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Servus-TV-Chef Wegscheider: "Hauptziel heißt Qualität"

Seit drei Jahren führt Ferdinand Wegscheider ServusTV - mit zunehmenden Erfolg.
© Johannes Brunnbauer

Ferdinand Wegscheider ist seit 2016 ‚Intendant‘ des Salzburger Privatsenders ServusTV. Im Interview mit dem HORIZONT spricht er über Wachstum, Formate – und spart nicht mit Kritik am ORF.

Dieser Artikel erschien auch in der Ausgabe 39/2019 des HORIZONT zu den Österreichischen Medientagen. Noch kein Abo? Hier klicken.

Steigende Marktanteile, ein eigenes Programm für Deutschland, seit Kurzem auch mit Nachrichten. ServusTV-Chef Ferdinand ­Wegscheider ist zurzeit erfolgsverwöhnt – und bleibt sich treu. Kein Gespräch ohne kleine Seitenhiebe in Richtung des großen Konkurrenten ORF.

HORIZONT: Seit Ihrem Antritt verzeichnet ServusTV ein kontinuierliches Quotenwachstum. An welchen Rädern haben Sie dafür gedreht? 
Ferdinand Wegscheider: Wir haben als erstes ein erwartbares Sendeschema für die Seher etabliert, das war die Hauptkritik, die ich zuvor immer gehört habe. Das hat schnell Wirkung gezeigt. Vieles andere waren handwerkliche Feineinstellungen. Der Freitag war zum Beispiel immer schon mit den Themen Brauchtum und Natur bespielt, aber ein bisschen Kraut und Rüben. Wir haben dann die Dachmarke „Heimatleuchten“ installiert – und siehe da: Bei gleichen Inhalten ist die Quote aufs Doppelte gestiegen. Nach „Terra Mater“ gab es dann ein zweites Flaggschiff. Vor allem haben wir uns aber die Access Primetime vorgenommen, die jetzt mit News, „Bares für Rares“ und dem Quiz erfolgreich befüllt ist.

Welche Zeitzone nehmen Sie sich als nächstes vor? 
Angedacht ist, sich jetzt die Day Time, also den Nachmittag, anzuschauen. Wir sind im Stadium der Evaluierung und Planung.

Beim ZDF wird am Nachmittag viel gekocht. Und Serien wie „Die Rosenheim Cops“ funktionieren hervorragend. Sind deutsche Öffentlich-Rechtliche ein Vorbild? 
Durchaus. Und „Die Rosenheim Cops“ würde ich sofort nehmen.

Ihre strategische Ausrichtung bleibt dieselbe? Wo sehen Sie die Grenze bei den Marktanteilen?
Unser Hauptziel heißt Qualität. Dass sich Qualität und Quote nicht ausschließen, dafür ist ServusTV schließlich der lebende Beweis. Eine Grenze gibt es in dem Sinn nicht, das würde ich auch nicht wollen. Das hemmt die Leistungsbereitschaft. Es ist ja auch eine Motivation, zu sagen: „The sky is the limit.“ Wenn mir jemand vor drei Jahren gesagt hätte, dass wir die Quote in dem Zeitraum verdoppeln, hätte ich es für zu ambitioniert gehalten. Umso mehr freut‘s mich.

Wer bringt die Marktanteile? Das schaffen Einzel-Events wie Fußballmatches ja nicht alleine.
Wir haben Flaggschiffe wie MotoGP und tägliche Leisten, die in der Access passieren, von den News bis hin zum Wetter, bei dem sich der Aufwand, an immer anderen Orten zu drehen, mit bis zu 200.000 Sehern lohnt.

Es fällt auf, dass auch der ORF Anleihen bei ServusTV nimmt. Die Heimatschiene etwa bei ORF III. 
Da hat es teils plumpe Versuche gegeben. Als wir unsere erste fiktionale Serie „Trakehnerblut“ gestartet haben, wurde bei ORF III an acht Sendeterminen durchgehend mit Pferdeformaten gegenprogrammiert. Und jetzt startet ORF1 mit einem Vorabendquiz, das sogar das Logo von unserem Quiz abkupfert; das empfinde nicht nur ich so. Ich nehme das als Kompliment und als Hinweis für gute Arbeit. Wir stehen da drüber. Der frühere ORF-Generalintendant Gerd Bacher hätte vielleicht gesagt: „Das ist ein Armutszeugnis, wenn die größte Medienorgel des Landes so einen kleinen Sender kopieren muss.“ Aber das hätte Gerd Bacher gesagt.

Positionieren Sie Ihre Nachrichten bewusst gegen den ORF? 
Nein, wir positionieren nicht bewusst gegen den ORF, aber wir zeigen immer wieder Beiträge – wie zum Beispiel im Themenkomplex Migration und Flüchtlingskrise –, die man in den ORF-Nachrichten nicht sehen kann. Warum? Das müssen Sie den ORF fragen.

Thema Vermarktung: Warum vermarktet sich ServusTV jetzt wieder selbst und nicht mehr über‘s Red Bull Media House?
Das ist der internationalen Entwicklung geschuldet. Kleinere Sender wie unserer drohen unter die Räder zu kommen bei Sales und Vermarktung in einem Geschäft, in dem die großen Konzerne mit ihren Senderketten das Agenturgeschäft fest im Griff haben. Es entspricht unserer Philosophie der Qualität, auch qualitätsvoll zu vermarkten – in dem Fall heißt das ­Direktvermarktung.

Angeblich erlöst der Sender 20­ Millionen Euro, sechs davon in Deutschland. 
Über Zahlen sprechen wir generell nicht.

Zu den Sportrechten: Sky skizziert die Idee einer Champions League für den Skisport – auch für Sie interessant im Zuge einer Rechteteilung?
Große Sportrechte sind attraktiv, ich verweise auf unseren Erfolg mit der MotoGP, die ja zuvor ein Stiefkind war. Wir müssen nur die ­Kosten-Nutzen-Rechnung anstellen. Aber wenn wir konkrete Partner finden wie beim Tennis mit Sky, ist das immer interessant für uns.

Welche Pläne haben Sie im fiktionalen Bereich nach der zweiten Staffel der Serie „Meiberger“?
Unser nächstes Projekt ist der Ausseer Landkrimi. Julian Pölsler verfilmt mit Cornelius Obonya für uns die Kriminalreihe von Herbert ­Dutzler. Die hatte Pölsler zuerst dem ORF vorgeschlagen, wo man ablehnte. Als ich den ersten Roman gelesen hatte, dachte ich: „Bingo! Das ist das Richtige für ServusTV.“

Ein Vollprogramm braucht Shows. Wird es dieses kostenintensive Programmgenre künftig auch bei ServusTV geben? 
Unterhaltungschef Martin ­Gastinger hat zuletzt das Konzert und die Doku mit Andreas Gabalier betreut, was wir am Nationalfeiertag zeigen. Und wir evalieren auch andere ­Unterhaltungsformate.

Ich höre auch von Unstimmigkeiten innerhalb der AGTT und in Sachen Teletest. Sind Sie mit der Fernsehquoten-Messung im Moment zufrieden? 
Dass wir das nicht sind, ist kein großes Geheimnis. Bis dato ist es so, dass unsere Quoten steigen und trotzdem haben wir untertags angeblich oft null Zuseher. Da stimmt etwas nicht. Die kleinen Sender sind in der Messung einfach benachteiligt. Da entgehen uns einige Zehntel Prozent Marktanteil und auch einige hunderttausend Euro. Ich hoffe, nach der Miteinbeziehung von ­HbbTV im Teletest wird sich das ändern.

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