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Neue Visionen für Europas Medien

© Ian Ehm

Die Idee der Übersetzungsschnittstelle ist es wert, verfolgt zu werden – durchaus in Verbindung mit dem ‚Europa-YouTube‘ und dem Innovationsfonds. Leitartikel von Marlene Auer, Herausgeberin und Chefredakteurin

Dieser Leitartikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 41/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Die Disruption, wie sie die Medienwelt unter dem Druck der internationalen Giganten erfährt, entwickelt sich zur Hochblüte der Kreativität. Während ARD-Chef Ulrich Wilhelm kurz gesagt eine Art europäisches YouTube mit Interaktionselementen forciert, spricht sich Condé-Nast-Präsident Wolfgang Blau für die Entwicklung einer Übersetzungsschnittstelle aus, um die Inhalte in die 24 offiziellen Sprachen der EU transportieren zu können. Der Gedanke ist auf zwei Arten wertvoll: Einerseits bewahren sich dadurch auch kleinere Sprachräume und -regionen kulturelles Gut. Andererseits findet Fairness im Wettbewerb statt – deutschsprachige Medien könnten so etwa auch Publikum in Spanien, Italien oder Großbritannien gewinnen.

Darauf aufbauend könnte sich das „europäische YouTube“ zu einer Plattform entwickeln, die diese Inhalte mit einem Social Network verbindet. Es muss nicht Facebook sein, und es ist vermessen, von einer globalen Dominanz der US-Netzwerke zu sprechen. In China etwa dominiert WeChat, in Russland dominieren die Angebote der Mail.Ru Group. Auch die EU ist in der Lage, ein eigenes Netzwerk aufzubauen – die Gretchenfrage dabei ist aber: Welchen Mehrwert kann diese Plattform bieten, im Vergleich zu den bisherigen Angeboten? Ein Kopieren ohne zusätzliche, neue Assets wird nicht von Erfolg gekrönt sein. Die User sind verwöhnt und folgen nur noch den besten oder für sie passendsten Angeboten. Mehr denn je geht es darum, Formate zu schaffen, die auf den jeweiligen Bedürfnissen der Zielgruppen aufgebaut sind – jedes Medium mit seiner eigenen Unverwechselbarkeit. Es geht darum, Potenziale auszuloten und darauf Medien aufzubauen. Hier könnte der zuletzt bei der Medienenquete von EBU-Direktor Noel Curran geforderte Medieninnovationsfonds unterstützen.

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