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Radio: Zwischen nationalen Regeln und internationaler Digitalisierung

Moderator Andreas Kunigk (RTR), Monika Eigensperger (ORF), Matthias Pfaff (barba radio) und Rüdiger Landgraf (KRONEHIT).
© Markus Wache

In einer Zeit, in der Musik überall und zu jeder Zeit konsumiert werden kann, wird Markenstrahlkraft und Wiedererkennung zum zentralen Erfolgsmerkmal für Radiosender. Doch wie gelingt konsistenter Markenaufbau in dieser schnelllebigen Zeit und welche Radioformate haben Zukunft? Darüber haben Monika Eigensperger (ORF), Rüdiger Landgraf (KRONEHIT) und Matthias Pfaff (barba radio /Regiocast) unter der Leitung von Andreas Kunigk (RTR) diskutiert.

Für Monika Eigensperger vom ORF haben die letzten Radiotest-Zahlen gezeigt, dass sich Radio auf stabilem Niveau etabliert: „Radio ist das erfolgreichste Medium Österreich, täglich hören sechs Millionen Menschen ein Programm in Österreich, insgesamt 94 Prozent der Österreicher pro Woche.“ Gesunken ist hingegen die Hördauer, aber auch junge Leute hören Radio, wenn auch nur rund zwei Stunden. „Das Angebot durch Youtube, Spotify & Co ist deutlich gestiegen, das nagt an der Hördauer des Radios. Das ist aber auch andererseits eine riesige Chance für Radiosender, weil wir guten Content produzieren.“

Privatsender auf Augenhöhe

Rüdiger Landgraf von Kronehit bilanzierte für seinen Radiosender ebenfalls positiv. Zudem sieht er im Radiobereich eine Ausgewogenheit, die es in anderen Mediensparten nicht gibt: „Im Radio ist das Verhältnis zwischen öffentlich-rechtlich und privaten Sendern auf Augenhöhe.“ Aber: „Die Privaten wären entspannter", und beschreibt das Problem: "Es gibt ordnungspolitisch noch immer keine gute Trennung zwischen öffentlich-rechtlich und privat. Die Gefahr besteht, dass der ORF noch mehr Werbebudget rauszieht.“

Neue Formate gefragt

Die Digitalisierung ist natürlich auch bei den Radios ein großes Zukunftsthema, das längst in der Gegenwart angekommen ist. Wie man mit neuen Formaten Erfolg haben kann, erzählte Matthias Pfaff von Regiocast. Mit „Barabara Radio“ wurde mit Barbara Schöneberger ein neues Format aufgezogen, das auf drei Säulen basiert. Zum einen als 24/7-Personality-Sender. „Dazu steht uns Barbara Schöneberger für vier Stunden pro Woche zur Verfügung“, so Pfaff. Die zweite Säule ist der Podcast „Mit den Waffeln einer Frau“, wo Schöneberger mit Kollegen spricht, aber „kein Interview führt“, betont Pfaff. Den Podcast gibt es übrigens nicht auf Plattformen wie Spotify, sondern nur auf der eigenen App. „Auf dieser App ist nur der Podcast zu hören, sonst nichts“, betont Pfaff. „Wir haben derzeit 6.000 Downloads pro Monat. Der Podcast ist als absoluter Treiber der App zusehen.“ Die dritte Säule ist die regionale Vermarktung von „Barbara Radio“. Bereits vorhandener Content wird neu zusammengestellt und gebietsgeschützt einzelnen regionalen Sendern angeboten, die dieses Angebot dann für ihre Region exklusiv vermarkten können. „Diese drei Säulen bespielen sich gegenseitig, mittlerweile haben wir auch eigene Sponsoren für den Podcast“, soder Radiocast-Manager. 

Monika Eigensperger (ORF): "Wir müssen unseren digitalen Content spätestens nach 30 Tagen wieder offline nehmen. Das wäre so, wie wenn Netflix die ersten Staffeln von Walking Dead nicht mehr anbieten würde."

Auch in Österreich möglich?

In weiterer Folge ging es in der Diskussion dann darum, ob man das Beispiel von „Barabara Radio“ auch auf Österreich umlegen könnte. „Wir nehmen den Podcast-Trend sehr ernst und haben mehrere Podcast-Reihen aufgebaut“, meinte Landgraf von Kronehit. Ein Geschäft sei es derzeit aber nicht, „es ist ein Trial and Error Prozess, wir fallen dabei auch oft auf die Nase.“ Zudem sei es aus Sicht von Landgraf naiv zu glauben, dass Leute, die einen Kronehit-Podcast hören, dann automatisch auch eher Kronehit hören. 

Das Beispiel von „Barbara Radio“ fand der Kronehit-Vertreter interessant, ob es jedoch aus Österreich heraus möglich ist, etwas zu machen, was man auch in Deutschland skalieren kann, sei fraglich. Das liegt auch an den rechtlichen Gegebenheiten. „Sobald ein Podcasat mit Musik hybrid produziert wird, fehlen uns die Rechte für Deutschland. Das schränkt uns natürlich ein. Es gibt keine europäische Ordnung, was dringend geändert gehört, damit kleinere Länder hier auch eine Chance auf weite Verbreitung haben.“

Eingeschränkter ORF

Eigensperger zeigte sich jedoch skeptisch: „Die Möglichkeiten des ORF im digitalen Bereich sind sehr eingeschränkt, das sollte sich auch aus gesetzlicher Sicht ändern. Wir müssen unseren digitalen Content spätestens nach 30 Tagen wieder offline nehmen. Das wäre so, wie wenn Netflix die ersten Staffeln von Walking Dead nicht mehr anbieten würde.“ Zudem sei Österreich zu klein: Ein Podcast, der in Österreich 10.000 Fans hat, wäre in Deutschland zehn Mal so groß. „100.000 klingt gut, 10.000 klingt nicht so gut.“ Ein Ansatz, den Pfaff nicht gelten lassen wollte: „Österreich argumentiert immer mit der kleinen Größe. Das zählt aber nicht. Auf Spotify sind wir in Deutschland auch klein und es gibt dennoch Erfolg. Ich höre immer nur, warum etwas nicht geht. Das ist aber nicht die Story, die die Menschen hören wollen. Der Nutzer entscheidet am Ende des Tages, nicht die Gesetze.“

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