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"ORF-Player ist eine Chance, die wir nützen müssen"

Roland Weißmann verwaltet als ORF-Chefproducer 300 Millionen Euro Programmbudget.
© ORF / Thomas Ramstorfer

Chefproducer Roland Weißmann gilt als heißer Kandidat für die Führung der neuen Digitalplattform des ORF. Im HORIZONT skizziert er erstmals seine Vorstellungen.

 

Vergangenen Dienstagabend endete die Ausschreibungsfrist für den Geschäftsführer des neuen ORF-Players, über den ab 2020 nach und nach sämtlicher Content des öffentlich-rechtlichen Senders auch digital ausgespielt werden soll. Entwickelt wurde das Projekt von ORF-„Vordenker“ Franz Manola. Als aussichtsreicher Kandidat für die ­Position des neuen Geschäftsführers, der die Digitalisierung des gesamten ORF maßgeblich vorantreiben wird, gilt Roland Weißmann.

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Der Chefproducer des ORF-Fernsehens verwaltet derzeit das Programmbudget von rund 300 Millionen Euro. Er habe dort seit 2012 Einsparungen von 20 Millionen Euro umgesetzt, wie er im HORIZONT-Gespräch erzählt: „Wir haben das Programmangebot in diesem Zeitraum dennoch ausgebaut, bei gleichzeitig steigenden Kosten.“ Weißmann ist auch für die Einführung des zentralen Ressourcenmanagements am Küniglberg (mit)verantwortlich, mit dem die Produktionsplanungen zwischen Redaktionen, Technik und kaufmännischer Abteilung so synchronisiert wurden, dass wiederum fünf Millionen Euro mehr jährlich ins Programm fließen. Kritik daran, wie jüngst jene von ORF-Stiftungsrat Heinz Lederer („keine nennenswerten Erfolge“), will Weißmann nicht gelten lassen: „Es sind Erfolge aufzuweisen, wir nehmen Anregungen aus dem ­Stiftungsrat aber immer gerne auf. Man kann immer besser werden.“

"Wichtigstes Zukunftsprojekt"

Nun also der ORF-Player als neue Herausforderung? Für Weißmann, der seine Karriere im ORF-Landesstudio Niederösterreich startete und Jahre später als „Büroleiter“ des kaufmännischen Direktors Richard Grasl auf den Küniglberg kam, steht fest: „Der Player ist das wichtigste Zukunftsprojekt des ORF für die kommenden Jahre. Der ORF muss sich vom klassischen Broadcaster zu einer digitalen Plattform entwickeln und die Menschen jeweils dort erreichen, wo sie den Content nutzen. Wir müssen schneller beim Publikum sein, unabhängig von Ort und Zeit.“ Für den ORF bleibe die lineare Ausspielung natürlich weiterhin wichtig, aber „Streaming und mobile Nutzung werden eine immer wichtigere Rolle spielen“.

"Kulturwandel nötig"

Für die digitale Transformation des größten heimischen ­Medienunternehmens (knapp eine Milliarde Euro Umsatz, 4.000 Vollzeitstellen) sieht der 51-Jährige freilich einen Kulturwandel als notwendig an. Weißmann: „Es bedarf eines positiven Change-Prozesses. Hier entsteht etwas ganz Neues, und wir haben die Chance, daran mitzuarbeiten. Wann ist das schon der Fall? Umso wichtiger ist es, alle Mitarbeiter miteinzubeziehen. Sie sind es, die den Player am Ende mit Leben befüllen werden.“
Die besondere Herausforderung besteht laut Weißmann freilich auch darin, unter den Vorzeichen der ORF-Sparpakete „mehr Content bei im besten Fall gleichbleibenden Budgets“ zu produzieren. Aber: „Wer kann das schaffen, wenn nicht wir, der ORF.“ Und: „Der Player ist eine Chance, die Existenzberechtigung des ORF neu und zeitgemäß zu interpretieren, diese Chance müssen wir nützen“, so Weißmann.

"Der Player kommt bald"

Erste Teile des ORF-Players sollen übrigens schon kommendes Jahr online gehen. Die Umsetzung des ­Gesamtkonzepts, das Generaldirektor Alexander Wrabetz heuer im April präsentierte, hängt aber noch an einem neuen ORF-Gesetz einer künftigen Regierung. Dieses soll – wie vom ORF unermüdlich gefordert – die Sieben-Tage-Regel für Online-Inhalte außer Kraft setzen und „­Online first“ und „Online only“ möglich machen. ­Weißmann ist überzeugt: „Der Player kommt bald – und er wird Baustein um Baustein ­wachsen.“

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