Horizont Newsletter

Nicht ohne Investitionen

© Sabine Klimpt/Manstein Verlag

Warum Reduktion und Fokussierung in Print an sich Sinn machen, das Geld für journalistische Qualität dabei aber essentiell bleibt. Leitartikel von Jürgen Hofer, stv. Chefredakteur.

Dieser Leitartikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 33-34/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Reduktion der Kosten, Fokussierung auf das Stammpublikum. So lassen sich die aktuellen Daten der Österreichischen Auflagenkontrolle für das erste Halbjahr auch lesen. Bei allen großen Kauf-Tageszeitungen wurde die Druckauflage – teils drastisch – zurückgefahren, damit sinkt auch die verbreitete Auflage bei vielen Marktteilnehmern. Ähnliches lässt sich am Kauf-Magazinmarkt feststellen. Gleichzeitig steigen bei einigen Tagestiteln die Abozahlen (Stichwort: Stammpublikum) wieder beziehungsweise weiter, vor allem die ePaper-Zuwächse werden von Medienmanagern gerne betont und hervorgehoben (Druck- und Distributionskosten entfallen weitestgehend).

Reichweite allein ist für Bezahltitel längst keine dominierende Währung mehr. Zahlungsfreudige, neue Kunden zu binden und Anzeigenerlöse einigermaßen zu halten das Gebot der Stunde. Gelegentliche Leser lassen sich weitaus schwieriger monetarisieren, vor allem Online. Das zeigen auch internationale Tendenzen mit der Straffung der Print­auflagen in allen europäischen Märkten mit Ausnahme Portugals. Bis 2021 werden global betrachtet 54 Prozent der Umsätze von Zeitungen aus ­Abo-Erlösen stammen, prognostizieren Experten von PwC.

Leser über Abomodelle zu binden, funktioniert jedoch nur über hochwertige Inhalte. Nur Unverwechselbarkeit in höchstmöglicher Qualität kann Leser langfristig überzeugen. Es braucht Inhalte, die von Journalisten, und nicht von Presseabteilungen oder gar Robotern, in einer Weise aufbereitet werden, die den Leser informieren, überraschen, fesseln. Gerade in Zeiten von ausgedünnten Redaktionen stellt sich die Frage, wer Qualität in einer Breite produzieren soll, für die der Leser zu zahlen bereit ist. Denn für Inhalte, die der Leser hundertfach Online kostenlos konsumieren kann, wird er niemals zahlen. Insofern können die ÖAK-Daten auch als Plädoyer für Investitionen in den Journalismus gesehen werden, wenn man nur will. 

0 Kommentare

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder
Netiquette auf HORIZONT online