Horizont Newsletter

‚NÖN‘ wollen lokaler werden und denken über Paywalls nach

NÖN-Geschäftsführer Friedrich Dungl setzt auf Vernetzung.
© Erich Marschik

Die Niederösterreichischen Nachrichten haben an Lokalität und Vernetzung gearbeitet. Die Konkurrenz sieht man gelassen, Paid-Content-Überlegungen sind konkret.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 24/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Der Druck nimmt zu: Neben der TV-Offensive mit SchauTV verstärkte der Kurier zuletzt auch im Printbereich sein Werben um den niederösterreichischen Markt.

Gelassene Reaktion

Wie bedrohlich ist die Lage durch die neue, verschärfte Konkurrenzsituation für den Wochenzeitungs-Lokalmatador NÖN jetzt? Geschäftsführer Friedrich Dungl bleibt gegenüber HORIZONT gelassen. „Wir produzieren über 2500 Seiten in 28 eigenständigen Zeitungen pro Woche. Das ist eine einzigartige Alleinstellung am Medienmarkt in Niederösterreich“, betont er. „Ein paar Seiten für das ganze Bundesland einmal wöchentlich in einer Tageszeitung können diese Funktion nicht ersetzen.“

In den letzten Monaten legte man bei den NÖN den Fokus auf andere Bereiche. Das Zusammenspiel von elektronischen und klassischen Bereichen nennt Dungl einen wesentlichen Arbeitsschwerpunkt der jüngeren Vergangenheit. „Unsere Online- Plattformen verstehen wir immer mehr als Zubringer für die Zeitung und nicht als Konkurrenz. Mit bis zu einer Million User pro Monat haben wir ein gewaltiges Potential an Menschen, die so Kontakt zur Marke NÖN bekommen“, sagt der Geschäftsführer. Darüber hinaus habe man an der Vertiefung der lokalen Inhalte beziehungsweise am Herunterbrechen überregionaler Themen auf die Regionen gearbeitet. Einen wesentlichen Schlüssel hat Dungl dabei schon gefunden: „Dazu ist es nötig, die Kommunikation zwischen den Lokalredaktionen weiter zu stärken“, meint er.

Eine Stärke liegt bei den Niederösterreichischen Nachrichten im kleinstrukturierten Anzeigenverkauf, hatte Dungl vor einigen Wochen betont. „Wir haben die Betreuung durch klarere Kundenzuteilung weiter professionalisiert und eine Schulungsoffensive in Richtung integrierte Konzepte über alle Plattformen hinweg gestartet“, meinte der NÖN-Geschäftsführer damals.

Nachdenken bei Bezahlschranken

Eine bedeutsame Änderung könnte bei der Monetarisierung des Online- Contents bevorstehen. Bei den NÖN steht möglicherweise der Anbruch des Paywall-Zeitalters bevor. Zumindest wurden die Überlegungen in diese Richtung deutlich verstärkt. „Wir denken momentan sehr intensiv über Bezahlschranken im Internet nach, weil wir auf Dauer nicht an rein werbefinanzierten Gratiscontent glauben“, meint Dungl: „Unsere hochwertigen Inhalte wollen wir immer stärker über den Leser finanzieren.“

Dazu brauche es eine thematische Aufbereitung, die man auf anderen Plattformen nicht findet, ist Dungl überzeugt. Digitalisierung sei besonders in Niederösterreich ein Thema, das auch von der Landespolitik vorangetrieben wird. „Daher ist die immer intensivere Vernetzung von Print und Online für uns ein wichtiges Strategieziel“, sagt der NÖN-Geschäftsführer.