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Robotics Lounge: Wann übernehmen Roboter die Medienarbeit?

Panel-Diskussion zum Thema: v.l. Gregor Famira, Nadine Rigele, Moderator Christian Reischl, Michael Brookhouse-Pasterniak, Clemens Wasner, Alexis Johann, Dimitrios Prodromou
© HORIZONT (Sascha Bunda)

Praxiserfahrungen und rechtliche Konsequenzen des Einsatzes von AI im Medienbetrieb ging es bei der Robotics Lounge im Palais Niederösterreich.

Robotics ist nicht nur ein Trend, über den Medien berichten. Künstliche Intelligenz hat bereits in Redaktionen Einzug gehalten und unterstützt bei der Berichterstattung. Um Lessons Learned, Praxiserfahrungen, Risiken und Chancen ging es bei der Robotics Lounge im Wiener Palais Niederösterreich.

Einen Praxisbericht liefert Nadine Rigele (APA) in ihrer Keynote über die Erfahrungen mit dem Textroboter „Egon“. Dieser wurde zunächst auf lokale Sportberichterstattung angesetzt und lieferte Texte zu Fußball-Spielen der niedrigeren Spielklassen. Ziel war es, zusätzliche Inhalte ohne zusätzliche Ressourcen zu generieren. Dazu wurden bestehende Berichte in Bausteine zerlegt, die "Egon" nun selbst zusammenfügen kann - vorausgesetzt, es gibt einen Sieger in der Partie. "Was er nicht kann, sind Unentschieden", gab Rigele zu. Ihr Fazit: In absehbarer Zeit wird kein Sportjournalist um seinen Job bangen müssen. "Ohne Redakteur ist und bleibt der Roboter dumm", fasste sie zusammen. Der beträchtliche Initialaufwand steht dem Durchbruch noch entgegen. Auch selbstständiges Machine Learning sei derzeit noch Utopie. Die Maschine erkennt die relevanten Textbausteine nicht. Das ist das Ergebnis eines Versuches, bei dem Egon mit 5200 Berichten des Fußball-Fachmagzins "kicker" gefüttert wurde. Aus 160.000 Sätzen entstanden gerade einmal 178 signifikante Templates.

Wer für die Fehler von „Egon“ haftet, klärte dann Rechtsanwalt Gregor Famira (Partner, CMS Reich-Rohrwig Hainz) in seinem Vortrag. Die Maschine sei kein Rechtsträger, stellte er unter anderem klar, haften würden immer Menschen oder das Unternehmen. Famira könnte sich einen Haftungsfonds vorstellen, in den Medien, die KI nutzen, einzahlen, um davon Schäden von Roboter-Redakteuren abgleichen zu können.

Was von Robotern im Medienbereich zu erwarten ist, darüber diskutierte dann ein hochkarätig besetztes Panel unter der Moderation von Christian Reischl (robo4you). Roboter-Experte Dimitrios Prodromou (Humanizing Technologies), der auf seinen bekannten Roboter-Compagnon "Pepper" verzichten musste ("der befindet sich auf einem Date"), betonte, dass etwa "Pepper" mehr als ein Sprachassistent a la Alexa sei, der nur Nachrichten vorlesen könne, sondern ein Social Companion. Hier knüpfte Alexis Johann (styria digital) an: Beim Roboter-Einsatz in den Medien stehe man noch ganz am Anfang. Neben Effizienz-Steigerung, gebe es vor allem die Chance, neue Erlebnisse zu schaffen. Pepper könnte etwa eine ganz persönliche Nachrichtenübermittlung besorgen, abgestimmt auf individuelle Interessen - nicht nur, was Themen betrifft, sondern auch Satzlänge und Zusatzerklärungen.

Selbiges könne sich auch Rigele vorstellen, meinte sie. Neben der Optimierung auf Lesegewohnheiten könnte die Nachrichtenübermittlung auch an das Endgerät oder den Abrufort angepasst sein. Bezüglich des Vertrauens in die Roboterjournalisten betonte Rigele das Vier-Augen-Prinzip der APA, es würde also immer ein Redakteur drüberschauen. 

Clemens Wasner (Enlite AI) nutzte die Gelegenheit, um auf Österreichs Stärken in der Robotik zu verweisen, die öffentlich manchmal nicht gebührend wahrgenommen werde. Vor allem bei Industrie un Produktion seien Österreichs Vorzüge. 

Michael Brookhouse-Pasterniak (Grant Thornton Unitreu) warnte davor, Roboter als Möglichkeit zur Senkung von Personalkosten in den Medien zu sehen. Das sei der falsche Weg. Man müsse KI als Tool sehen, das mehr Zeit für Recherche und Qualitätsjournalismus verschaffe.

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