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Veit Dengler - Der Umbauer aus Österreich

Veit Dengler ist COO der Bauer Media Group.
© Johannes Brunnbauer

Veit Dengler soll den Strategiewechsel beim Milliarden-Konzern Bauer Media Group forcieren. Neben dem Kerngeschäft stehen auch neue Aktivitäten auf der Agenda des Familienunternehmens.

Dieser Artikel erschien auch in der Ausgabe 39/2019 des HORIZONT zu den Österreichischen Medientagen. Noch kein Abo? Hier klicken.

Als Europas größten Zeitschriftenverlag und eines der führenden Medienhäuser weltweit tituliert sich die Bauer Media Group stolz auf ihrer Website. 2,35 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2017 als zuletzt verfügbare Zahl; eine Historie, die bis ins Jahr 1875 zurückreicht; mehr als 600 publizierte Magazine in 20 Ländern mit namhaften Titeln von Bravo bis Cosmopolitan; über 11.000 Mitarbeiter – und an der Spitze eine Verlegerin, die Forbes mit knapp drei Milliarden US-Dollar Vermögen unter die tausend reichsten Menschen der Welt reiht: Yvonne Bauer, seit 2010 an der Spitze des Imperiums und Leiterin des Familienunternehmens in bereits fünfter Generation. Und die baut das Familienunternehmen derzeit kräftig und substanziell um.

Seit 2013 hat das Unternehmen im Publishing-Business rund 600 Millionen Euro Umsatz verloren, berichtete HORIZONT Deutschland im November des Vorjahres. Wachstum aus dem Kerngeschäft? Wohl schwierig, auch wenn Bauer das Publishing-Geschäft noch „für viele Jahre“ als das „Rückgrat“ bezeichnet. Neue Aktivitäten sollen nach den Plänen der Milliarden-Verlegerin frisches Geld bringen. Das Radio-Business ist da ein Pusher, digitale Plattformen etwa mit Vergleichsportalen und Aktivitäten in Skandinavien und Osteuropa sind ein weiterer. Die beiden Sparten hätten 400 der 600 verlorenen Umsatzmillionen kompensiert, erklärte Bauer ihren Managern. New Business soll den Rest der Lücke auffüllen und weiteres Wachstum ermöglichen. Im klassischen Publishing-Geschäft wurde das Portfolio einer harten Analyse unterzogen: Konzentration auf Bereiche, in denen Marktführerschaft – auch durch Zukäufe – möglich ist, Aktivitäten wie das Magazingeschäft in gewissen Märkten, wenn nicht gewinnbringend, überdenken. 

Breite Befugnisse

Seit dem Frühjahr 2019 forciert ein Österreicher gemeinsam mit Yvonne Bauer den Wandel: Veit Dengler treibt den Umbau voran, der bisherige ­Geschäftsleiter Jörg Hausendorf ging – auch wegen Auffassungsunterschieden in der strategischen Ausrichtung. Dengler bezeichnete im April gegenüber der deutschen Welt den Strategiewechsel als „unvermeidlich“. Er verantwortet das operative Geschäft des Unternehmens, übernimmt neben der bisherigen Zuständigkeit für Geschäftsbereiche wie New Business, Radio und Publishing in den englischsprachigen Ländern auch die Leitung des Publishing-Geschäfts in Kontinentaleuropa. Der Medienmanager führte zuletzt von 2013 bis 2017 die NZZ-Mediengruppe in der Schweiz. Auch dort war die Aufgabenstellung grundsätzlich nicht unähnlich. 

Investments ins ‚Herz‘

Für das zweite Quartal dieses Jahres hatte Bauer in einem Brief an Mitarbeiter die ersten Ergebnisse der Portfolio-Analyse angekündigt und dabei auch betont, weiterhin an das Verlagsgeschäft zu glauben. Als „Herz des Unternehmens“ bezeichente sie es. „Wir werden weiterhin in Medienmarken und -segmente investieren, in denen wir stark sind“, so Dengler zur Welt nach seinem Antritt. Gegenüber ­HORIZONT erläutert der neben Bauer gewichtigste Manager des Medienkonzerns seine Ansätze und kommenden Schritte – von Akquisitionen bis zu neuen Dienstleistungen für KMUs.

