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ORF-Sparmaßnahmen treffen auch "Barrierefreiheit"

ORF baut weitere Mitarbeiter ab
© ORF

300.000 Euro Einsparungen bei "Untertitelung und Audiodeskription", Mitarbeiterabbau und die (Teil-)Auslagerung der für Barrierefreiheit zuständigen Abteilung - all das soll "Humanitarian Broadcasting"-Chef Pius Strobl im kommenden Jahr umsetzen.

Dieser Artikel erscheint in der neuen Ausgabe 41/2019 des HORIZONT. Noch kein Abo? Hier klicken.

Der ORF steht unter Kosten- und Spardruck und muss nun auch in einem wichtigen Teil seines öffentlich-rechtlichen Auftrages den Rotstift ansetzen. Wie HORIZONT in ­Erfahrung brachte, soll die Abteilung "Untertitelung und Audiodeskription", in der dem Vernehmen nach 45 Mitarbeiter beschäftigt sind, im kommenden Jahr 300.000 Euro einsparen – was auch Personalabbau nach sich ziehen wird, wie der ORF bestätigt. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, "auf zum Teil günstigere Angebote von Fremdanbietern zuzugreifen", sprich: Die Abteilung könnte in Teilen ausgelagert werden. Des Weiteren arbeitet man am Küniglberg in einer Arbeitsgruppe am Thema ASR, der automatischen Spracherkennung, die am Ende wohl ebenfalls Personalreduktionen mit sich bringen wird.

Mit Widerstand ist zu rechnen
Zuständig und mit den Maßnahmen betraut ist Pius Strobl, der seit Juli auch die Abteilung "Humanitarian Broadcasting" leitet, die für die Barrierefreiheit in den ORF-Programmen zuständig ist. Derzeit würden, so der ORF, "von den verantwortlichen Führungsebenen in enger Abstimmung mit der Leitung Untertitelung die möglichen Einsparungspotenziale geprüft. Ziel ist es, diese Vorgabe mit möglichst wenig Personalreduktionen und möglichst geringen Auswirkungen auf die Anzahl der untertitelten Sendestunden zu erreichen".
Mit Widerstand vonseiten des Betriebsrates beziehungsweise der Redakteursvertreter ist jedenfalls zu rechnen. Und auch die österreichischen Gehörlosenverbände dürften um die hohe Qualität der ORF-Untertitelung fürchten. Laut Angaben aus der Redaktion selbst sollen zwischen 400.000 und 450.000 Menschen die Services der ORF-Untertitelung nutzen (darunter neben Gehörlosen auch schlecht Hörende und Zuwanderer, die auf diese Weise Deutsch lernen). Abteilungsintern befürchtet man wegen der teils prekären Arbeitsbedingungen bei Fremdanbietern auch einen dramatischen Abfall bei der Qualität der Untertitelung.


Der ORF wiederum betont, trotz bereits früher erfolgter Einsparungen die Untertitelungsquote bei hohen 70 Prozent der Programme von ORF1 und ORF 2 gehalten zu haben. 2018 wurden etwa 12.064 Sendestunden untertitelt. Sehbehinderte würden zudem mit 4,25 Stunden Audiodeskription versorgt. Und: Trotz Sparmaßnahmen wolle man - im Gegensatz zu den Privat-Sendern - die Barrierefreiheit weiter forcieren.

 

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