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ROG kritisiert Verurteilung von türkischer Journalistin

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Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat die Verurteilung der türkischen Journalistin Pelin Ünker in Istanbul scharf kritisiert.

"Dass man investigativen Journalismus kriminalisiert, ist nicht hinnehmbar", zeigt sich Rubina Möhring, Präsidentin von ROG, entsetzt und appellierte in einer Aussendung vom Donnerstag für einen Freispruch. Ünker wurde nach Recherchen zu den "Paradise Papers" über Briefkastenfirmen und Steueroasen wegen Beleidigung eines hochrangigen Politikers zu rund einem Jahr Haft verurteilt. Sie soll zudem mit ihrer Arbeit Parlamentschef Binali Yildirim und seine Söhne diffamiert haben. Yildirim war bis vor kurzem Ministerpräsident der Türkei.

Das Gericht habe sich nach der Anhörung, an der Reporter ohne Grenzen teilnahm, geweigert die Gefängnisstrafe von Ünker auszusetzen. Begründet sei dies damit worden, dass sie während des Prozesses keine Reue gezeigt habe und dass das Gericht daher nicht davon überzeugt sei, dass sie nicht erneut dasselbe "Verbrechen" begehen würde.

"Journalismus ist kein Verbrechen", stellt Möhring in ihrer Aussendung klar. "Die Verurteilung Ünkers zeigt, dass die türkischen Behörden weiterhin Investigativjournalisten verfolgen. Das ist nicht nur gefährlich für Journalisten vor Ort, das ist eine Bedrohung für die gesamte Zivilgesellschaft. Dass über Missstände berichtet wird, liegt im Interesse der Allgemeinheit", so Möhring.

Ünkers Anwälte versuchten indessen erfolglos, das Gericht davon zu überzeugen, dass die Berichterstattung über Investitionen des ehemaligen Premierministers und die Vorkehrung zur Steuervermeidung seiner beiden Söhne dem öffentlichen Interesse dienten. Ünker werde Berufung gegen die Strafe einlegen. Bei Bestätigung des Urteils drohen ihr 13 Monate Haft.

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