Trinkens mit Geschmack versetzt und für natürliche Erfrischung sorgt. Oder der Facebook-Roman Zwirbler, der mit der Crowd gemeinsam nun nicht nur auf dem Sozialen Netzwerk zu lesen ist, sondern auch als Buch und in einer Spezialedition auf WC-Papier erschienen ist. Oder das Projekt SOLiPOWER meiner Schwester, bei dem es um die Anschaffung einer Photovoltaik-Anlage für die FairTrade Partnerschneiderei ihres Damenmode-Labels in Nepal ging. Und natürlich Diese Projekte zeigen beispielhaft wie vielfältig Crowdfunding sein kann und wie was alles damit möglich ist. 

 

M.Weberberger: Was machen diese erfolgreichen Projekte richtig. Oder anders gefragt: was unterscheidet erfolgreiche Projekte von den anderen, abgesehen vom Endergebnis?

W. Gumpelmaier: Ich habe mal für einen Gastartikel im t3n-Magazin 10 Tipps für erfolgreiches Crowdfunding zusammengefasst. Als ersten Punkt habe ich dort geschrieben: „Eine Community aufbauen“, denn ohne Crowd kein Crowdfunding. Im Idealfall beginnt man also schon lange vor dem Start der Crowdfunding-Kampagne mit dem Networking und erzählt möglichst vielen Menschen von der Idee bzw. dem Projekt. Und, was ganz wichtig ist dabei, man sammelt diese Kontakte, beispielsweise in Form von E-Mail-Adressen oder Facebook-Likes, um sie später im Rahmen des Crowdfunding informieren zu können. Daneben spielen Punkte wie die Erstellung eines Kommunikationsplans und gute Vorbereitung eine große Rolle, ebenso wie die richtige Plattform-Auswahl, die Gestaltung der Prämien, im Fall von reward-based Crowdfunding, und das Präsentationsvideo eine große Rolle. Daneben gibt es noch viele andere Punkte, aber das hängt immer von den Projekten ab und von der Art des Crowdfundings. 

  

M.Weberberger: Welche Projekte eignen sich überhaupt für Crowdfunding, beziehungsweise gibt es Projekte, wo du konkret davon abraten würdest, es mit Crowdfunding zu versuchen?

W. Gumpelmaier: Ja, definitv muss man als Projektinhaber, Kreativer, als Unternehmer bereit sein, offen und transparent zu kommunizieren. Abgesehen davon sollte man genügend Zeit einplanen und zwar vor, während und nach dem Crowdfunding. Letztlich sollte man viel Engagement mitbringen, denn ohne der eigenen Überzeugung wird es schwierig, Menschen zum Unterstützen/Investieren zu bringen und ein Projekt erfolgreich abzuschließen. Darüber hinaus spielt natürlich die Idee an sich eine große Rolle und wie gesagt die Größe und Qualität des eigenen Netzwerks. 

  

M.Weberberger: Welche Tipps hast du für jemanden, der überlegt, eine Crowdfunding Kampagne zu starten?

W. Gumpelmaier: Sich erstmal mit Crowdfunding beschäftigen. Ich interviewe zum Beispiel seit über zwei Jahren auf www.ununi.TV regelmäßig Crowdfunder und bekomme so relativ konkrete Einblicke in die Kampagnen und Erfahrungen die sie mit Crowdfunding gemacht haben. Dann hilft es natürlich Vorträge zu besuchen, sich auf den Plattformen durchzuklicken und seine Ideen erstmal zu konkretisieren. Wenn es dann wirklich noch Bedarf gibt - und den gibt es sehr oft - dann stehen wir Berater zur Seite, aber auch die Plattformen. Denn nicht jeder kann alles. So unterstütze ich etwa aktuell das Projekt b-cared, eine Notfall-App speziell für ältere Menschen beim Aufbau des Netzwerkes und bei der Pressearbeit. Andere Projekte wie zum Beispiel aergo - ein innovativer Gesundheitsschuh mit schwebendem Fußbett - berate ich im Vorfeld und helfe mit, dass die Crowdfunder nichts vergessen und möglichst viel vor der Kampagne erledigen und organisieren. Wenn man darauf achtet, hat man schon einen Großteil der Arbeit geschafft. Aber klarerweise sollte man auch während des Fundings stets spontan und flexibel und vor allem verfügbar sein. Das sind nur einige Tipps. Weitere gebe ich gerne in einem persönlichen Gespräch.

 

Habt ihr euch schon intensiver mit Crowdfunding beschäftigt? Vielleicht sogar selbst ein Projekt an den Start gebracht? Lasst mich eure Meinungen und Erfahrungen in den Kommentaren wissen. 

[Michael Weberberger]

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