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"Radio war nie tot"

Tobias Conrad (RMS Deutschland), Valerie Weber (WDR) und Moderator Alfred Grinschgl (RTR).
Medientage 2016 Tag1
© Elisabeth Kessler

Panel "Das Revival des Radios im digitalen Zeitalter" - Herausforderung on demand versus Sender-Marken-Pflege

Tobias Conrad, beim Audiovermarkter RMS in Hamburg für die digitale Vermarktung von rund 160 Sendern aus dem Vermarktungsportfolio der RMS in Deutschland verantwortlich, und Valerie Weber, Programmchefin der Radios des öffentlich-rechtlichen Westdeutschen Rundfunk WDR, skizzieren unter der Moderation von RTR-Geschäftsführer Alfred Grinschgl ihre Sicht auf Herausforderungen, Perspektiven und Zukunft von Radio.

Das Thema DAB+ als Verbreitungsweg für lineares Radio kommt fast gar nicht vor: Die Reichweiten seien überschaubar, die Kostenvorteile zwar eindetig, die technischen neuen Möglichkeiten ebenso - allein: Das Netz als Solches bietet bereits alle diese Möglichkeiten für Sendermarken linearen Zuschnitts. Also, wann werden zumindest gleichviel Menschen Radio oder Radioformate über das Netz hören wie über UKW? Dauere noch gut fünf bis zehn Jahre.

RMS-Conrad sieht insbesondere das Smartphone als die Schaltstelle und Plattform für Medienangebote. Radiosender müssen es schaffen, meint Conrad, als App auf die erste Seite des Smartphone zu kommen. Und: Die "Aggregatoren" wie etwa radio.de als Plattformen werden eine zunehmend zentrale Rolle spielen bei der Ausspielung von Programmen von Sendermarken über das Netz. Und: Kooperation bei der Vermarktung, sagt der Vermarkter, sei unerlässlich, Sendermasrkenübergreifend.

WDR-Weber stellt einmal die Themenstellung in Frage: "Radio war und ist doch nicht tot - wieso fragt ihr nach Revival?" Was allerdings Radio respektive die Sendermarken beachten müssten im Wettbewerb um Hörer, sind die aus Sicht Webers drei großen Asstes von linearem Radio: Die Aktualität via Wetter, Verkehr oder Nachrichten, die Kompetenz von Musik- und Feature-Redaktionen und namentlich die Interaktion mit den Hörern im Programm zu bewahren. Zuviel davon seien Radiomacher bereit einfach ins Netz zu transferieren. "Ich glaube an die Zukunft von Braodcasting", sagt Weber.

Somit besteht zwischen dem (Privat-)Radiovermarkter und der (öffentlich-rechtlichen) Programmmacherin über die Herausfordernung von Radiosendermarken eigentlich Übereinstimmung: Marken auch digital erlebbar machen und nicht allein Aggregatoren überlassen.

Nur in einem Punkt widersprechen sich die Diskutanten deutlich: Weber erwartet, dass via Smartphone und Content-Plattformen oder Guides wie Amazons Alexa der "Enduser" seine Programmschnipsel überwiegend selbst zusammenstellen wird. WDR Weber widerspricht - "Ich glaube nicht, dass die Menschen dauernd nach Inhalten suchen wollen." Moderator Grinschgl griff den eingangs genannten Zeitraum der Transformation auf: "Reden wir in fünf, zehn Jahren wieder!" Alsdann.

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