HORIZONT: Sie agieren seit April als COO der Bauer Media Group und sind damit neben Verlegerin Yvonne Bauer der wichtigste Manager des Unternehmens. Sie wurden bestellt, um den Umbau des Familienunternehmens voranzutreiben. Wo setzt man da in einem Konzern mit über zwei Milliarden Euro Umsatz an, und mit welchen Strategien?
Veit Dengler: Die Bauer Media Group steht wirtschaftlich betrachtet sehr gut da – das liegt nicht zuletzt daran, dass auch in den goldenen Jahren des Publishing mit Vernunft gewirtschaftet wurde und dass wir häufig Vorreiter waren. Viele unserer Maßnahmen von damals, zum Beispiel die Bildung von Pool-Redaktionen, sind heute Branchenstandard. Außerdem haben wir recht früh damit begonnen, ausländische Märkte und ab 2007 mit der ersten Akquisition eines polnischen Radiosenders auch neue Geschäftsfelder zu erschließen. Heute erwirtschaften wir zwei Drittel unseres Umsatzes außerhalb Deutschlands und entwickeln uns von einem Zeitschriftenverlag zu einem Multi-Business-Unternehmen. Diese Entwicklung ist notwendig, da der globale Publishing-Markt gesättigt ist. Auflagen und Anzeigenerlöse sinken kontinuierlich, eine Trendwende halten wir für sehr unwahrscheinlich. Entsprechend steuern wir dagegen, um den Wert des Unternehmens zu halten und zu steigern. Unsere Strategie besteht darin, das Publishing zu optimieren und gleichzeitig in wachsende Geschäftsfelder zu investieren.

Das Unternehmen hat in den letzten Jahren massiv in neue Geschäftsfelder investiert. Wird Wachstum auch weiterhin vor allem anorganisch forciert?
Absolut – wir werden auf eine Mischung aus organischem Wachstum und Akquisitionen setzen. 

Sie haben im Frühjahr gemeint, sie befänden sich „mitten in der Portfolio-Analyse“. Welche Erkenntnisse haben Sie bereits gezogen? Gibt es Bereiche, die zu stärken, und welche, die abzustoßen sind?
Da sowohl unser Portfolio als auch der Markt um uns herum ständig in Bewegung ist, werden wir die Analyse nie final abgeschlossen haben – wir sehen die Portfolio-Analyse vielmehr als andauerndes Kontrollinstrument, um zu überprüfen, in welchen Bereichen wir wachsen wollen und in welchen Bereichen wir für uns weniger Potenzial sehen.  

Das Medienspektrum des Verlags ist enorm breit. In welchen Feldern orten Sie substantielle Zukunftsmärkte, und wie kann der unter Druck geratene Printsektor nachhaltig gestützt und gestärkt werden?
Wir betrachten uns schon länger nicht mehr als Verlag, sondern als Multi-Business-Unternehmen. Neben Radio und Podcast agieren wir im Bereich OCP (Online Comparison Platforms), parallel bauen wir gerade ein neues Geschäftsfeld rund um Dienstleistungen für KMUs auf. 

Zwei Drittel des Umsatzes werden im Ausland generiert. Wo sehen Sie für Ihr Unternehmen global gesehen Wachstumsmärkte – und vor allem in welchen medialen Segmenten?
Unseren Gesamtumsatz generieren wir zwar nach wie vor zu einem großen Teil aus dem Magazin-Geschäft, mehrheitlich in Deutschland. Im Bereich Privatradio sind wir Marktführer in fünf europäischen Ländern. Unsere OCP-Unternehmen sind Nummer eins oder zwei in sieben Märkten in Nord- und Osteuropa sowie neu auch in Spanien. Auch unser ganz neues Geschäftsfeld für KMUs ist in Polen, Dänemark und Israel angesiedelt. Unsere Strategie orientiert sich nicht an Ländergrenzen. Wir betrachten Märkte global und agieren dort, wo wir insgesamt die besten Bedingungen vorfinden.

Dieser Artikel erschien auch in der Ausgabe 39/2019 des HORIZONT zu den Österreichischen Medientagen. Noch kein Abo? Hier klicken.

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