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Visual Search: „Die Kamera wird das neue Keyboard“

Bilder als Schlüssel zu einer umfangreicheren und besseren Suche sah das Panel.
© Johannes Brunnbauer

Eine aussichtsreiche Zukunft für die Bildersuche diagnostizieren die Teilnehmer des Panels „Visual Search“ - vor allem, wenn es um das Einkaufserlebnis on- und offline geht.

Zum Thema „Visual Search – Die revolutionäre Suche“ sprachen Reinhard Franz, Leiter Product Management bei willhaben.at, Martin Herdina, Geschäftsführer Wikitude und Jana Würfel, Country Lead DACH bei Pinterest am ersten Tag des Werbeplanung.at-SUMMIT 2018. Das Fazit der Diskussion unter Moderatorin Margaretha Jurik (Hotel &Touristik): Die visuelle Suche steckt zwar noch in den Kinderschuhen, wird aber in Zukunft vor allem den Handel und das dazugehörige Shoppingerlebnis revolutionieren. 

Text in der Suche unzulänglich
Zu Beginn sprach Jana Würfel von Pinterest über die Unzulänglichkeiten der Textsuche: „Das ist fantastisch, wenn man genau weiß, was man will. Die Bildersuche ist aber viel umfangreicher. Auf Pinterest suchen Menschen, die ein vages Grundgefühl haben, aber denen die Worte fehlen, das zu beschreiben.“ Für den DACH Country Lead wird die Kamera in Zukunft so „zum neuen Keyboard. Jeder trägt mit dem Smartphone eine Kamera mit sich und kann jederzeit eine Suchanfrage stellen.“ Ähnlich drückt es auch Reinhard Franz, Leiter Product Management bei willhaben.at aus: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Visual Search ändert nicht das Suchverhalten, sondern unterstützt es.“ Bei der österreichischen Verkaufsplattform stehe man momentan bei über fünf Millionen Anzeigen, über vier davon im klassischen Marktplatz. Das Problem bei diesem User Generated Content sei aber, dass „der User den Artikel immer so beschreibt, wie er ihn empfindet. Mit herkömmlichen Suchmechanismen findet man hier schwer zusammen“ – ein gutes Anwendungsbeispiel für Visual Search. 

Ein Bild, viele Informationen
Aus Sicht des Technikenablers sprach Martin Herdina, CEO von Wikitude: „AI ist momentan noch in Kinderschuhen, Visual Search der erste schöne Anwendungsfall“. Er sieht die Haupteinsatzbereichee für die visuelle Suche einerseits bei Portalen wie willhaben.at und Pinterest und andererseits bei den großen Anbietern wie Google oder Bing, „weil sie den Algorithmus mit der größten Masse an Bildern füttern können.“ Wie Würfel sieht auch Herdina die Kamera als „mächtigeres“ Werkzeug im Vergleich zu Text: „Die Kamera ist unspezifisch und fängt enorm viele Details auf, die man dann mit einem entsprechenden Kontext verknüpfen kann“. Er berichtete unter anderem auch von Niantic, dem Unternehmen hinter Pokemon Go, dass das Spiel in erster Linie nicht zum Amusement der User verwendet, sondern dazu nutzt, „eine visuelle Karte der Welt zu erstellen“. 

Zukunft Online-Shopping mit Kamera
Sowohl willhaben.at als auch Pinterest haben eigene Angebote mit Visual Search entwickelt. Bei der Pinterest Lens handelt es sich zum Beispiel um ein Feature innerhalb der App, mit dessen Hilfe man im realen Leben zum Beispiel eine Lampe abscannt und dann online ähnliche Produkte vorgeschlagen bekommt. Pinterest geht noch weiter und hilft anschließend dabei, passende Wohnwelten für diese Lampe vorzuschlagen. Momentan noch im Beta-Status, sehe man aber bereits das Potential: Würfel spricht von 600 Millionen monatlichen Suchanfragen, „bereits doppelt so viel wie vor einem halben Jahr“. Der DACH-Markt ist für die visuelle Empfehlungsplattform insgesamt einer der „am stärksten wachsendenden Märkte, die aktiven Nutzer im deutschsprachigen Raum sind seit vergangenem Jahr um 50 Prozent gestiegen“, führte die Country Lead DACH von Pinterest aus. Das Thema „Visual Search“ sei aus ihrem Verständnis heraus der „Missing link“, den der Handel für die Verbindung zwischen Online und Offline momentan vermisse: „Man kann den gesamten Shoppingprozess abbilden und nicht nur den Kaufprozess, weil man den emotionalen Window-Shopping-Part bereits online vollzieht.“ Dazu Franz von willhaben.at: „Schon jetzt vergleichen die Menschen im Geschäft die Preise online, in Zukunft wird das auch mit der Kamera passieren.“

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