Horizont Newsletter

Smarte Werbung für smarte Kunden

Nach dem Knopfdruck im Öffi-Wartehäuschen wird der Passant vom Wagen direkt zur Probefahrt abgeholt.
© Gewista

Mit der technologischen Weiterentwicklung geht smarte Werbung neue Wege – ein Überblick an Potenzialen.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 26/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Mitte Mai in Wien: Mercedes-Benz hat gemeinsam mit Gewista eine Straßenbahn-Wartehalle gebrandet, um auf die neue A-Klasse aufmerksam zu machen. Wo in den 1990er-Jahren die Kampagne vermutlich bereits geendet hätte, hat sie in diesem Jahr erst so richtig angefangen: Das Wartehaus wird zum interaktiven Showroom umgestaltet, in dem Fahrgäste und Passanten erstmals per Knopfdruck eine Probefahrt erleben können. Ein interaktiver Bildschirm mit TouchFunktionen wie in der neuen A-Klasse bietet alle Informationen, Bilder und Videos zum Fahrzeug, und lädt zur Probefahrt ein. Wer den installierten Button drückte, wurde wenige Minuten später direkt beim Wartehaus von einer A-Klasse zur Probefahrt um die Ringstraße abgeholt.

Zusätzlich bot der WartehausShowroom Features wie eine SelfieKamera, einen Soundteppich sowie Beacons, die ein Signal an Mobilfunkgeräte mit aktiviertem Bluetooth im Umfeld sendeten und zur Installation einer Mercedes-App einluden. Bernhard Bauer, Unternehmenssprecher Mercedes-Benz Österreich, erläutert den Hintergrund der Kampagne: „Die neue A-Klasse ist extrem personalisierbar und darum arbeiten wir mit dem Slogan ‚Just like you‘ – so wie du.“ In der A-Klasse kommt das neue MBUX-System zum Einsatz, ein lernendes interaktives Multimediasystem, das sich auf die Gewohnheiten des Fahrers einstellt. Bauer: „Steuerbar, ganz einfach per Sprachbefehl, Touchscreen oder Touchpad. Mit dieser Kampagne bringen wir die Vorzüge der A-Klasse auf den Punkt und zeigen, wie einfach es ist, die neue A-Klasse zu fahren: per Knopfdruck.“

Persönliche Botschaften
Einen ähnlichen Weg ging Volvo, um den neuen XC40 im Februar zu promoten: ein Wartehallenbranding mit City Light, das Passanten mit in Echtzeit adaptierten Botschaften in den Volvo Design Cube am hochurbanen Standort an der Wiener Ringstraße beim Rathaus einlädt.

Zum Einsatz kam ein digitaler Screen, der Passanten mittels eines programmierten Eingabetools in Echtzeit individualisierte und auf die Person zugeschnittenen Botschaften übermittelte. Um die Aufmerksamkeit der Passanten zu erregen, wird bei jeder Textänderung ein Benachrichtigungston ausgespielt. Die Umsetzung erfolgt über Betreuer, die im Sichtumfeld der Wartehalle positioniert sind. Die Wartehalleninszenierung mit Real Time City Light war eine First-Mover-Aktion der Mindshare, gemeinsam mit Gewista, der im Zuge der Kampagne auch ein DOOH-Media-Mix mit Digitalen City Lights in Wien, Salzburg, Graz, Linz, Klagenfurt und Bregenz folgte.

Künstliche Intelligenz
Das deutsche Unternehmen Sensape ist sogar noch einen Schritt weitergegangen: Die Sensape Visual Retail Solution kombiniert klassische Digital Signage Screens mit leistungsfähiger Künstlicher Intelligenz und Augmented Reality zu interaktiven Werbeflächen, mit denen Verbraucher individuell angesprochen werden können. Interaktive Screens, die sogenannten Brand Ambassadors, schätzen beispielsweise am POS nicht nur Geschlecht, Alter und Emotionen der Nutzer, sondern erkennen auch Produkte in deren Händen in Echtzeit. So können Kunden individuell begrüßt und informiert werden.

Die Cloud-basierte ManagementSoftware SensCloud lernt selbstständig und steuert den Brand Ambassador oder andere digitale Screens, um die abgespielten Inhalte anhand der Kundeninteressen und Zielgruppen zu optimieren. Zudem gibt es einen eingebauten Bondrucker, der dann dem Gegenüber je nach Einschätzung einen Gutschein oder Ähnliches direkt vor Ort ausdrucken kann. Bis zu 70 Prozent der vorbeigehenden Passanten interagieren laut Sensape mit dem System.

Einen anderen Ansatz wählt Geniux aus der Nähe von München. Mittels 3D-Displays wird das Interesse der vorbeigehenden Personen geweckt. Die Displays projizieren Bilder bis zu 1,5 Meter in den Raum hinein und funktionieren ganz ohne 3D-Brille, wie man sie aus dem Kino kennt. Für den Betrachter scheinen Objekte im Raum zu schweben. Die durchschnittliche Verweildauer liegt bei bis zu 60 Sekunden.

Geofencing bei Drei
Mobilfunker Drei wiederum hat in Österreich zuletzt mittels Geofencing rund um Drei-Shops einen Kreis definiert, der mehrere Kilometer Durchmesser haben kann. Sobald sich ein User innerhalb dieses Kreises aufhält, auf Facebook zugreift und einigen Zielgruppenkriterien entspricht, wird er mit passender Werbung auf seiner Facebook-Wall angesprochen. Genutzt wurde dieses Tool zum Beispiel bei der Eröffnung von neuen Shops. Zuletzt ist Drei außerdem mit der ersten bezahlten Kampagne auf der App Jodel aufgefallen, um eine besonders junge Zielgruppe wie Studenten anzusprechen. Bei Jodel werden Beiträge von anderen Usern nur dann angezeigt, wenn diese sich in einem gewissen örtlichen Umkreis befinden. Genau diese Zielgruppe wollte Drei für den neuen Jugendtarif „MyLife“ mittels Einblendung von Werbesujets erreichen.

[Michael Fiala]

0 Kommentare

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder
Netiquette auf HORIZONT online