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ORF-Chef Wrabetz zum Ibiza-Skandal: "Das Video wurde uns nicht angeboten"

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.
© Sebastian Reich.

Alexander Wrabetz, ORF-Generaldirektor, im HORIZONT-Interview über Schlusterschluss der Medien, den Umgang mit dem Ibiza-Video und Drohpotenziale gegen den Öffentlich-rechtlichen, die nun vom Tisch sind.

Auch Deutschland diskutiert intensiv über die aktuellen Ereignisse im politischen Österreich. Auf den „Medientagen Mitteldeutschland“ in Leipzig sollte es ursprünglich vor allem um den Druck von Populisten und Global Playern auf die Medien gehen, nun stand auch „Ibiza“ im Raum. Über das Video und die Position des ORF sprach HORIZONT in Leipzig mit ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, der dort zum Podium „Druck von vielen Seiten: Die Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen in Europa“ eingeladen war. 

Sie lesen hier einen Auszug aus dem Gespräch, das komplette Interview erscheint in HORIZONT 22 am 31. Mai. Noch kein Abo? Hier entlang.

HORIZONT: Sie hatten auf den Medientagen Mitteldeutschland in Leipzig vom Schulterschluss der Medien in Österreich nach dem Strache-Video gesprochen. Wie sieht dieser Schulterschluss in der Praxis aus?

Alexander Wrabetz: Es gibt im Moment ein ganz großes Bewusstsein für gehobene Aufmerksamkeit, sowohl unter den Verlegern als auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Übrigens auch dafür, dass wir in der aktuellen Debatte mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede aufweisen. Wir treiben ja schon gemeinsame Projekte wie Onlinevermarktungen oder Video Sharing voran, im Zuge der aktuellen Entwicklung im Lande erkennen wir auch unsere Gemeinsamkeit in der journalistischen Arbeit. Wir sind aufmerksamer für den jeweils anderen, da wir alle nicht wollen, dass die Entwicklungen letztendlich schädlich für die Medienfreiheit werden.

Wurde das Strache-Video auch dem ORF angeboten?

Nein, dieses Video wurde uns nicht angeboten. Im letzten Jahr erhielten wir auf indirektem Weg einen Hinweis, dass für viel Geld Videos oder Bilder angeboten werden, allerdings ohne politische Aussage, sondern eher persönlich kompromittierendes Material. Vor diesem Hintergrund wäre das für uns ohnehin nicht in Frage gekommen, aber wie gesagt, ein direktes Angebot an den ORF gab es auch nicht.

Hätten Sie es denn ausgestrahlt, wenn Ihnen das heute bekannte Material angeboten worden wäre?

Ja! Die Passagen, die eindeutig eine politische Sphäre haben, sind für unser Land relevant, das haben wir auch nach der Veröffentlichung im ORF genau so gezeigt. Wenn wir es zuerst gehabt hätten, hätten wir das Material zunächst intensiv auf Authentizität geprüft, oder ob es sich ggf. um einen Fake handelt. Irgendwelche Schmuddel-Videos oder private Fotos hätten wir natürlich nicht gezeigt, das haben auch die deutschen Kollegen nicht gemacht – wohl aber die Szenen von politischer Relevanz.

Die Regierung mit FPÖ-Beteiligung ist zerbrochen, nimmt das nun erstmal den Druck aus dem Kessel, was den Druck dieser ehem. Regierungspartei auf den ORF betrifft?

Nun, das bereits vorbereitete Gesetz zur ORF-Reform wird nun gewiss nicht von dieser Regierungskonstellation beschlossen werden können. Auch nicht vom aktuellen Nationalrat. Und nach den Nationalratswahlen werden die Karten neu gemischt sein. Ich bedaure das einerseits, weil es natürlich auch wichtige Gesetzesänderungen betrifft, die wir dringend für die Entwicklungsfähigkeit für unsere Plattformstrategie und unser Player-Projekt gebraucht hätten. Aber natürlich, die Drohpotenziale, die sind einmal vom Tisch. Und das ist gut.

[Danilo Höpfner]