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Oe24.at startet "Coin"-Programm zur Leserbindung

Um auf die höchstmögliche Zahl an "Coins" zu kommen, müsste man 1.500 Artikel pro Tag lesen.
© oe24.at

Oe24.at bezahlt seine Leserschaft ab nun für das Klicken von Artikeln und Videos. Das Medienhaus sieht das als Kundenbindungsprogramm. Unter den Medien-affinen Twitterati in Österreich gingen die Wogen deshalb einigermaßen hoch.

In einem Kommentar in der Freitagsausgabe von oe24 kam Chefredakteur Niki Fellner unverblümt zur Sache: "Cash für Clicks" gebe es ab nun für das Publikum von oe24.at. Konkret wird in hauseigenen "Coins" abgerechnet: Für das Verweilen auf einer Artikelseite in der Dauer von mindestens zehn Sekunden gibt es eine Coin, für das Starten eines Videos drei Coins. Ab einem Guthaben von 4.500 Coins kann man diese in bar zum Gegenwert von zehn Euro einlösen. Fellner schreibt, als treuer User könne man so bis zu 100 Euro pro Monat verdienen - das ist zugleich die Obergrenze, die offenbar auch vor der Auszahlung an Bot-Armeen schützen soll.

Menschen müssten pro Tag 500 Videos beziehungsweise 1.500 Artikel anklicken, um auf die von Fellner genannte Summe zu kommen. Auf Twitter kommentierten zahlreiche Vertreter der heimischen Medienwirtschaft und Medienkonsumenten den Schachzug zu einem Gutteil hämisch, und vor allem mit der Vermutung, dass die Mehrheit der erzielten Klicks trotz der eingezogenen Grenze von Bots kommen würde. Zudem war von Wettbewerbsverzerrung die Rede, und davon, dass so auch Werbekunden sich kein zutreffendes Bild über die Effektivität ihrer Online-Ads machen könnten.

Die Idee, User für das Lesen von Artikeln zu bezahlen, ist nicht neu. Meist werden entsprechende Angebote von - tendenziell kurzlebigen - Internet-Agenturen gemacht. Wie bei Fellners Modell ist eine Auszahlung dabei jedoch an das Erreichen einer oft nur schwer zu erreichenden Mindestzahl von Artikeln und/oder weitere Bedingungen geknüpft. Das Geschäftsmodell der Agenturen besteht in dem Fall daraus, von Medieninhabern für den Zuwachs an Klicks bezahlt zu werden. Einigermaßen verbreitet ist ein solches Modell derzeit mit einer unternehmerischen Stiftung nur in Nigeria, wo es allerdings dazu gedacht ist, die Medienkompetenz der hohen Zahl an jugendlichen Arbeitslosen zu stärken.