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Von schwarzen Schafen im Content Marketing

Der Rechtsanwalt und IT-Sachverständige Peter Harlander meint, dass Datenverarbeitung auch unabhängig von der DSGVO transparent gestaltet werden sollte.
© marketingrecht.at

Am ContentDay 2019 spricht Rechtsanwalt Peter Harlander über rechtliche Grauzonen und Content Marketing im Kontext der DSGVO.

 

It’s all about content“ am ContentDay 2019 in Salzburg, präsentiert von HORIZONT und punkt & komma. Am 21. Mai geben hochkarätige Speaker aus Marketing und Medien den Teilnehmern Input zu allen Bereichen aus dem Content Marketing, vom textbasierten Content bis zu Visual Storytelling, der Verteilung von Inhalten und der Aufstellung eines Content-Marketing-Teams. 

Dazu gehört auch das Wissen um die rechtlichen Rahmenbedingungen im Content Marketing. Die Einführung der DSGVO im Mai vergangenen Jahres hat vielfach für Verunsicherung gesorgt. Am ContentDay wird Peter Harlander den Teilnehmern näherbringen, inwiefern die DSGVO das Content Marketing tangiert und worauf unbeding zu achten ist. Der Rechtsanwalt und IT-Sachverständige betreibt die Kanzlei Lawoffice in Salzburg. In seinem Vortrag „Ein Jahr DSGVO – von schwarzen Schafen und Grauzonen im Content Marketing“ spricht er über die ersten Monate und den Status quo für Unternehmen und Marketer unter den neuen Bedingungen. 

Keine Usability-Einbußen
„Im Content Marketing wirkt sich die DSGVO hauptsächlich in den Bereichen Content Distribution und Content Embedding aus“, sagt Harlander im Gespräch mit HORIZONT. „Zahlreiche datengetriebene Distributionstechniken wie Remarketing sind nun einwilligungspflichtig. Bei der Einbindung von Fremdcontent dürfen zahlreiche nicht DSGVO-konforme Social-Plug-ins nicht mehr verwendet werden.“ Am Markt generell sei das aber noch nicht so deutlich spürbar: „Das lässt sich damit erklären, dass Unternehmen ihre Marketingwerkzeuge noch immer primär nach deren Wirksamkeit und nicht nach deren DSGVO-Konformität auswählen.“

Der Rechtsanwalt ist aber überzeugt, dass die DSGVO die Marketingprozesse  eines Unternehmens nicht ausbremst oder einschränkt: „Es ist in den meisten Fällen unproblematisch möglich, Prozesse rechtskonform zu gestalten“, erklärt ­Harlander. „Entgegen vieler Befürchtungen führt die rechtskonforme Gestaltung auch zu keinen Usability-Einbußen. Im Gegenteil, meiner Erfahrung nach sind rechtskonforme Prozesse sehr benutzerfreundlich gestaltbar.“ Das Vertrauen der Kunden hänge dementsprechend nicht unbedingt von einer DSGVO-konformen Umstellung der Datenverarbeitung ab, sondern von Transparenz ganz unabhängig von rechtlichen Vorschriften: „Wer das Vertrauen der Kunden gewinnen und behalten will, schafft dies nur, wenn er Datenverarbeitungsvorgänge transparent gestaltet. Rechtskonformer und transparenter Datenschutz sollte auch unabhängig von der DSGVO Bestandteil eines jeden Kundenbindungskonzeptes sein“, meint Harlander. 

Kein Strafenhagel
Harlander nennt hier zumindest ein Beispiel aus jüngster Zeit: „Die Datenschutzbehörde hat kürzlich festgestellt, dass das Mitgliederaufnahmeformular eines Automobilclubs, in welchem die datenschutzrechtliche Einwilligung zu Marketingzwecken eingeholt wurde, DSGVO-widrig ist. Dies deshalb, weil die betroffenen Personen keine freiwillige Einwilligung erteilen konnten, ob sie Marketingzusendungen erhalten wollen. Sie konnten im Anmeldeformular lediglich auswählen, in welcher Form sie Direktwerbung erhalten wollen.“ Ein großes Konfliktfeld stelle immer wieder auch Facebook dar, das ohnehin oftmals unter Beschuss stehe, aber für viele Unternehmen und deren Content Marketing von Bedeutung sei: „Erst jüngst hat das deutsche Bundeskartellamt nach dreijähriger Prüfung festgestellt, dass Facebook eine marktbeherrschende Stellung einnimmt, weil Facebook-Nutzer praktisch nicht auf andere soziale Netzwerke ausweichen können“, erläutert Harlander. „Facebook sammelt Daten neben seiner eigenen Plattform auch über andere Dienste, Websites und Apps. Diese Daten führt der Konzern dann in den einzelnen Facebook-Konten zusammen. Wenn es nach dem Bundeskartellamt geht, darf Facebook die aus verschiedenen Quellen gesammelten Daten zukünftig nur noch nach freiwilliger Zustimmung der Nutzer erheben und folglich verflechten.“

Der Rechtsanwalt zieht sein Fazit aus „ein Jahr DSGVO“:  „Wenn vorübergehend bei manchen der Eindruck entstanden ist, die DSGVO sei eher ein ‚Rohrkrepierer‘, so täuscht dieser Eindruck. Behörden- und Gerichtsverfahren nehmen Zeit in Anspruch. Es war daher nie zu erwarten, dass es bereits wenige Tage nach Geltung der DSGVO Strafen hagelt. Zwischenzeitig sollte dank zahlreicher Entscheidungen jedem klar sein, dass Datenschutz keine Eintagsfliege war. Ich rate jedem Unternehmen, die im Vorjahr oft unter Zeitdruck entwickelten Datenschutzstrategien zu überprüfen und nachzuschärfen.“

Weitere Informationen zum ContentDay am 21. Mai in Salzburg finden Sie hier.

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