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So können Medien den Google Assistant für sich nutzen

Der smarte Lautsprecher Google Home ist in Österreich noch nicht offiziell erhältlich. Das Gleiche gilt für die „Actions“, die es in Deutschland bereits gibt.
© Google

Als Angriff auf Amazons Echo öffnet sich der Google Assistant in Deutschland für externe Entwickler. Die ersten Medienhäuser springen auf – um den Nutzer auch auf diesem neuen Kanal erreichen zu können.

Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabne Nr. 44 des HORIZONT.

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Von vielen Branchenbeobachtern werden smarte Assistenten als die nächste Technologie gesehen, die das Nutzerverhalten und die Kommunikationsbranche massiv verändern wird; denn hier muss der User nicht mehr tippen oder wischen, er steuert die Geräte über seine Sprache. Amazons smarter Lautsprecher Echo mit der Künstlichen Intelligenz Alexa, der vor knapp einem Jahr in Österreich startete, gilt als Platzhirsch, bekommt aber zunehmend Konkurrenz durch Google Home: Dem Marktforscher eMarketer zufolge kommt der Echo in den USA auf einen Marktanteil von 70,6 Prozent, Google Home auf 23,8 Prozent – wobei bei Google die dahinterstehende Künstliche Intelligenz „Google Assistant“ auch auf diversen Smartphones mit dem Betriebssystem Android installiert ist. Laut Laurence Kozera, Strategic Partner Development Manager, Global Product Partnerships bei Google, ist der Assistant somit auf „mehr als 100 Millionen Geräten“ weltweit verfügbar.

So wie schon die Apps das Smartphone groß machten, so sind es auch bei den digitalen Assistenten diverse Mini-Programme externer Entwickler, die den praktischen Nutzen der Geräte erhöhen – und Medienunternehmen die Möglichkeit bieten, einen neuen Kanal zu eröffnen. So gibt es bei Amazons Echo diverse „Skills“, über die sich der Nutzer Nachrichten vorlesen lassen kann – etwa vom deutschen Spiegel oder vom heimischen Radiosender Ö3. Um diesem Konzept Paroli zu bieten, hat Google nun in Deutschland ein ähnliches Angebot namens „Actions“ gestartet; wann Selbiges nach Österreich kommt, ist derzeit noch nicht bekannt. Bei den Actions sind derzeit Partner wie Zalando, TV Spielfilm, Wetter Online, TorAlarm, Rock Antenne, Otto, Bring! und Comdirect an Bord; über eine Hilfeseite für Developer sollen rasch weitere hinzukommen. Geben hier die Nutzer Befehle wie „Rede mit Zalando“ oder „Rede mit TV Spielfilm“, so können sie direkt im Assistant per Sprachbefehl bei Zalando shoppen, sich bei TV Spielfilm über das TV-Programm informieren oder sich von TorAlarm benachrichtigen lassen, wenn die Lieblingsmannschaft ein Tor schießt.

Den User verstehen

Details zur Google Action von TV Spielfilm verrät Sebastian Spang, Head of Digital Business bei BurdaNews. Bei dieser könne man, ähnlich wie beim Alexa Skill auf Amazons smartem Lautsprecher Echo, Fragen zum TV-Programm stellen, also etwa: „Was läuft heute um 20:15 auf Das Erste?“ Der smarte Assistent gibt daraufhin Auskunft. Beim Alexa Skill von TV Spielfilm ist zudem redaktioneller Input abrufbar, der Nutzer kann sich etwa eine Kritik zur aktuellen „Tatort“-Folge vorlesen lassen; die gleiche Funktion soll künftig auch bei Google verfügbar sein. Die Motivation hinter dieser Kooperation ist laut Spang, das Verhalten des Users besser zu verstehen: Auf dem Couchtisch liegt bereits das Printmagazin, auf Smartphones und Tablets wird TV Spielfilm als App genutzt – nun geht es darum, wie der Nutzer mit einem smarten Assistenten interagiert. Dabei könnte auch auf neue Verhaltensweisen Rücksicht genommen werden: Etwa, dass der User nicht nach einer bestimmten Sendezeit fragt, sondern explizit die nächste Folge seiner Lieblingsserie sehen möchte.

Ähnliche Beweggründe hat Maurice Eisterhues, Geschäftsführer von TorAlarm: „Uns ist wichtig, dass sich TorAlarm nicht nur als Smartphone-App aufstellt, sondern viel mehr als Fußball-Begleiter in vielen verschiedenen Medien,“ sagt er.

Dabei unterscheiden sich diese Funktionen von bisher bekannten Skills der Nachrichtenmedien auch im Entwicklungsaufwand: Während die einen bloß die Audiodaten mit einem RSS-Feed liefern müssen, liegen bei Diensten wie TorAlarm und TV Spielfilm umfangreiche Datenbanken im Hintergrund. Sowohl bei TorAlarm wie auch bei TV Spielfilm lag der Entwicklungsaufwand bei rund vier Wochen, verraten die Experten.

Künftig als Freemium-Version

Ein kostenpflichtiges Abo-Modell gibt es laut Spang für die TV Spielfilm-Action noch nicht, allerdings könnte er sich künftig eine Freemium-Version – in Kombination mit den Apps - vorstellen: Hier ist es zwar kostenlos, das Programm zu lesen; wer aber gleich die Sendung abspielen möchte, der muss dafür bezahlen. Ähnlich könnten auch Google und Amazon künftig auf Sprachbefehl die Wunschsendung abspielen.

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