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Unerträglich

Wir wollen die Seite 3 der „Kronen Zeitung“ nicht zeigen.
© red

"Kronen Zeitung" versetzt ihre Leser in Schockstarre

Es ist eine unfassbare Tragödie, die weder in Worten noch in Bildern darstellbar ist. 71 Personen sind bei dem Flüchtlingsdrama nahe Parndorf geborgen worden - alle tot. Verstorben in einem Kühl-LKW.

Solche Themen in Medien zu thematisieren ist eine absolute wie gleichzeitig  entsetzliche Notwendigkeit, die ein besonderes Fingerspitzengefühl verlangt. Das sollte jedem Chefredakteur einer Zeitung klar sein.

Während Café Puls reagiert und seine Geburtstagsfeier absagt und viele Zeitungen versuchen pietätvoll zu berichten, greift Österreichs reichweitenstärkstes Boulevardmedium in die allerunterste Schublade.

Eiskalter Schock erfasst den Leser, der die heutige "Kronen Zeitung" öffnet. Seite 3 ist eine Schande für dieses Medium, die ihresgleichen sucht. Wie kann man sich in der Wahl der Mittel, sprich Bilder, so unerträglich vergreifen? Tote Menschen haben in einer Zeitung, die an jedem Eck und Ende dieses Landes zu finden ist, für Kinder, Jugendliche wie Erwachsene sichtbar, nichts zu suchen. Es fehlen die Worte. Dass diese Zeilen überhaupt geschrieben werden müssen, ist schmerzhaft.

Großen Anstand beweisen hingegen die "Oberösterreichischen Nachrichten", sie haben die richtigen Worte und keine Bilder gefunden "Kein Bild kann dieses Verbrechen beschreiben" so der Titel in Partezettel-Format auf Seite 1.

Das muss für die Entscheider dieser Geschichte in der "Kronen Zeitung" Konsequenzen haben.

1 Kommentare

  • Martin Major
    Das ist doch so was von scheinheilig. An dieser ganzen Angelegenheit gibt es nur zwei Dinge, die unerträglich sind: 1) die Art und Weise, wie die Krone an die Bilder gekommen ist, und 2) der zu erwartende aber scheinheilige Shitstorm gegen die Krone. Wir haben offenbar kein Problem damit, uns in der Zeitung zerfetzte Leichenteile irgend eines Krieges in SüdOstNordWestSlowezistanien anzuschauen, und wir haben auch kein Problem damit, uns in der Zeit im Bild Videos von in Afrika verreckenden Kindern anzuschauen - beides ist ja ach so weit weg. Aber sobald dieser Wahnsinn, dieses unvorstellbare menschliche Leid nicht mal mehr vor unserer Haustür, sondern in unserem eigenen Wohnzimmer stattfindet, sind wir plötzlich erbost, da ist es dann plötzlich unmoralisch, die Wahrheit zu zeigen: Diese Leute starben nicht in einem LKW, diese Leute starben in unserem Wohnzimmer, und ihre Leichen türmen sich auf unserem Couchtisch. Das passt nicht in unsere heile Welt, also weg mit dieser Wahrheit. Das finde _ich_ unerträglich. Das sollte für uns alle Konsequenzen haben. Aber nach dem dritten Achterl ist es eh schon wieder nicht mehr so schlimm.

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