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Unter Druck

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Stark steigende Papierpreise belasten das Zeitungs- und Magazingeschäft. Verlage stellen nun Copypreise und Umfänge auf den Prüfstand.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 45/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Der Papiermarkt dreht sich, und mit ihm die Verlagsbranche. Führten jahrelang Überkapazitäten dazu, dass Papierhersteller Preiserhöhungen am Markt nur schwer durchsetzen konnten, so ist es nun um die Ware knapp geworden. Papier wird teurer, auch Zeitung- und Zeitschriftenpapier. In Deutschland stellt der Bundesverband Druck und Medien aktuell höhere Papierpreise fest und rät Druckerei-Kunden, sich auf Preissteigerungen einzustellen. Zeitungspapier hat sich laut den Branchenvertretern von Euwid seit Jahresanfang um deutlich mehr als zehn Prozent verteuert. Diese Entwicklung hält auch in Österreich voll Einzug.

Das hat verschiedene Gründe, erklärt Alexandra Zotter, Geschäftsführerin des Verbands Druck & Medientechnik in Wien. Einerseits habe die Papierindustrie Kapazitäten bei grafischen Papieren abgebaut, Standorte in Europa wurden stillgelegt. Insgesamt fielen durch Schließungen und Umrüstungen etwa in Deutschland (Scheufelen), Italien (Burgo) oder Frankreich (UPM) mehr als 5,2 Millionen Tonnen an holzfrei gestrichenem Papier weg. Diese Entwicklung sei noch nicht zu Ende, weitere Schließungen in Planung. Auf der anderen Seite sind die Absätze in den vergangenen Jahren zwar gesunken, "aber weniger stark als die Branche gedacht hat", so Zotter. Konkret bedeutet das: Rund 21 Millionen Tonnen grafisches Papier (27 Millionen Tonnen inklusive Zeitungspapier) wurden 2017 laut Intergraf in Europa abgesetzt. 2010 waren es noch 26,4 Millionen Tonnen (beziehungsweise 34,8 Millionen Tonnen inklusive Zeitungspapier) – ergibt ein Minus von 5,4 Millionen Tonnen (beziehungsweise minus 7,8 Millionen Tonnen). Zugleich sei der Papierverbrauch für ungestrichenes holzfreies Papier europaweit zuletzt wieder gestiegen und habe sich auf dem Niveau des Jahres 2012 eingependelt. "Es gibt ein Ungleichgewicht zwischen prognostizierten und tatsächlichen Mengen – das spüren wir nun", konkretisiert Zotter.

 

Zellulose: ein Drittel teurer

Ganz wesentlicher Faktor für die steigenden Papierpreise sei auch die Teuerung bei den Rohstoffen: "Der Preis für Zellulose ist im vergangenen Jahr um ein Drittel gestiegen", so die Expertin, "von 600 auf 900 Euro pro Tonne". Hinzu kommt die Nachfrage aus China: Hier steigen Bedarf und Nachfrage nach Zellstoff – "dabei geht es nicht nur um Zeitungs-, sondern etwa auch um Hygienepapier", so Zotter. Auch das, treibt die Preise weiter.

Ein Ende ist nicht in Sicht. "Die Teuerung könnte laut Experten noch weiter steigen", so Zotter. Wie weit, ließe sich nicht vorhersagen, doch bereits jetzt ist die Lage angespannt: "Weitere Preissteigerungen für 2019 wurden vereinzelt schon angekündigt." Kurzfristig seien Papierbestellungen kaum mehr möglich, wolle man jetzt noch Papier fürs nächste Kalenderjahr ordern, würde es zeitintensiv und teuer. "Die Branche ist allgemein unter Druck, durch diese Umstände noch mehr", sagt Zotter. "Es kann sein, dass dadurch Druckereien gezwungen werden, die Produkte mit Preisanstieg weiterzuverkaufen.

 

Preissteigerung voll angekommen

Direkt betroffen sind von dieser Entwicklung auch heimische Medienhäuser und Zeitungsverlage. "Natürlich bemerken wir solche Veränderungen auch in Österreich, da sich unser Markt am deutschen orientiert", bestätigt Kurt Kribitz, ressortverantwortlicher Vorstand der Styria Media Group, auf Anfrage von HORIZONT. Er ortet mehrere Gründe.

