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Taxi-Streit als Lehrbeispiel

© Ian Ehm

Warum die Vermittlungszentrale mehr PR für Uber als für sich selbst gemacht hat – und wie die Krisenkommunikation besser funktionieren hätte können. Leitartikel von Marlene Auer, Herausgeberin und Chefredakteurin.

Dieser Leitartikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 18/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Es gibt Themen, die erhitzen die Gemüter in außergewöhnlichem Maß. Das Rauchergesetz in der Gastronomie etwa – oder der Datenschutz im Internet. Nun also auch die Taxis. Nach dem vorübergehenden Aus für Uber in Wien kochten die Emotionen im Social Web über. Der Shitstorm gegen die Vermittlungszentrale 40100, die die einstweilige Verfügung gegen Uber errang, war so groß, dass ihre Facebook- Seite zwischenzeitlich lahmgelegt wurde. In Windeseile entstanden Gruppen wie „Uber statt Taxi“ oder Hashtags wie #freeuber. Ein Fall für die Krisenkommunikation.

Doch die ließ zu wünschen übrig. Statt auf die Vorteile von Taxis einzugehen (klare Dienstverhältnisse für Fahrer, geregeltes Gehalt, Wertschöpfung) und den Nutzen für Passagiere zu unterstreichen (allem voran die Versicherung), wurde der Unterschied zwischen Taxi- und Mietwagenfahrern erklärt – und Uber-Fahrern eine vergünstigte Ausbildung zum Taxilenker angeboten. Kein Wunder, dass die Kampagne nicht glückte. Sie mündete schließlich auch noch in einem Streit auf offener Straße: Als Uber drei Tage später seinen Betrieb wieder aufnehmen durfte, kreisten Taxifahrer ein Uber-Fahrzeug ein und hinderten es an der Weiterfahrt. Und dann waren da noch die Hupkonzerte von Taxis im Konvoi, die für Krach und Stau sorgten. Positive Imagewerbung für Taxis ist das alles jedenfalls nicht.

Natürlich sollte es faire Rahmenbedingungen geben – mit fairen Gehältern und versicherten Fahrten. Doch mit diesem Stil auf Zwang ein Monopol halten zu wollen, ist der falsche Weg. Die Vermittlungszentrale wäre gut beraten, in Krisenkommunikation und Kampagnenarbeit auf Experten zu setzen und an Merkmalen zu arbeiten, die im Vergleich zum Konkurrenten den höheren Preis rechtfertigen. Wer im Wettbewerb besser agiert, wird schließlich den Zulauf haben – dafür müssen sich auch eingesessene Unternehmen bewegen und Strukturen sowie Angebote der modernen Zeit anpassen.

Letztlich geht es nämlich um ein Gefühl, das bei den Endkonsumenten ankommt. In diesem Sinne täte der Vermittlungszentrale eine Markenschärfung gut, und dem gesamten Taxigewerbe eine einheitliche Strategie.

 

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