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P7S1P4-Gruppe erweitert ihre App um ORF-Sender

ProSiebenSat.1 Puls 4-CEO Markus Breitenecker zappt durch Zappn
© P7S1P4

ProSiebenSat.1 Puls 4 integriert ORF-Sender in seine App Zappn, will weitere dazuholen, launcht den neuen Sender ‚Puls 24‘ und erweitert um Premiuminhalte.

Medienmenschen, die auf Smartphones starren, sind an sich ja keine Seltenheit. Außer ProSiebenSat.1-Puls-4-Senderchef Markus Breitenecker leitet persönlich durch die App der Sendergruppe: Am Dienstag präsentierte der Medienkonzern die Expansionspläne für seine Streamingapp Zappn, die einhergehend mit den Aktivitäten der deutschen ProSiebenSat.1-Mutter den Beinamen Joyn tragen wird.

Bereits 2017 launchte die Sendergruppe wie berichtet Zappn in Österreich als App, die die TV-Inhalte des Medienhauses sowohl linear als auch on demand auf mobilen Devices und Smart-TVs abrufbar macht. Seitdem verbuchte das digitale Service nach Eigenangaben eine Million Downloads, auf Nachfrage konkretisieren die Verantwortlichen derzeit 150.000 bis 160.000 monatlich aktive Unique User. 26 Prozent Plus in der Viewtime im ersten Quartal 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und etwa 1:15 Stunden durchschnittliche Nutzung pro User würden das Wachstum unterstreichen. Das Anliegen ­Breiteneckers, schon zum Start weitere Player ins digitale Boot zu holen, ist nun bereits teilweise realisiert: Mit einem Softlaunch sind seit April die öffentlich-rechtlichen Flaggschiffe ORF 1 und ORF 2 verfügbar, schauTV und ServusTV würden noch im Juni folgen.

„Ich lade alle ein, Zappn zu joynen“, so Breitenecker vor Journalisten. Es sei „wesentlich strategische Ausrichtung, möglichst viele gute Sender am Player zu haben“. In Deutschland bereits an Bord, sollen etwa ARD und ZDF folgen. Auch wenn Breitenecker das an diesem Morgen so direkt nicht anspricht, fehlen wie in Deutschland auch hierzulande die Sender der RTL-Gruppe. Die Bertelsmann-Tochter zieht mit TVNow derzeit bekanntlich einen eigenen Streamingkonkurrenten hoch. Für Österreich sieht Breitenecker das Ziel, 50 Player innerhalb der nächsten zwölf Monate an Bord zu haben. „Das ist ein Ausfluß des Stimmungszeitalters, das von Kooperation statt Konkurrenz geprägt ist“, so der Senderchef. Es habe daher auch kein Zugeständnis etwa an den ORF für die Teilnahme gegeben, vielmehr integriert die Privat-TV-Gruppe den Öffentlich-Rechtlichen in ihr Angebot, dafür sind die Privatsender bei simpliTV vertreten – eine Unternehmung der ORS-Gruppe, die wiederum mehrheitlich im Besitz des ORF ist. 

Eigenes Live bei Bedarf

Die Expansionsschritte beinhalten neben neuen Partnern aber auch neue Services. So liefern App und puls4.com einen Breaking News Pop-up-Channel namens „Puls 24“, der bei Bedarf bespielt werde. Spätestens die intensive innenpolitische Nachrichtenlage der letzten Tage seit dem „Ibizagate“ dürfte dafür wohl den Ausschlag gegeben haben, Breitenecker verweist auf mehr als 82 Stunden Livenews auf Puls 4 und ATV. Allein am 18. Mai, dem Tag nach Veröffentlichung des Ibiza-Videos samt Rücktritt des damaligen Vizekanzlers Heinz-­Christian Strache, habe man über Zappn plus 48 Prozent Zugriffe verbucht, so Breitenecker.

Neben dem Pop-up-Sender werden aber auch die Mediathek-Funktionen ausgebaut, exklusive Erstausstrahlungen zuerst in der App respektive auch Eigenproduktionen nur für den digitalen Konsum stehen dafür bereits konkret im Raum. Auch der bisherige OTT-Anbieter der Gruppe, maxdome, wird integriert.

Über ein Ausspielen der ORF-Mediathek-Inhalte zusätzlich zu den Streams von ORF 1 und ORF 2 wolle man verhandeln, so Breitenecker. Vermarktet – aus rechtlichen Gründen – werden allerdings nur die eigenen Inhalte. Beim Gespräch betonen die Verantwortlichen jedoch, dass man sich nicht nur inhaltlich öffne, sondern auch in der Vermarktung die Anbindung anderer Sender etwa durch ihre AdServer grundsätzlich möglich sei.

Von David Alaba bis Roland Garros

Erweitert wird die App aber auch durch Premiuminhalte. Discovery, in Deutschland Partner der ProSiebenSat.1 beim Aufbau des neuen Programms, hält etwa über Eurosport Rechte an der deutschen Fußball-Bundesliga oder Tennis-Rechte wie die der French Open. In Kooperation werde man den Eurosport-Player auch in Joyn Zappn integrieren und mit entsprechenden Entlohnungsmodellen und mit Rücksicht auf Rechte­grenzen verfügbar machen. Details zur Aboausgestaltung wollte ­Breitenecker dabei noch nicht nennen.

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