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Presserat reagiert auf Vorwürfe zu Maßgaben bei Suizid-Berichten

Der Presserat wies Alms Vorwurf, das Thema Suizid tabuisieren zu wollen, entschieden zurück.
© Österreichischer Presserat

In einem offenen Brief an Niko Alm wegen dessen mit "Selbstmordgedanken" getitelten "Addendum"-Newsletters hat Presserat-Geschäftsführer Alexander Warzilek Alms Vorwurf gekontert, die Presseratsrichtlinien zur Berichterstattung über Suizide entbehrten sachlicher Grundlagen.

Alm hatte in dem Newsletter kritisiert, dass der Ehrenkodex des Presserats bei Berichterstattung über Suizide unter Punkt 12 zur äußersten Zurückhaltung mahnt, um Folgesuizide zu vermeiden. Diese Richtlinie sei willkürlich gesetzt und eine "moralische Wertung", so Alm in dem Beitrag, der in den Sozialen Medien für einiges Echo gesorgt hatte. "Warum der Selbstmord als etwas gilt, das nicht nachgeahmt werden soll, bleibt offen", schrieb Alm etwa.

Der Presserat begegnete den Vorwürfen nun in einem offenen Brief mit Verweis auf regelmäßig bestätigte empirische Forschungsergebnisse, wonach undifferenzierte Berichterstattung über Suizide zu Folgesuiziden führe.Gerade an der Uni Wien wurden dazu maßgebliche Studien durchgeführt, die auch international Beachtung fanden. Schätzungen zufolge kann kann ein undifferenzierter Bericht über Suizide in Österreich zu bis zu drei Folgesuiziden führen. Umgekehrt können redaktionell entsprechend aufbereitete Berichte, die etwa auch Angebote zur Hilfe für Personen in Ausnahmesituationen beinhalten, nachweisbar positive Effekte haben.

"Solidarität mit Menschen in Krisensituationen"

Alms Argument, dass Entscheidungen über das eigene Leben die Privatangelegenheit jeder Person sein müssten, stimmt der Presserat zu, unterstreicht jedoch: "Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass man Personen, die sich in einer Krisensituation befinden und tief verzweifelt sind, links liegen lässt. Solidarität ist ein Eckpfeiler unserer Gesellschaft." Zudem wird unterstrichen, dass der Presserat keineswegs für die Tabuisierung der Thematik stehe, sondern dass gerade auch Journalismus im Sinne der Prävention Stellung beziehen müsse.

 

Da Alm dem Presserat zudem vorwarf, seine Entscheidungen aufgrund der eigenen "moralischen Gewissheit .(...) bei Soletti und Liptauer (...) oder halt Brötchen vom Schwarzen Kameel" zu fällen, hielt Warzilek zudem per PS fest, die im Presserat tätigen Personen seien ehrenamtlich tätig, und weiters: "Dass es bei unseren Sitzungen kleine Snacks in Form von Frühstückskipferln bzw. manchmal auch Brötchen gibt, ist eine kleine Geste der Wertschätzung dieser wichtigen Arbeit. Auch wenn die Brötchen nicht vom „Schwarzen Kameel“ sind."

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