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Vom ,Nice to have‘ zum ,Must have‘

Celum wurde 1999 von Michael J. Kräftner gegründet, er ist heute noch Alleineigentümer. Der erste große Kunde war die voestalpine.
© pixelkinder.com // peter kollro

Die Linzer Celum ist weltweit gefragter Spezialist beim Digital-Asset-Management. Während man in Österreich oft noch erklären müsse, worum es sich dabei handelt, geht man international schon bevorzugt auf Kunden mit über 500 Millionen Euro Umsatz zu

Manche Unternehmen sind offenbar so spezialisiert und unfreiwillig versteckt, dass sie kaum in einschlägigen  „Hidden Champion“-Listen notiert werden. Celum aus Linz ist so ein Fall, zumindest aus der Perspektive jenseits der Region bis hin zu den Republiksgrenzen. International ist man aber bestens im Geschäft und in Oberösterreich als Arbeitgeber und Innovationsmotor geschätzt. „Wir dringen langsam auch in das ­Bewusstsein von immer mehr Entscheidungsträgern hierzulande vor“, weiß Rainer Sommer, Head of Global Marketing, zu berichten. Sommer betont natürlich, dass Österreich der Heimmarkt ist, aber der größte Teil des Umsatzes von Celum im Ausland erwirtschaftet wird.

Zentraler Medien-Hub

Das Geschäftsfeld des 1999 von ­Michael J. Kräftner gegründeten Softwareentwicklers bewegt sich im weiten Feld des Contentmanagements, konkret ist es Digital-Asset-Managmenet (DAM). „DAM wird leider noch zu oft mit Bildarchiv gleichgesetzt, und das klingt natürlich nicht sehr sexy; manche sehen es noch ­immer als ,Nice to have‘ denn als ein ,Must have‘ in ihrem Marketingprozess“, so Sommer. Auch daher gehe man in der Kommunikation zunehmend vom „Erklären“ eher in Richtung „Benefits darstellen“. Und der Nutzen von DAM ist vordergründig, dass die Softwarelösungen von Celum als „zentraler Medien-Hub“ für jede Art von Content, der im Marketing verwendet wird, dienen. Dieser Content in Gestalt von Fotos, Videos, PDFs, Audio-Files, Indesign- und vielen anderen Arten von Dokumenten wird zentral verwaltet, verschlagwortet, allenfalls konvertiert und es werden Derivate für praktisch jede Art von Medien oder Devices generiert und schlussendlich multichannelmäßig distribuiert, „das spart Kosten und Zeit“, erläutert Sommer. 

Der erste Kunde von Celum war 1999 zum Start ein östereichischer Global Player, nämlich die voestalpine AG, und sie ist es noch heute. Im Falle dieses Konzerns sichert die Celum-Software nebst vielen anderen Funktionen, dass etwa der Content für die rund 200 verschiedenen Webseiten in der Gruppe gemanagt und immer aktualisiert ist, dass – als einfaches und plakatives Beispiel – immer das aktuellste Foto von CEO Wolfgang Eder auf jeder lokalen Website aufscheint. Rund 23.000 User in der ­voestalpine AG haben damit Zugriff auf 200.000 digitale Assets. Als solches gilt jede Art von digitaler Info-Einheit. Kosten werden mit dieser zentral steuerbaren DAM-Lösung ­unter anderem auch insofern gespart, als – wieder am einfachen Beispiel „Fotos“ – der Einsatz von und das Honorar für Stock-Fotos auf Websites oder jeder anderen Art von Medium präzise zu planen und abzuschätzen sind. 

Hochsicherheits-Management

Mit Celum-Software arbeiten in ­Österreich Unternehmen wie die ÖBB, Porsche Austria, Swarovski oder Verbund, einer der vielen renommierten internationalen Celum-Kunden ist 3M, wo im Headquarter in St. Paul in den USA das Digitale-Asset-Management mit einer Softwarelösung aus Linz läuft. Andere Einsatzbereiche sind etwa, wenn in der Fashion-Branche Vorab-Fotos von Kollektionen firmenintern verbreitet werden, und deren Durchsickern verhindert werden soll, damit die Fälscherwerkstätten aus den üblich-verdächtigen Ländern nicht vor der Markteinführung das Piratenprodukt auf die grauen Märkte werfen. Oder, indem Videos nur für bestimmte Länder ­lizensiert sind und deren Konsum zeitlich befristet sein soll. Oder wenn ein Celebrity-Testimonial auf Video für ­manche Weltregionen aus etwa kulturellen oder religiösen Gründen gesperrt werden soll. Man habe ­zudem eine ganze Reihe von Kunden mit High-Security-Anforderungen. 

Erst vor wenigen Tagen wurde etwa bekannt gegeben, dass mit Celum-Software fortan das gesamte Material der DFL Digital Sports verwaltet wird. Das Unternehmen ist eine Tochter der Deutschen Fußball Liga, die diverse mediale Plattformen betreibt: An jedem Fußball-Spieltag publiziert man tausende Fotos und Videos und die zentrale Lösung ist ein Digital-Asset-Management-System, mit dem Partner oder Lizenznehmer über die DFL-Website Zugang zu exklusiven Medieninhalten haben. „Unsere Kunden kommen eher aus der Produktion, Sport oder Handel/E-Commerce, weniger aus dem Medienmanagement. Diese werden aufgrund ihrer Anforderungen aber immer mehr und es war ein spannendes und sehr komplexes Projekt, weil sehr viele Stakeholder ­beteiligt waren“, erklärt Sommer. Insofern ist zwar DFL ein weiterer renommierter Kunde, aber eben kein klassischer. 

Marschrichtung Welt

„Wir haben derzeit rund 800 Kunden weltweit, haben 90 Mitarbeiter, ­machen über zehn Millionen Euro Umsatz“, gibt Marketingchef Sommer Einblick, etwas mehr als die Hälfte davon befindet sich im D-A-CH-Raum. Nebst dem Headquarter in Linz gibt es weitere Vertriebs-Offices, zwei etwa auch in Frankreich und in den USA. Obwohl die Marschrichtung „Welt“ lautet, wird sich am Standort Linz sobald nichts ändern. „Wir wollen vorsichtig expandieren, und die USA sind ein schwieriges Terrain. Da werden wir uns vorher eher in Richtung UK oder nach Skandinavien verbreitern“, lässt Sommer durchklingen.

Im Moment konzentriere man sich bei der Kundenakquise auf das Enterprise-Segment, also Unternehmen ab rund 500 Millionen Euro Umsatz im Jahr, dort könne man mit der Software die Komplexität des Marketings besser verringern sowie die Kosten des Content Management deutlicher ­reduzieren und naturgemäß sei dort auch mehr Business zu generieren, als mit Tools für eine Handvoll von Mitarbeitern in einem KMU, erläutert Sommer unumwunden die Prioritäten bei den Sales. Aber: „Wir bieten für jede Firmengröße ein zentrales Content-Management-Rückgrat.“ 

Dieser Artikel erschien bereits am 6. November in der HORIZONT-Printausgabe 45/2015. Hier geht's zur Abo-Bestellung.

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