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nextM: zwischen Technologie und Philosophie

GroupM-Austria-CEO und Gastgeber Peter Lammerhuber begrüßte den MIT-Forscher Kevin Slavin als Key Speaker bei der nextM 2018.
© Christoph Breneis / nextM

Auf der nextM-Konferenz dreht sich alles um die Zukunft der Technologie, allerdings mit einem breiten inhaltlichen Zugang: Unter dem Motto ‚Decoding‘ skizzieren Experten aus Neurowissenschaft, Psychologie, Marketing und Finanz ihre Visionen.

 

Technologische Fortschritte werden häufig erst einmal mit der Optimierung von Arbeitsprozessen in Verbindung gebracht. Viel weiter denkt die Zukunftskonferenz nextM, präsentiert von GroupM Austria: Eine Reihe an internationalen Top-Speakern beleuchtet die technischen Neuerungen nicht nur aus wissenschftlicher, sondern auch aus moralischer, philosophischer und politischer Sicht. Das kommende Event steht unter dem schlichten Motto „Decoding“, und findet am 4. April nun schon zum dritten Mal in Wien stattfindet.


‚Why Decoding?‘
Mit der Fragestellung des Decoding beschäftigt sich das Eröffnungspanel unter Moderation der ZiB-Moderatorin Rosa Lyon mit Mindshare-CEO Ursula Arnold, Wavemaker-Austria-Chefin Silke Übele, sowie Andreas Vretscha, CEO von MediaCom. Welche Rolle spielen erfolgreiches Kodieren und Entkodieren für unsere heutige, schnelllebige Kommunikation? Diesem Thema gehen bei der nextM-Zukunftskonferenz auch Experten aus anderen Feldern als der klassischen Kommunikationsbranche nach.


Die Opening-Keynote hält ­Deirdre McGlashan, Global CDO von MediaCom. McGlashan ist seit mehr als 20 Jahren im Digitalmarketing tätig. Sie startete ihre Karriere in San Franciso, gründete dann AnalogFolk, eine multi-disziplinäre Marketingagentur in London. Zu MediaCom kam sie im Jahr 2014, davor war McGlashan Head of Digital für Aegis Media in London und CEO von wwwins Isobar Greater China. „Wir denken weiterhin, dass KIs eine Sache der nahen Zukunft sind. Aber sie haben unser Leben schon längst infiltriert“, betonte McGlashan auf der Consumer Electronics Show im Jänner. „KI ist bereits so verwurzelt in unserer Infrastruktur und manchmal wissen wir gar nichts davon.“

Weitere zukunftsgewandte Aspekte zeigt die Speech von Louis Rosenberg, CEO und Chief Scientist von Unanimous AI, das er 2014 gegründet hat. Schwerpunkt des Unternehmens ist die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz und Algorithmen zur Erweiterung der Kollektiven Intelligenz von Gruppen, im Englischen „Swarm Intelligence“, so auch der Titel seines Vortrags. Den Besuchern der nextM will er mit seiner Speech näherbringen, wie diese Artificial Swarm Intelligence (ASI) effektiv in vielen Wirtschaftsbereichen angewendet werden kann, von Unternehmensentscheidungen bis hin zu medizinischen Diagnosen. Ganz nach Vorbildern aus dem Tierreich soll diese Technologie Wissen, Erfahrung und Intuition einer großen Gruppe zusammenbringen.Schon vor der Gründung von Unanimous AI beschäftigte sich Rosenberg auch mit AR, VR und Robotik und entwickelte 1992 das Virtual fixture system im U.S. Air Force Research Laboratory. Im Laufe seiner Karriere wurden Rosenberg international über 350 Patente erteilt. 


Die Kunst des Entscheidens
Als weiterer Speaker tritt Gerd ­Gigerenzer vom Max-Planck-Institut in Berlin auf, wo er das Harding-Zentrum für Risikokompetenz leitet. Davor war er bereits Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und des Max-Planck-Instituts für Psychologische Forschung. „Wir wollen untersuchen, wie sich Menschen in Risikosituationen verhalten. Und wir wünschen uns eine Gesellschaft, die Risiken einzuschätzen und mit ihnen zu leben weiß. Mit unserer Arbeit können wir dazu einen Beitrag leisten“, sagt Gigerenzer über seine Forschung am Harding-Zentrum. Er ist zudem Autor mehrerer Bücher und wurde für seine Arbeiten mehrfach international ausgezeichnet. In seiner nextM-Speech dreht sich alles um seinen derzeitigen Arbeitsschwerpunkt Risikokompetenz, Entscheidungsfindung und den Umgang mit ebendiesen Risiken und Unsicherheiten, worin er derzeit auch deutsche Ärzte und Manager trainiert. Entsprechende Tipps und Tricks will er den Besuchern der nextM-Zukunftskonferenz mitgeben.


