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Was 20 Jahre Privatradio für die freien Radios bedeutet

Für Helga Schwarzwald sind Quoten nicht alles.
© Ian Ehm/Verband Freie Radios Österreich

Helga Schwarzwald, Geschäftsführerin des Verbandes Freier Radios Österreich, über das 20-Jahres-Jubiläum, untaugliche wirtschaftliche Kriterien und die Regierungpläne.

Dieser Beitrag ist zuerst in Ausgabe Nr. 13/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Horizont:Auch die freien Radios feiern ihr 20-jähriges Jubiläum. Konnten Sie in den vergangenen Jahren ihre Ziele erreichen?

Helga Schwarzwald: Wir sind heute neben dem öffentlich-rechtlichen und den kommerziellenprivaten Medien zu einem festen Bestandteil der heimischen Medienlandschaft geworden. Das ist uns auf jeden Fall gelungen. Leider spielen wir aber in der öffentlichen Diskussion oft nur eine untergeordnete Rolle, weil man gerne darauf vergisst, welchen Beitrag wir für eine pluralistische Gesellschaft leisten.

Bei den Reichweiten können Sie nicht mit öffentlich-rechtlichen und privat-kommerziellen Sendern mithalten. Wo liegt ihr Beitrag?

Was gerne vergessen wird: dass die damaligen Piratenradios im Schulterschluss mit den kommerziellen Radios vor 20 Jahren dafür gesorgt haben, dass das Medienmonopol des ORF fällt und wir heute eine große Medienvielfalt in Österreich haben. Heute haben wir über 70 Radio- und über sechs Fernsehsender in Österreich, die unsere lokale Identität bewahren.

Den freien Radios wird oft vorgeworfen, dass sie sich nur über Fördergelder finanzieren und dabei nur eine sehr kleine Zielgruppe bedienen. Ist für Sie dieser Vorwurf nachvollziehbar?

Alle Radio- und Fernsehsender in Österreich bekommen Fördergelder. Wir sind dabei nur ein kleines Rädchen in einem sehr großen Mediengetriebe. Zudem lässt sich unsere Arbeit nicht nur auf Reichweite reduzieren. Natürlich werden heute bevorzugt wirtschaftliche Maßstäbe wie Reichweite und Werbewirksamkeit angesetzt, aber das greift zu kurz. Communitymedien leisten einen wichtigen Beitrag für Meinungsvielfalt und Medienbildung. Nur bei uns können von Volksschulkindern über Lehrlinge bis hin zu Senioren Sendungen produzieren und dabei selbst erfahren, wie Medien funktionieren. Dieses Angebot haben in den vergangenen Jahren Tausende Menschen in Anspruch genommen.

Die Schweiz stimmte darüber ab, ob es öffentlich-rechtliche Medien überhaupt geben soll. Wäre eine Abschaffung öffentlich-rechtlicher Medien in Österreich denkbar?

Für unsere Demokratie ist es von höchster Wichtigkeit, dass wir einen starken ORF und auch andere staatlich geförderte Medien haben. Will man eine funktionierende Demokratie, müssen wir den Medienmarkt regeln. Im freien Spiel der marktwirtschaftlichen Kräfte würde die Meinungsvielfalt völlig unter die Räder kommen. Minderheiten sind nicht werberelevant und dafür würde es dann auch kein Geld geben.

Medienminister Gernot Blümel will einen Umbau der Medienförderung. Unter Kanzler Wolfgang Schüssel haben die freien Radios alle Förderungen verloren. Droht das auch jetzt?

Eine völlige Streichung der Medienförderung für die freien Radios ist nicht zu erwarten. Derzeit wird ein Umbau von einem gebührenfinanzierten auf ein budgetfinanziertes System diskutiert, aber das ist abzulehnen. Damit würden Medien noch abhängiger von der jeweiligen Regierung. Passt einem die Berichterstattung nicht, dann wird einfach das Budget für die Medien gekürzt. Damit würde man ein System von Zuckerbrot und Peitsche etablieren und das ist sicher nicht im Sinne einer funktionierenden Demokratie. Laut Medienminister Blümel wird es schon bald eine parlamentarische Enquete zum Thema Medienfinanzierung geben und die Community-Medien sollten hier als wichtige Säule der heimischen Medienlandschaft auf jeden Fall am Tisch sitzen.

[Sandra Wobrazek]

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