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Social-Media-Budgets: iab austria übt erneut Kritik an Ausgaben der Parteien bei US-Digitalgiganten

Die vom iab austria initiierte Interessenvertretung der österreichischen Digital-Vermarkter und -Publisher übt Kritik an der Budget-Schlacht der Parteien in den Sozialen Medien.
© APA (dpa)

Rund 1,4 Millionen Euro haben die wahlwerbenden Parteien in den letzten Monaten bei US-Digitalgiganten ausgegeben. Der Online-Vermarkterkreis erneuert nun seine Kritik hinsichtlich der Schwächung des heimischen Medien- und Digitalstandorts.

Bereits im Mai kritisierte der Online-Vermarkterkreis im iab austria die Ausgaben der wahlwerbenden Parteien bei US-Digitalgiganten (HORIZONT berichtete). Während sich die Netto-Ausgaben zu dieser Zeit noch auf rund eine halbe Million Euro beliefen, sollen diese laut aktuellen Medienberichten auf 1,4 Millionen Euro angewachsen sein. 45,6 Prozent der Werbeausgaben für Digital-Medien in der Höhe von 3,07 Millionen Euro entfallen demnach auf US-Digitalgiganten. Der Online-Vermarkterkreis im iab austria sieht darin eine Schwächung der heimischen Medien- und Digitalwirtschaft.

"Soziale Medien leisten keinen Beitrag zur journalistischen Qualität in Österreich, führen hierzulande kaum Steuern ab, schaffen fast keine Arbeitsplätze und sind bei den Machern von Fake-News ebenso beliebt wie bei den wahlwerbenden Parteien. […] Die Ausgabenstrategie der Parteien ist vor dem Hintergrund der Lippenbekenntnisse zur Stärkung des Digital- und Medienstandorts absolut nicht nachvollziehbar", ärgert sich Eugen Schmidt (AboutMedia), Leiter des Online-Vermarkterkreises im iab austria.

Gemäß einer Aussendung des iab austria ist die SPÖ Spitzenreiter unter den Social-Media-Werbern, die seit März rund 353.000 Euro an Facebook und Instagram überwiesen haben sollen. Den zweiten Platz belegt demnach die FPÖ mit 227.000 Euro. Ebenfalls sechsstellige Beträge sollen an YouTube geflossen sein, wo die FPÖ den unrühmlichen Spitzenplatz belegt. Der dritte Platz soll mit 206.000 Euro Ausgaben für Facebook und Instagram an die ÖVP gehen. Mit 52.000 Euro gaben die NEOS demnach vergleichsweise wenig auf Facebook in den vergangenen Monaten aus.

Laut aktuellen Focus-Daten ist der heimische Werbemarkt im ersten Halbjahr 2019 um moderate 1,9 Prozent zum Vorjahr gewachsen. Digitalwerbung konnte im ersten Halbjahr 2019 zwar um 6,1 Prozent wachsen. Rund die Hälfte der Digitalausgaben wandert jedoch zu den transatlantischen Giganten ab. Die Ausgaben für Soziale Medien sind um 12,4 Prozent überproportional gestiegen. Die Gesamtausgaben für Digitalwerbung machen nur 14,7 Prozent des rot-weiß-roten Werbekuchens aus.

Der HORIZONT berichtete erst am gestrigen Montag über die umfassende Social-Media-Nutzung der Parteichefs, mit der bereits zwei Monate vor den Nationalratswahlen Wähler mobilisiert werden sollen. Im Juli erreichte Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) auf ihren Social Media-Kanälen erstmals mehr Fans als Sebastian Kurz (ÖVP) und Norbert Hofer (FPÖ).

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