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"Old Boys" auf der Höhe der Zeit

Nur kurz streiften Gerhard Zeiler, Andreas Rudas und Georg Kofler in der Person von Gerd Bacher die mediale Vergangenheit.
© Johannes Brunnbauer

Schon vor 25 Jahren saßen Gerhard Zeiler und Georg Kofler auf dem Podium der Medientage - und trafen sich nun als "old boys" dort wieder. Sentimentalitäten gab es jedoch keine: Beide richteten den Blick vielmehr auf Herausforderungen der Zukunft . Ein paar Anekdoten der heimischen Mediengeschichte ließen sie sich dann aber doch von Moderator Andreas Rudas (RTR) herauskitzeln.

Die "0Vergangenheit in die Gegenwart holen" wollten die Medientage mit dem Dialog zwischen Zeiler und Kofler unter dem Titel "Old Boys but Young Boys". Die Übung gelang - und zusätzlich zur Zukunft gab es reichlich Zukunft obendrein, obwohl Rudas am Anfang launig bemerkte, nun müssten sich drei "ältere Herren krampfhaft bemühen, zu beweisen dass wir old boys auch young boys sind“. Der erste gemeinsame Nenner für alle drei war schnell gefunden: der frühere Generalintendant Gerd Bacher, der Rudas einmal gesagt habe: "Es gibt in Österreich nur zwei Leute, die etwas von Fernsehen verstehen: Zeiler und Kofler"

Zeiler merkte an, dass er zwar "nie unter Bacher gearbeitet, aber viel von ihm gelernt" habe: "Der ORF wäre ohne ihn nicht das, was er ist." Bacher sei immer ein Mentor gewesen. Das unterschrieb auch Kofler als ehemaliger Büroleiter Bachers, Rudas' Fragen nach Bachers überliefert cholerischem Gemüt elegant ausweichend. Der frühere TV-Macher und heutige Social-Media-Investor Kofler ließ dabei wissen, dass er als "Bergbub aus einem Südtiroler Dorf“ niemals an eine Karriere im TV-Bereich gedacht habe, sondern vielmehr "Wirtschaftsjournalist bei der Süddeutschen werden" wollte: "Dazu hab ich’s nicht gebracht.": "Ich kam zum Fernsehen, weil es schneller war als Print."

Informationsintendanzen und Inkontinenz

Alte Trennlinien - und noch kurz einmal die Vergangenheit - zwischen Kofler und Zeiler wurden auch sichtbar, als Koflers Abgang im Zuge der Bestellung des ORF-Generalintendanten Thaddäus Podgorski zur Sprache kam. Kofler verwies darauf, das er als "einer von wenigen" im ORF ein Kündigungsgespräch aus eigenem Antrieb geführt habe, obwohl auch er damals einen Dienstvertrag "mit Begräbniskostenzuschuss und allem" gehabt habe. Er sei jedoch so frustriert „so frustriert von diesem politischen Eingriff, von diesem Intrigantenstad’l" gewesen, dass er seither ein "öffentlich-rechtliches Trauma" habe.

Zeiler wiederum verteidigte die Bestellung Podgorskis, sei doch anfangs nur geplant gewesen, Podgorski zum Informationsintendanten zu machen. Zeiler, den damaligen Bundeskanzler Fred Sinowatz in einem Dialog mit Bacher zitierend: ""Ich wünsche mir einen Informationsintendanten, der sich nicht schon in die Hose macht, wenn er noch 200 Meter weit weg von Dir ist“. Damit war der Ausflug in die Vergangenheit für Kofler und Zeiler aber auch schon erledigt. Spätestens als beide schließlich für deutsche Privatsender tätig geworden waren, so Zeiler selbstironisch, hätten sich er und "Georg auf den Podien immer blendend verstanden, weil’s immer gemeinsam gegen die deutschen Öffentlich-Rechtlichen ging".

