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So verändern Big Data und KI das Gesundheitswesen

Julia M. Puaschunder lehrt und forscht in New York City. Als Verhaltensökonomin verfügt sie über 20 Jahre Erfahrung mit internationalen empirischen Projekten.
© JMC/Lukas Pichelmann

Verhaltensökonomin Julia M. Puaschunder hat bei einem Moving Forward Round Table Einblicke gegeben, wie neue Technologien die Medizin verbessern und wo die politischen und juristischen Herausforderungen liegen.

"Medizin ist die ökonomische Königsdisziplin. Sie erzielt die höchsten Margen. Für ihre Gesundheit sind die Menschen bereit, nahezu jeden Preis zu bezahlen", leitete Puaschunder ein – und betonte die zunehmende Bedeutung künstlicher Intelligenz dabei. Globaler Datenaustausch durch Artificial Intelligence und vernetzte Technologien würden exponentiell zunehmen.

Puaschunder zeigte sich überzeugt davon, dass sich in naher Zukunft Hubs für künstliche Intelligenz bilden werden. Wo diese genau lokalisiert sein werden, ließe sich heute noch nicht sagen. In einer von Puaschunder mitverfassten Princeton-Studie, in der Internet-Konnektivität und Bruttoinlandsprodukt in Korrelation gesetzt wurden, zeigen sich die skandinavischen Staaten jedenfalls als weltweit führend.

Personalisierte Effizienz versus Privatsphäre

Zudem habe es noch nie so viel dezentralisierte Medizin wie heute durch personalisierte und massendatenbasierte Präventivmedizin gegeben. Verantwortlich für diese Entwicklung sieht die Wissenschaftlerin Wearables und Smart Devices. Präzision und Effizienz könnten durch Big Data erstmals rational bewertet werden, wodurch sich neue weltweite Standards bilden. Und: "Artificial Intelligence ist korruptionsfrei und unbestechlich".

Puaschunder warnte auch vor Risiken: Diskriminierung, Stratifizierung und soziale Exklusion seien ebenso kritisch zu betrachten wie Fragen hinsichtlich der Privatsphäre oder die Dominanz des Marktes über der Menschlichkeit.

Daten-Wettbewerbsvorteile bis in die USA

In puncto internationaler Daten-Monetarisierung sah Puaschunder noch ungenutzte Potenziale: "Europa schickt durch die Nutzung von Software jeden Tag unglaubliche Datenmengen in die USA, ohne Geld daran zu verdienen oder von den Daten zu profitieren".

Die EU könne jedoch Geld durch Medizin verdienen, wenn sie künftig im Rahmen ethischer Grenzen durch 5G-Technologie Big Data sammelt und auswertet. Neue Auswertungsmethoden wie Bayesian Hierarchical Modeling böten erstmals die Möglichkeit, enorme Datenmenge sinnvoll auszuwerten. Die Präventivmedizin könne durch die dezentrale und anonymisierte Gesundheitsmessung revolutioniert werden. Trotz hoher Initialkosten würden die Behandlungskosten durch den Technologieeinsatz langfristig sinken.

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