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Phänomen Business Punk: Wie aus einem Ideenwettbewerb ein innovatives Magazin entstand

Die Redaktionsleitung des Business Punk: Christian Cohrs (links) und Tolgay Azman.
Christoph Neumann, www.christoph-neumann.com
© Christoph Neumann

Ohne großes Kalkül ein Printmagazin für Digital Natives machen und damit Erfolg haben? Das geht. Redaktionsleiter Christian Cohrs erklärt wie – und welche Herausforderungen nun warten.

Dieser Artikel ist zuerst in der Print-Ausgabe des HORIZONT, Nr. 38, erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Begonnen hat alles auf der berühmten grünen Wiese, einem verlagsinternen Wettbewerb: „Am Anfang stand die paradoxe Idee für Menschen, die nur noch digital unterwegs sind, ein gedrucktes Heft zu machen. Und es hat funktioniert“, lacht Christian Cohrs. Der Journalist leitet gemeinsam mit Tolgay Azman die Redaktion des Business Punk. Mit der ersten Ausgabe 2009 schlug das neue Wirtschafts- und Lifestylemagazin von Gruner + Jahr gehörig Wellen: „Viele unserer Leser haben sich das erste Mal im Leben ein gedrucktes Heft gekauft, oder ein Printabo abgeschlossen“, erzählt er. Business Punk wollte von Anfang an die Funktion eines Trendscouts innehaben: „Wir haben nicht kalkuliert was wir machen, sondern wollten aus unserer Haltung heraus Geschichten erzählen, Leute porträtieren und möglichst nah an den Menschen rankommen.“

Erfolg durch Facebook-Community

Nach einer Probezeit erscheint das Heft seit 2014 sechsmal pro Jahr mit einer verkauften Auflage von 35.000 Exemplaren. Und auch die digitale Strategie scheint aufzugehen: Die Webseite von Business Punk verbucht 1,2 Millionen Page Impressions und über die Facebook-Page haben sich 230.000 Fans versammelt (Stand August 2017). Cohrs dazu: „Tatsächlich ist der Erfolg der Facebook-Page aus der Not heraus entstanden. Wir hatten keine Webseite, also haben die damaligen Redaktionsleiter Nikolaus Roettger und Anja Rützel beschlossen, Facebook als Kanal zu nutzen, in dem wir ein bisschen Inhalte pushen.“ Das „bisschen“ Inhalt führte dann zu einer beachtlichen Community. Im Laufe der Zeit habe man aber beobachtet, dass sich die Kommunikation auf Facebook verändert, so Cohrs: „In der Anfangszeit war die Interaktion mit den Fans extrem viel, sogar wenn wir in der Schlussphase der Produktion waren, haben wir um zwei Uhr in der Früh noch geschrieben und um Musikempfehlungen gebeten.“ Jetzt beschränkt man sich eher auf Feedback beziehungsweise One-to-One-Kommunikation über den Messenger. Dafür kam Instagram als Kanal dazu und damit eine spannende Entdeckung: „Für viele unserer Leser ist das Heft auch ein Lifestyle-Statement. Wir sehen oft, dass Leute ihre alten Ausgaben von vor einem Jahr in den Urlaub mitschleppen oder in ihre Frühstücksarrangements einbauen. Das ist im Bereich der Wirtschaftsmagazine eher eine Ausnahme.“

Aus Followern Leser machen

Eine eigene Webseite hat Business Punk erst seit dem Umzug der Redaktion nach Berlin 2014. „Wir haben mit kuratierten Inhalten und Heftinhalten angefangen, jetzt sind wir gerade dabei, eine kleine Redaktion aufzubauen und Print und Online zusammenzuführen“, erzählt der Redaktionsleiter.

„Im Grunde wollen wir aus unseren Followern auch Heftleser machen, und diese beiden Welten, die historisch nicht immer deckungsgleich waren, zusammenbringen.“ So unterscheidet sich die Business-Punk-Zielgruppe der „Digital Natives“ sehr wohl zwischen Heft und Netz: „Online sind die Leser viel jünger, oft wissen sie gar nicht, dass es dazu ein Printmagazin gibt. Unsere Zielgruppe ist generell zwischen Anfang 20 und Mitte 30 und ein bisschen weiblicher, als es den Anschein hat. Wir bekommen immer mal wieder Feedback, warum denn da nur Werbung für Männer drinnen ist“, zeigt sich Cohrs amüsiert.

Wie skizziert der Journalist – der von der ersten Ausgabe an als freier Mitarbeiter dabei war und sich selbst als „Faktotum der Redaktion“ bezeichnet – den Erfolg von Business Punk? „Wir sind eine Medienmarke, mit der Menschen sich identifizieren und aber auch daran reiben. Wir haben inhaltlich weder die große Masse am Schirm, noch sind wir eine riesige Fachredaktion. Wir sind selbst auf der Suche und bleiben nicht stehen.“ Dass digitale Themen so wie die Start-up-Welt in der Berichterstattung zum Mainstream geworden sind, sieht man in der Redaktion als Herausforderung, neue Richtungen einzuschlagen: „Wir gehen jetzt mit eigenen Dossiers mehr in die Tiefe, wagen uns aus der Wirtschaftsecke raus und versuchen, Schnittstellen zu allen Themen der Welt, mit der wir uns identifizieren, zu finden.“ 

[Veronika Höflehner]

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