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ORF bündelt Vorschläge und Positionen vor der Medienenquete

© David Bohmann

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz bewirbt Allianzen, einen von internationalen Konzernen gespeisten Fonds und den „Austrian Player“.

Am Dienstag fasste ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz vor Journalisten seine konkreten Vorschläge für die Medienenquete gebündelt zusammen. Dabei sind unter anderem diverse Allianzen geplant; Wrabetz plädiert auch für einen "nationalen Produktions- und Förderfonds", gespeist von internationalen Online-Konzernen und Werbefenstern deutscher Privater, sowie für einen „Austria Player“.

Zur Stärkung des Medienstandorts Österreich muss dem Abfluss von Werbegeldern aus dem Markt durch die Werbefenster einerseits und die welmarktbeherrschenden Online-Giganten Google und Facebook sowie Amazon und Netflix andererseits entgegengetreten werden, heißt es in den Unterlagen: Allein Google und Facebook setzen demzufolge in Österreich mehr als 260 Millionen Euro pro Jahr um, durch die deutschen Werbefenster fließen jährlich 600 Millionen Euro brutto aus dem heimischen Markt ab.

Google und Facebook sollen daher nach dem Grundsatz einer „digitalen Betriebsstätte“ in Österreich besteuert werden; auf Basis des Artikel 13 der AVMD-Richtlinie können Amazon und Netflix zu Beiträgen in den nationalen Förderfonds verpflichtet werden. Demnach können laut ORF-Berechnung folgende Punkte zur Dotierung des Produktions- und Förderfonds beitragen:

• 20 Prozent der in Österreich erzielte Werbeeinnahmen von Google und Facebook

• 20 Prozent der Netto-Werbeeinnahmen deutscher Werbefenster in Österreich

• 10 Prozent der Einnahmen von Amazon und Netflix in Österreich

Auch spricht sich der ORF für eine Beseitigung der Diskriminierung durch die Werbeabgabe, sowie für eine 5G-Initiative aus.

„Austrian Player“ geplant

Den ORF-Player sieht man als strategische Antwort auf das geänderte Mediennutzungsverhalten (also Streaming). Die ORF TVthek soll zum ORF-Player weiterentwickelt werden, der wiederum als Basis für einen gemeinsamen Player für österreichische Medien („Austrian Player“) dienen soll: Ziel ist, dass in fünf Jahren 90 Prozent des Publikums den Player nutzen.

Vor allem den Trend zum SmartTV, also zu Fernsehern mit Internet-Anschluss, hat Wrabetz mit dem Vorhaben im Blick. "Lineares TV und On-Demand-Angebote werden in intelligenter Form miteinander verknüpft", schildert er das Konzept. So könne man die "genuine Stärke" im Videobereich auf den neuen TV-Geräten ausspielen - und "das im Verbund mit kommerziellen Anbietern".

Dazu sind laut ORF Anpassungen nötig, etwa das Ermöglichen von „online only“ und „online first“, sowie die Aufhebung der 7-Days-Catch-Up-Regelung und die Beseitigung der Beschränkungen für Apps für diesen Bereich. Auch die Beschränkungen für Personalisierung und Community-Building des ORF-Players sollen gelockert werden, sowie die Beschränkung zur Einbindung kommerzieller Unternehmen aufgehoben werden.

Pläne für Allianzen

In punkto Allianzen bündelt der ORF seine Vorschläge zu Kooperationen im Content-Bereich mit einer Weiterentwicklung der APA Austria Video Plattform, zu einer gemeinsamen Positionierung gegenüber den Telcos in einer Streaming-Allianz, zu einer gemeinsamen Log-In-Initiative angesichts der DSGVO, zu einer gemeinsamen Vermarktung mit dem „Marketplace Austria“, zu einer gemeinsamen Recommendation-Engine mit gegenseitigen Verlinkungen, zu gemeinsamer F&E und zur Schaffung verbesserter kartellrechtlicher Bedingungen.