"2017 sind einige Papiermaschinen stillgelegt worden, gleichzeitig erfolgte eine Umstellung von höherwertigen Papiersorten hin zu Zeitungsdruckpapier", so Kribitz. Zudem hätten sich die Importbedingungen für Altpapier in China verändert, weshalb mehr Papier nach China exportiert wurde – "das hat hier insgesamt zu einer Verknappung geführt, trotz zweistelligen Rückgangs des Tageszeitungsvolumens in Europa", so der Styria-Vorstand. An drei Standorten produzieren Töchterunternehmungen Tages-, Wochen und Monatszeitungen, aber auch Werbemittel. Erst im Vorjahr brachte der Konzern ein Investment von 30 Millionen Euro für Druckmaschinen und Versandraumanlagen auf Schiene.

Merklich spürbar sind die Preissteigerungen auch bei anderen Verlagshäusern. "Soweit ich gehört habe, sind diese Preissteigerungen auch bei allen österreichischen Verlagen angekommen", meint etwa Friedrich Dungl. "Papierpreise schwanken aufgrund verschiedener Faktoren immer wieder, allerdings kann ich die Preiserhöhung angesichts der geringer werdenden Nachfrage und dem hohen Angebot an Faserholz (Borkenkäfer, Windwürfe) offen gestanden nicht nachvollziehen", so der NÖN-Geschäftsführer gegenüber HORIZONT. Die Aufwände in Sachen Papier in der Produktion stellen jedenfalls einen relevanten Anteil in der Kostenstruktur aller printlastigen Medienhäuser dar. In Deutschland schätzen Experten die Kosten für Herstellung auf ein Viertel der Gesamtkosten; Papiereinkauf habe einen erheblichen Anteil an diesen 25 Prozent. Der Anteil der Herstellkosten ist je nach Verlag sehr unterschiedlich, konkretisiert Dungl, der konkrete Werte für sein Haus nicht öffentlich äußern möchte. Vor allem bei Gratismedien, die mit sehr hohen Auflagen in den Markt gehen, sind Papierkosten jedenfalls ein noch deutlich wesentlicherer Faktor, meint auch Dungl.

 

Reduktion und Erhöhung

Während in Österreich vereinzelte Preisanstiege bei Druckereien angekündigt wurden, befürchten deutsche Vertreter eine Intensivierung um weitere zehn Prozent. Die ohnehin teils enorm unter Druck stehende Printbranche würde mit zusätzlichen Kostenproblemen konfrontiert werden. Die naheliegendste Konsequenz auf erhöhte Kosten: Das Zurückfahren von Auflagen sowie Umfängen oder die Weitergabe der Kosten an den Konsumenten, sprich Erhöhung von Abo- und Copypreisen. "In letzter Konsequenz wird es ein Mix aus verschiedenen kleinen Anpassungen sein müssen", so Dungl. "Das eine oder andere Produkt wird mit geringeren Umfängen auskommen, denn gerade Gratiszeitungen leiden aufgrund der hohen Auflagen bei geringem Mitlesefaktor unter hohen Papierpreisen. Aber auch Preiserhöhungen wird es geben, wenn die Produktionskosten steigen", so der NÖN-Verantwortliche. Auch bei den Niederösterreichischen Nachrichten hat man, so Dungl, bereits konkrete Schritte ins Auge gefasst: "Bei uns wird es bedingt durch die Papierpreiserhöhung zu einer noch effizienteren Umfangplanung kommen." Erhöhung der Preise für den Leser sowie Reduktion der Print-Umfänge nennt auch Kribitz als "Gegenmaßnahmen", stellt dabei aber auch klar: "Die Weitergabe von Preiserhöhungen an Abonnenten bei gleichzeitig kostenlosem Online-Angebot muss jedoch differenziert betrachtet werden."

Seitens des Verbands Druck & Medientechnik ist man ob der Lage jedenfalls um Besserung bemüht. "Wichtig ist nun, wie Papierhersteller darauf reagieren", sagt Alexandra Zotter, "es braucht einen guten Dialog. Es gibt seitens der Druckereien Initiativen, auch wir sprechen mit Papierherstellern." Um dem Druck den Druck zu nehmen.

 

Lesen Sie zu diesem Thema: Problemfaktor Papierpreise

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