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Studientag des ORF-Publikumsrates zum Thema „Fake News“

Alexander Wrabetz
© Sebastian Reich

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz nannte das Fake News-Phänomen "die größte Herausforderung für Demokratie und Medien“. Öffentlich-rechtliche Sender seien besonders gefordert.

„Fake News und ihre politischen und medienpsychologischen Konsequenzen“ lautete das Thema, mit dem sich der ORF-Publikumsrat im Rahmen eines Studientages diese Woche im ORF-Zentrum auseinandersetzte. Nach einleitenden Statements der Vorsitzenden des Publikumsrates, Ilse Brandner-Radinger, und ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz widmeten sich Roman Hummel, Vorsitzender des Ausschusses für Unternehmens- und Medienpolitik des Publikumsrats, und Peter Vitouch, Stv. Vorsitzender des Publikumsrats, in Fachreferaten dem Thema.

„Fake News lösen eine Vertrauenskrise aus, die insbesondere Institutionen und die Politik betrifft“, sagte Brandner-Radinger: „Der ORF-Publikumsrat hat seit Langem die Bedeutung von Medieninformation und Medienkompetenz als Grundlage für einen kritischen Medienkonsum unterstrichen. Öffentlich-rechtliche Medien wie der ORF leisten als vertrauenswürdige Qualitäts-Medien einen wichtigen Beitrag in der Auseinandersetzung mit dem Fake-News-Phänomen!“

Alexander Wrabetz meinte: „Das ‚Fake-News‘-Phänomen ist eine der größten Herausforderungen für die westliche Demokratie und Medien insgesamt. Propaganda ist nicht neu: Neu sind das Internet und die Sozialen Netzwerke als mächtige Verbreitungskanäle und die Strategie vieler ‚Fake-News‘-Urheber, die klassischen Medien zu delegitimieren. Gesellschaft und Demokratie müssen eine Gegenkultur der unabhängigen, journalistischen Information absichern und stärken. Öffentlich-Rechtliche sind als mediale Infrastruktur der Gesellschaft besonders gefordert. Die Ausgangssituation dafür ist gut, wie die hohen Reichweiten des ORF in Radio, Fernsehen und Online in allen Publikumsgruppen zeigen. Für den ORF heißt das, erstens seine starke Position mit hoher Reichweite und breiter Senderflotte für das gesamte Publikum aufrecht zu erhalten, zweitens allen Versuchen der Delegitimation entschieden entgegen zu treten und, drittens, den Qualitätsanspruch, die Selbstreflexion und die Fehlerkultur noch ernster zu nehmen und jeden Tag weiter zu verbessern!“

Roman Hummel widmete sich der Frage „Wer hat’s erfunden? Recherchieren lehren als journalistische Aufgaben in Zeiten des Internets“: „Falschmeldungen werden geglaubt, weil sie Vorurteilen, Erwartungen und Befürchtungen ihrer Zielgruppe entsprechen. Daher verfehlt auch eine bloße Richtigstellung meist ihr Ziel. Dekonstruktion von Fakes – wer hat’s wann, wo, zu welchem Nutzen erfunden? – gehört wesentlich zur Aufklärung dazu. Qualitätsjournalismus, durchaus auch medienübergreifend, kann hier einen Beitrag zur Quellenkritik, wie auch zur Vermittlung der Methoden der Quellenkritik, leisten.“

„Fake News als politische Waffe, als journalistische Fehlleistung, als filter bubbles im Internet!? Welche Rezipienten sind aus welchen medienpsychologischen Gründen dafür anfällig und was kann seriöser Journalismus dagegen tun?“ Mit diesen Fragen setzte sich Peter Vitouch in seinem Referat über die „Wirkung von Fake News auf das Publikum“ auseinander und merkte an: „Mit dem Ausbrechen der Fake-News-Debatte in den USA sind die Abos der Qualitätszeitungen signifikant angestiegen. Das zeigt, dass die Menschen in unsicheren Zeiten durchaus auch auf qualitativ-hochwertige Quellen zurückgreifen!“

Ingrid Brodnig, Profil-Kolumnistin und Digitale Botschafterin Österreichs, Michael Lang, Chefredakteur APA, Ulla Kramar-Schmid, Redakteurin ORF Innenpolitik, und Gerald Heidegger, Chefredakteur ORF.at, erörterten das „Fake-News“-Phänomen und den Umgang damit in einer abschließenden Panel-Diskussion.

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