Vielflieger vs. YouTuber

Seine heutige Aufgabe als Präsident von Turner Broadcasting System International beschrieb Zeiler auf Rudas' Nachfrage zuerst feixend mit "vor allem im Flugzeug sitzen", um freilich nachzusetzen, dass die Verantwortung für alle Unterhaltungs-, Nachrichten- und Kinderkanäle des Unternehmens außerhalb Nordamerikas, darunter CNN International, tagtäglich eine faszinierende und "den Horizont erweiternde" Erfahrung sei. Kofler wiederum klang über sich selbst und seine "neue" Identität als Social-Media-Vermarkter mit seiner "Social Chain Group" fast ein wenig erstaunt, als er sagte: „Ich habe YouTube für mich entdeckt“ - und das neue Medium pries, allein schon weil man nicht wie früher im TV "an die technische Reichweite denken" müsse.

Kofler ist durch seine Befassung mit Social Media laut eigenen Aussagen zum Schluss gekommen, dass "neue Medien auch von neuen Medienmachern gemacht" werden sollten: "Die ticken ganz anders." Er beschränke sich nur darauf, sie zu führen, "die wollen das aber auch." Zudem sei das Konzept von YouTubern auch nichts wesentlich Neues: Das sei wie früher „Fernsehen und Teleshopping unter einem Dach“, nun habe er eben „viele kleine Sender. „Wisst Ihr was den Erfolg von YouTube ausmacht? Dass es nicht einem runden Tisch von Politikern und Öffentlich-Rechtlichen entstanden ist, sondern aus einem Investment", postulierte Kofler, und dass außerdem die Akteure "am Erfolg beteiligt" seien: "Auf einmal war es für Tausende von Menschen möglich, ihr eigener Chef zu sein und ihren eigenen Sender zu haben.“

"Lineares TV natürlich nicht tot"

Die aktuelle Diskussion aufgreifend, meinte Kofler ein "europäisches YouTube" zu machen, sei "nicht ausgeschlossen". Da müsse man allerdings zusätzlich zum jetzigen Angebot „ein paar coole Sachen noch dazumachen“. „Bei den nächsten oder übernächsten Medientagen möchte ich Euch sowas vorstellen", nahm sich Kofler vor. Auf heutiges TV gab Kofler wiederum wenig: „Schaut Euch ORF1 an heute Nachmittag; da denk‘ ich mir, das ist ja das ProSieben, das ich noch gemacht habe“, meinte er, und fügte hinzu: "Das bringt keine Berechtigung, Gebühren einzutreiben."

Zeiler relativierte: Lineares TV sei „natürlich nicht” tot, habe aber einen neuen Fokus nötig: Für Öffentlich-Rechtliche seien in Zeiten von Netflix und Co etwa "große Drama-Serien wahrscheinlich der falsche Weg“, sondern eher Live-Content. Jedes Medium solle „sich auf das konzentrieren, was man am besten kann“, riet Zeiler; dann seien "auch die Konsumenten bereit zu bezahlen – und gar nicht so wenig“. Das gelte im Hinblick auf Rundfunkgebühren auch für Öffentlich-Rechtliche. „Es wird nur der tot sein, der sich nicht verändert", so Zeiler mit Verweis darauf, dass bereits heute ein Viertel aller TV-Minuten auf Mobile Devices konsumiert werde. Davon habe vor 25 Jahren „noch nicht einmal irgendwer geträumt“. Heimische Medienmacher müssten sich mit der "unglaublichen neuen Freiheit" in der Branche und dem "unglaublichen Gespür" der Konsumenten dafür vertraut machen, statt etwa über Fußballrechte im ORF zu reden: "Es gibt Diskussionen, die es nur in Österreich gibt, und die schon ein bissl lustig sind manchmal“.

Zum Schluss in drei Punkten einig

YouTube findet auch Zeiler "fantastisch": "Meine Tochter macht das auf Instagram mit 29.000 Followern und verdient 500 Pfund, großartig." Es gebe allerdings zwei Pferdefüße daran: "Das sind Medien, die nicht wie Medien reguliert werden und sind de facto Monopole, die nicht wie Monopole kontrolliert werden." - zwei Punkte, denen der Social-Media-Unternehmer Kofler zum Abschluss nicht nur zustimmte, sondern den dritten hinzufügte: "Und drittens die Steuern", die mangelnde Besteuerung der US-Konzerne in Europa meinend. Rudas' Fazit: Die "old boys" hätten zweifelsfrei "bewiesen, dass sie sehr young sind".

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