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Österreicher ignorieren Klimawandel-Bedrohung

Gletscherschwund: "Schuld sind die anderen". (c) APA/ANA

Laut einer Studie in Österreich und Argentinien führte die Konfrontation mit bedrohlichen Klimawandel-Fakten bei Österreichern zu weniger Bereitschaft zur Verhaltensänderung.

Wie verschieden Menschen auf die Bedrohung durch den Klimawandel reagieren können, haben Salzburger Psychologen in einer Studie in Österreich und Argentinien untersucht. Überraschenderweise führte die Konfrontation mit den Fakten bei Österreichern zu weniger Bereitschaft zur Verhaltensänderung. Außerdem reagierten österreichische Teilnehmer auf die Bedrohung mit der Abwertung von Fremden.

Während in den USA aktuell die Klimawandelskepsis wieder höher in Kurs steht, herrscht in Europa doch weitestgehend Konsens über die vom Menschen verursachte Veränderung des Klimas. Informationen darüber, etwa in den Nachrichten, gibt es zuhauf. Trotzdem tut sich meist erstaunlich wenig, wenn es darum geht, konkrete Maßnahmen dagegen zu setzen - im Kleinen wie im Großen.

Wissenschafter um Isabella Uhl und Eva Jonas von der Abteilung für Sozialpsychologie an der Universität Salzburg gehen in Untersuchungen der Frage nach dem "Warum" nach. In einer in Österreich und Argentinien durchgeführten Studie widmeten sie sich quasi den "unerwünschten Nebenwirkungen von Klimawandelinformationen" - ein Thema, über das in der Forschung noch wenig bekannt sei, wie Uhl der APA erklärte.

Die Wissenschafterinnen gingen auch darauf ein, wie sich die wahrgenommene Bedrohung auswirkt. Sieht man sich nämlich einer solchen gegenüber, kann darauf entweder direkt reagiert werden - etwa indem man das Auto öfters stehen lässt - oder es wird rein symbolisch reagiert.

Letzteres kennt man bereits aus Untersuchungen, es handelt sich um eine auf den ersten Blick nicht ganz augenscheinliche Strategie: Demnach kann eine Bedrohung zur stärkeren Betonung der eigenen Kultur, zur Abwertung des Fremden oder gar Aggression gegenüber Andersartigem führen. Diese sogenannten symbolischen Reaktionen, zu denen auch die hier untersuchte Ethnozentrierung zählt, helfen Betroffenen dabei, eine gewisse Lähmung durch Kontrollverlust, Unsicherheit und Angst zu überwinden. Die Frage war, ob sich solche von der Bedrohung unabhängigen Reaktionen auch beim Klimawandel über Länder hinweg finden.

Nur Aufdecken reicht nicht

In einer im Fachblatt "Group Processes & Intergroup Relations" veröffentlichten Studie befragten Uhl und Kollegen jeweils rund 120 Argentinier und Österreicher. Ein Teil davon las beunruhigende Fakten zum Klimawandel, der andere Teil neutrale Informationen. Dann konnten die Teilnehmer kundtun, ob sie bestimmte klimafreundliche Handlungen setzen würden, und erklärten ihre Einstellung zum Ethnozentrismus anhand der Zustimmung zu Aussagen, bei denen es etwa darum ging, ob die Vermischung von Kulturen als positiv angesehen wird.

"Nach dem Lesen der Klimawandel-Informationen reagierten die Personen stärker symbolisch - das zeigte sich in allen unseren Untersuchungen", sagte Uhl. Bedrohliche Klimawandel-Infos - etwa in Nachrichten - können also dazu führen, dass Leute sozusagen eher "zumachen". Das könnte erklären, warum Kampagnen mit einem reinen Aufdecken der beunruhigenden Zusammenhänge ihre Ziele meist nicht erreichen. Nur bei Personen, die besonders umweltfreundlich eingestellt sind, können solche Infos auch zum Handeln motivieren.

Erstaunlicherweise machten die befragten Österreicher angesichts der Fakten stärker zu als die Argentinier. Die Gruppe, die mit der Bedrohung konfrontiert wurde, zeigte weniger Bereitschaft, einen nachhaltigeren Lebensstil zu pflegen und gab sich ethnozentristischer. Bei den befragten Argentiniern stellten sich diese Effekte nicht ein.

Das sei durchaus überraschend, so Uhl und Jonas. Dass dem in Argentinien nicht so war, könnte etwa am Thema liegen, denn der Klimawandel mit seinen Auswirkungen sei in Südamerika insgesamt deutlich präsenter und spürbarer. Außerdem könnte die anhaltende wirtschaftliche und politische Krise in Argentinien hineinspielen, da die Leute dort insgesamt ein höheres Level an Bedrohung im Alltag empfinden.

Uhl sieht es als wichtige Aufgabe, die Erkenntnisse der Umweltpsychologie über unerwünschte Nebenwirkungen von Informationen auch an Firmen, NGOs oder öffentliche Stellen weiterzugeben. Zuallererst gelte die Botschaft: "Vorsicht mit bedrohlichen Information." Weiters sollte in Informationskampagnen die Aufmerksamkeit auf konkrete Handlungsweisen gelenkt werden.

[APA News]

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