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Servus TV zufrieden mit 2017 - Aus für Frühstücks-TV

Wegscheider freut sich auf erste eigenproduzierte Serie
© APA (Roland Schlager)

Die Jahresbilanz bei Servus TV fällt positiv aus, das steht für Intendant Ferdinand Wegscheider schon jetzt fest.

Er verweist unter anderem auf das historische Marktanteilshoch im September (2,4 Prozent), die Berichterstattung zur Nationalratswahl und die erste Fiction-Serie ("Trakehnerblut", Start am 2. November). Auch die Zusammenarbeit mit "Addendum" funktioniere gut, sagt er im APA-Interview.

Die jüngst über die Bühne gegangene Wahl "war die erste Nationalratswahl, die wir als Servus TV stark gecovert haben", so Wegscheider. "Ich glaube, das gehört zu einem Sender, der Vollprogramm anbietet, einfach dazu - politische Berichterstattung kann man nicht außen vor lassen. Das Feedback von Branche und Publikum war sehr positiv." Die Gemeinschaftssendung der Privaten am Wahltag selbst sieht Wegscheider als "kleinen Meilenstein auf dem Weg zu einem echten dualen Fernsehmarkt". Ähnliche Projekte hält er für sinnvoll, auch bei künftigen Wahlen und etwa auch für Kandidaten-Konfrontationen: "Die große Zahl an politischen Duellen und Konfrontationen war ein unglaublicher Marathon auch für die betroffenen Politiker. Das in Zukunft besser zu koordinieren, wäre im Sinne aller."

Im Frühling wälzte man bei Servus TV Überlegungen, den Info-Bereich auszubauen. "Wir wollen das sicher weiter verstärken", sagt Wegscheider auch im Herbst. Erster Schritt sei die "wöchentlich aktuelle, eigenproduzierte Reportage" am Donnerstag-Sendeplatz. Sie kommt von "Addendum" und bleibt damit sozusagen in der Familie, gehört dieses Medienprojekt doch ebenso ins Reich von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz wie Servus TV selbst.

48 Reportagen pro Jahr von "Addendum"
Pläne für weitere Kooperationen gebe es "derzeit nicht, wir schauen uns das einmal an - jetzt funktioniert das gut". Wenn auch bei den Reportagen, die Servus TV quasi nebenbei das aus ATV bekannte Gesicht von Martin Thür beschert haben, noch "Luft nach oben" ist: "Von den Marktanteilen sind wir noch unter Wert geschlagen. Aber nach wenigen Wochen auf Sendung ist im Fernsehen noch keine endgültige Analyse möglich." 48 Reportagen pro Jahr sollen von "Addendum" kommen. Den früher gern geäußerten Generalverdacht - auch befördert durch Interview-Aussagen des Red-Bull-Bosses im Frühling -, Mateschitz wolle mit Servus TV und "Addendum" eine Art Medienimperium für alternative Fakten aufbauen, sieht Wegscheider nun ausgeräumt.

Derzeit freut man sich bei Servus TV auf das Familiendrama "Trakehnerblut", das auch bei der Programmpräsentation am Dienstagabend in Wien im Zentrum stand. Beworben als "die erste von einem österreichischen Privatsender produzierte fiktionale Serie", verspricht die Produktion acht Folgen voller "Macht, Intrigen und Sehnsucht rund um ein Trakehner-Pferdegestüt". In die Fiction einzusteigen, sei "eine Frage der Zeit" gewesen, sagt Wegscheider - "wenn man den Anspruch hat, ein Vollprogramm zu bieten, gehört sie früher oder später auch dazu". Ist dieses Projekt ein bloßer Testballon oder sollen weitere folgen? "Sowohl als auch: Ja, ein Testballon - aber wenn der Ballon nicht gleich in der erwarteten Geschwindigkeit hochstiegt, heißt das nicht, dass wir die Finger von der Fiction lassen. Wir wollen mehr davon."

Frühstücks-TV ist Geschichte
Frühstücks-TV dagegen ist Geschichte bei Servus TV. Hat hier der ORF mit "Guten Morgen Österreich" übermächtige Konkurrenz geboten? "Das könnte man sagen, ich sehe es nur bedingt so. Wir haben unserer Morgen-Sendung eine Chance gegeben, sie immer wieder evaluiert. Aber ganz unabhängig von Servus TV ist der österreichische TV-Markt extrem klein. Und die Österreicher sind einfach keine Frühstücksfernseher. Die Menge der Morgenfernseher ist damit so überschaubar, dass es wirtschaftlich gesehen eigentlich völliger Humbug ist, dort zu investieren."

Dass der ORF nun auch in der Daytime mit seinem mobilen Studio unterwegs ist, stört bei Servus TV niemanden, versichert Wegscheider. "Herzlich Willkommen, wenn sie auch in Salzburg Station machen", meint er auf die entsprechende Frage. Ob man bei solch schwierigen Rahmenbedingungen wirklich täglich "Höchstleistungen" erbringen könne, sei dahingestellt.

Medienpolitische Wünsche an die neue Regierung gibt es in der Branche jede Menge - auch Wegscheider hat auf Nachfrage einige parat. Der frühere TV-Rebell, der mit Privatsendern das Fernseh-Monopol bekämpfte, ist immer noch der Ansicht, der ORF sei zu groß. Ein öffentlich-rechtlicher Sender sei wichtig, betont er - ebenso aber ein "fairer dualer Rundfunk-Markt". "Ich glaube, dass es grotesk ist, in einem so kleinen Markt wie Österreich vier Radioketten und vier Fernsehketten zu betreiben. ORF III macht das öffentlich-rechtliche Programm, das ich eigentlich in ORF 2 sehen müsste. So ist der öffentlich-rechtliche Auftrag sicher nicht gemeint."

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