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Politico für die EU – Oder die US-Ursupatoren

Jenseits des HORIZONT

Politico ist das einflussreichste In­sider-Portal in Washington. Wer sich orientieren will, schaut hinein. Und nicht in die New York Times oder Washington Post. Politico gilt als liberal bis links, offen kritisch, gut gemacht. Es gibt auch eine Print-Edition. Sie ist finanziell verlustreich. Noch.Inzwischen hat man Capital New York erworben, ein Pendant für die Wirtschaftswelt. Mit Schwerpunkt Economics und Medien. Das funktioniert. Nun will man einen Schritt weitergehen und eine Politico in Brüssel ­herausgeben – für EU-Insiderinformationen. Die US-Amerikaner erobern Feindesland.Europäische Verlage, die immer wieder die Kommunikationspolitik der EU kritisieren, sind offensichtlich dazu nicht in der Lage, ein europäisches Politmedium auf die Beine zu stellen. Sie kritisieren die Hegemonisierung US-amerikanischer Medien und Distributoren – von Google bis Amazon und Co. – sind selbst aber offensichtlich nicht gewillt oder nicht fähig, dem etwas entgegenzusetzen. Also machen die Amerikaner Po­litico Europe. Sie werden die besten Journalisten verpflichten, die Gelder der globalen Werbewirtschaft einbringen – schließlich geht es aktuell um das für die USA so wichtige Freihandelsabkommen mit Europa. Die europäischen Verlage schauen wieder einmal tatenlos zu. Weder Springer noch Burda, weder Bonnier noch Lagardère oder Gruner + Jahr zeigen Ambitionen. Europa und die Europäische Union müssen sich nicht wundern, warum sie medial und kommunikationstechnisch ins Abseits geraten. Die Chinesen haben mit Alibaba – demnächst an der New Yorker Börse notiert – ein Pendant zu Amazon und Google ­aufgebaut, in Korea formiert sich ein gewaltiger Messaging-Dienst, der Whatsapp das Wasser abgräbt, erfolgreich investieren Chinesen in WLAN-Technologie in Afrika, um den Content zu erschließen. Die europäischen Telekomkonzerne schauen zu.Der Mexikaner Carlos Slim, in Lateinamerika an der Grenze der Expansion angelangt, investiert in Europa. Die Telekom Austria, die in einem beispielslosen Akt von Dilettantismus beim Konsortialvertrag alles – auch die eigene künftige Gestaltungskraft – aus der Hand gegeben hat, ist sein erster Schritt. In Osteuropa warten noch weiße Flecken – die Ukraine ist einer davon. Politico wird in Brüssel mit der nötigen Power und Werbegeldern – schließlich geht es um Native Advertising – der großen US-Konzerne eine perfekte Lobbying-Maschine werden.Die Europäische Union? Nationalstaaten streiten in der Zwischenzeit, wer schwach genug sei, um Rats- und Kommissionspräsident zu werden, damit er oder sie keine starke gemeinsame Politik umsetzen kann. Und Europa als außenpolitische Stimme nicht gehört wird. Man muss kein Globalisierungsgegner sein, um zu konstatieren, dass der Furor vor dem Gemeinsamen der größte Hemmschuh Europas ist. Die Beschwörung der kulturellen Vielfalt allein ist zu wenig. Wenn sie keine gemeinsame Basis hat.

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