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Owned Media haben für PR-Profis in Österreich eine größere Bedeutung gewonnen als Earned Media

Seit langem sind Unternehmen, Non-Profits und andere Organisationen selbst zu Produzenten und Anbietern von Inhalten geworden und nicht mehr nur Ideengeber für Journalisten und Massenmedien.
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Ein Forscherteam renommierter Universitäten hat für den European Communication Monitor 2019 rund 2.700 Kommunikatoren aus 46 Ländern befragt und erneut Details über die heimische PR-Branche herausgefunden.

Der European Communication Monitor (ECM) wird seit 2007 unter wissenschaftlichen Standards sowie der Leitung von Professor Ansgar Zerfaß (Leipzig) durchgeführt und veröffentlicht zahlreiche Detailauswertungen für Unternehmen, Non-Profit-Organisationen, öffentliche Institutionen und Kommunikationsagenturen sowie zentrale Länder.

"In Österreich spielen Owned Media, also die Kommunikation mittels organisationseigener Kanäle, eine größere Rolle als in den meisten europäischen Ländern. Damit ist die Verbreitung eigener Inhalte wichtiger geworden als die klassische Multiplikatorenarbeit im Sinne von Earned Media", erklärt Professorin Sabine Einwiller, die den ECM in Österreich vertritt. Gleichzeitig spielt Paid Media, also bezahlte Kommunikation, die geringste Rolle. Auch der Faktor Ressourcen nimmt hierzulande eine wichtigeren Platz als in anderen Ländern ein. "Es gibt in Österreich einen erhöhten Effizienzdruck", schlussfolgert FH-Professor Michael Roither aus dem ECM-Forscherteam Österreich.

Zudem kommt die Studie zum Ergebnis, dass es beim Thema Künstliche Intelligenz unerwartete Unterschiede zwischen jungen und älteren Kommunikationsverantwortlichen gibt. Die unter 30-Jährigen sehen signifikant mehr Risiken als Kollegen mit mehr Erfahrung. Sie befürchten Jobverlust, sinkende Einkommen und auch, dass die PR-Profession ihre Kernkompetenzen verliert. Auch der Vertrauensverlust in die Massenmedien und den Journalismus könnte sich laut der Untersuchung auf PR-Fachleute ausweiten. Obwohl die konkrete Zusammenarbeit auf der persönlichen von großem Vertrauen gekennzeichnet ist, spüren die Kommunikationsprofis in Europa eine Skepsis ihrer Profession gegenüber. Der PR-Arbeit vertrauen nach Meinung der Befragten nur zwei Drittel der Top-Führungskräfte (67 Prozent) und eine Minderheit von Influencern und Bloggern (47 Prozent), Journalisten (39 Prozent) sowie der Bevölkerung insgesamt (28 Prozent).

Die befragten PR-Praktiker stufen laut der Studie andere Botschafter deutlich vertrauenswürdiger ein als sie selbst es sind. Dabei werden externe Experten, das Top-Management, Fans und ganz normale Mitarbeitende als deutlich vertrauenswürdiger empfunden als PR-, Marketing- und Vertriebsexperten. Bemerkenswerte Unterschiede gibt es auch bei der Selbstwahrnehmung der PR-Arbeiter in einzelnen Ländern: in Österreich gehen zwei Drittel der Befragten davon aus, dass normale Menschen bzw. die Bevölkerung den Kommunikations- und PR-Verantwortlichen der eigenen Organisation vertrauen (66 Prozent Zustimmung). In Deutschland denkt dies nur jeder zweite (50 Prozent Zustimmung). Am schwierigsten ist es für die Befragten in Österreich, ähnlich wie in den anderen europäischen Ländern, transparent über interne Prozesse und Arbeitsabläufe (36 Prozent) und über die politische Haltung ihres Führungsteams (34 Prozent halten dies für schwierig) zu kommunizieren.

Die Ergebnisse mit Fokus auf Österreich werden am 3. Juli um 18:00 Uhr im Pressclub Concordia in Wien vorgestellt. Vorab steht der Bericht hier kostenlos verfügbar (PDF, 132 Seiten, englisch).

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