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ORF-Redakteure protestieren gegen Postenbestellungen

Alexander Wrabetz
© ORF

Redakteursversammlung verabschiedete Resolution an Generaldirektor Alexander Wrabetz. Der solle sein Versprechen von redaktioneller Mitbestimmung einlösen.

Lange hat es nicht gedauert, bis sich die Redakteure des Aktuellen Dienstes Fernsehen zu den am Freitagnachmittag bekannt gegebenen Bestellungen der neuen ORF-TV-Führungsfunktionen zu Wort gemeldet haben. Wie berichtet, wurden Lisa Totzauer und Alexander Hofer zu Channel Managern ernannt, während Wolfgang Geier und Matthias Schrom die nunmehr geteilten Chefredakteursposten für ORF 1 und 2 einnehmen werden – womit der bisherige TV-Chefredakteur Fritz Dittlbacher trotz eindeutigem, wenn auch nicht bindendem, anderslautendem Redakteursvotum abgesägt wurde.

In einer am Dienstag beschlossenen Resolution an Generaldirektor Alexander Wrabetz kritisiert die Redakteursversammlung nun genau das. Die Einführung von Channel Managern wird begrüßt, die Zweiteilung der bislang zentralen Chefredakteursposition jedoch ausdrücklich kritisiert. Konkret warnen die Redakteure vor höheren Kosten, Reibungsverlusten und Konfliktpotential „durch die organisatorische Trennung unserer Redaktion“. 

Zusätzlich wird bekrittelt, dass Wrabetz trotz steigender Zuschauerzahlen, höherer Publikums-Zufriedenheit und größerem Sendungs-Output keine Begründung für Dittlbachers Nicht-Berücksichtigung geliefert hat. Vielmehr habe Wrabetz sein Versprechen gebrochen, die Mitwirkungsrechte der Redaktionen zu stärken, obwohl diese „die Unabhängigkeit stärken“ würden, „weil sie dem Anschein von Bestellungen nach politischen Wünschen entgegenwirken können.“ Die Einhaltung dieses Versprechens fordern die Redakteure nun ein, „wie das bei anderen österreichischen und internationalen Qualitätsmedien üblich ist.“


Die Resolution im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Generaldirektor Dr. Wrabetz, 

am Freitag Abend wurde die ZiB-Redaktion von Ihnen via OTS über die Auflösung der bisherigen Struktur und die Bestellung neuer Führungskräfte offiziell informiert. Die Redakteursversammlung des Aktuellen Dienstes hat heute dazu folgende Resolution beschlossen: 

Die Einführung von Channel-Managern für ORF eins und ORF 2 halten wir nach wie vor für sinnvoll. Bei den weiteren Strukturänderungen haben sich allerdings unsere Befürchtungen erfüllt: Es werden neue Management-Ebenen eingezogen, die höhere Kosten verursachen. Reibungsverluste und Konfliktpotential durch die organisatorische Trennung unserer Redaktion in zwei Info-Teams für ORF eins und ORF 2 sind zu erwarten. 

Generaldirektor Wrabetz hat bisher nicht begründet, warum eine Wiederbestellung von ORF2-Chefredakteur Fritz Dittlbacher in der neuen Struktur nicht in Frage gekommen ist. Seine Ablöse ist nach den vergangenen Jahren, in der unsere Informations-Sendungen deutlich steigende Zuschauerzahlen und eine hohe Publikums-Zufriedenheit ausweisen, besonders unverständlich. Zahlreiche neue Sendungen wurden in den vergangenen Jahren produziert, die Zahl der Informations-Sendungen ist deutlich gestiegen. 

Bei der Bestellung von Dittlbacher zum Chefredakteur im Jahr 2010 hat sich GD Wrabetz noch auf das eindeutige Votum der Redakteursversammlung berufen und es öffentlich als klares Signal "für die Unabhängigkeit und Professionalität des Journalismus im ORF-Fernsehen" bewertet. Bei der Besetzung der neuen ZiB-Chefredakteure hat GD Wrabetz die Voten der Redaktion hingegen völlig ignoriert. 

Vor seiner Wiederwahl als GD hat Wrabetz noch angekündigt, die Mitwirkungsrechte der Redaktionen zu stärken, sein Handeln zeigt genau das Gegenteil. Echte Mitwirkungsrechte der Redaktionen würde auch die Unabhängigkeit stärken, weil sie dem Anschein von Bestellungen nach politischen Wünschen entgegenwirken können. Denn allein der Anschein einer politischen Besetzung von Führungsfunktionen schadet dem Ruf und der Glaubwürdigkeit des ORF. 

Wir fordern daher von GD Wrabetz die Einhaltung seines Wahlversprechens, die Mitwirkungsrechte der Redaktionen bei der Bestellung von Führungskräften zu stärken, wie das bei anderen österreichischen und internationalen Qualitätsmedien üblich ist. 

Wir als Redaktion werden jedenfalls auch in Zukunft für Glaubwürdigkeit und politische Unabhängigkeit stehen, um dem ORF-Publikum weiterhin die bestmöglichen Informations-Sendungen bieten zu können. 

Die Redakteurinnen und Redakteure des Aktuellen Dienstes Fernsehen