Entscheidungen dekodieren 
Mit der Vermittlung von kognitiven und psychologischen Kompetenzen – nicht nur für berufliche Angelegenheiten – beschäftigt sich auch der Neuro-Wissenschaftler Moran Cerf, Professor an der Kellogg School of Management und dem Neurowissenschaftlichen Programm an der Northwestern University. Er selbst hat einen Doktortitel in Neurowissenschaft vom California Institute of Technology (Caltech), wie auch einen Masterabschluss in Philosophie und einen Bachelor in Physik von der Universität in Tel Aviv. Mit seinen Forschungen ist Cerf den Medien kein Unbekannter: Seine Arbeit wurde schon von CNN, BBC, Bloomberg, NPR, Time sowie MSNBC porträtiert und er hat bereits Beiträge in Forbes und The Atlantic publiziert. Besonders bekannt ist Cerf auch durch seine zahlreichen Vorträge, die auch auf YouTube schon Tausende Male geklickt wurden, darunter bei den TED-Talks, Talks at Google und auf der DMEXCO. 
Der Forscher will, ähnlich wie Gigerenzer, Gruppen und Unternehmen dabei unterstützen, Kunden auf Basis der Neurowissenschaft und Verhaltens- und Emotionspsychologie besser zu verstehen und wirtschaftliche Entscheidungen besser zu kalkulieren. „Wir Menschen denken, dass wir über unsere Entscheidungen und Handlungen die volle Kontrolle haben. Aber in unserem Kopf sind viele Komponenten, Stimmen sozusagen. Aber die, mir der wir sprechen, ist nicht die wichtigste“, erklärte der Neurowissenschaftler in einem Google-Talk. „Es ist nur die Stimme, über die wir die meiste Kontrolle haben. Wenn wir uns Zugang zu den anderen Stimmen verschafffen, können wir viel mehr davon entdecken, was in unserem Gehirn eigentlich los ist: Sie können uns sagen, was unsere Träume oder Entscheidungen bedeuten.“ „Decoding Thoughts and Dreams“ ist auch das Thema seines Vortrags auf der diesjährigen nextM-Konferenz. 

Volker Hirsch, seit 2018 Partner bei Amadeus Capital Partners, die in europäische Technologieunternehmen investieren, legt seinen Fokus auf KI, AR und VR sowie Industrie 4.0 und ist Business Angel mehrerer Unternehmen in diesem Bereich. Der gebürtige Deutsche hat in Hamburg Rechtswissenschaften studiert. Auch er ist regelmäßiger Speaker bei internationalen Talks und Konferenzen, unter anderem beim Mobile World Congress und dem Mindshare Media Summit. Heutzutage bedeute Wissen nicht mehr unbedingt Macht, meint Hirsch, denn die Menschen hätten Zugang zu fast unbegrenztem Wissen. Gleichzeitig würden KI und Algorithmen so schnelle Fortschritte machen, dass sogar Aufgaben, die wir fest in der Hand der Menschen gewusst hätten, von Maschinen gestört würden. Und das werde zukünftig Auswirkungen auf das gesellschaftliche Zusammenleben und auch auf den Arbeitsmakt haben. Ausgehend von dieser Kernbotschaft will Hirsch seine Erfahrungen den Besuchern mit seinem Vortrag zu „AI and the Future of Work“ näherbringen. 


‚Augenöffner für die Zukunft‘
Bereits im vergangenen Jahr hatten sich bei der nextM mehr als 500 Gäste eingefunden. Zu den Speakern zählten der amerikanische Philosoph ­Michael Sandel und Kevin Slavin vom MIT. Slavin betonte die enormen Auswirkungen, die allein die Interessen der Entwickler der Algorithmen haben, und die letztendlich Einfluss auf unseren Alltag nehmen. Weitere Beiträge kamen von dem Bioinformatiker Nick Goldman, Winfried Hensinger, Professor für Quanten-Technologie, und der Medizinethikerin Alena Buyx. „Mit der nextM wollen wir ein Augenöffner für die Zukunft sein,“ sagte Peter Lammerhuber, GroupM-Austria-CEO, bei der letztjährigen nextM. „Unser Ziel ist es, die Zukunft auf einer Meta-Ebene zu beleuchten.“

 

Facts: nextM

Die nextM-Konferenz, präsentiert von GroupM Austria, ist ein Invitation-only-Event und findet am 4. April 2019 in der Aula der Wissenschaften in Wien statt. Das Programm beginnt um 9:00 Uhr, das Closing ist für 14:00 Uhr angesetzt.
Zu den Speakern gehören Deirdre McGlashan, Global CDO von MediaCom, Louis Rosenberg, CEO von Uninamous AI, Gerd Gigerenzer vom Harding-Zentrum für Risikokompetenz, sowie der Neurowissenschaftler Moran Cerf und der Investor Volker Hirsch. 
Weitere Infos unter nextm.at

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