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Monopolgelüste mit Ansage

© Sabine Klimpt / Manstein Verlag

Mark Zuckerberg hat wieder einmal einen Plan, der Einfluss und Bedrohung des Networks weiter steigern würde – aber auch Learnings zulässt. Leitartikel von Jürgen Hofer, Chefredakteur

Dieser Leitartikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 26/2019 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Allen Unkenrufen, Datenskandalen und Intransparenzvorwürfen zum Trotz: Facebook bleibt weiterhin eine Gelddruckmaschine. Gut 55 Milliarden US-Dollar Umsatz mit 22 Milliarden US-Dollar Gewinn stehen im abgelaufenen Jahr zu Buche, die de facto einzige Einnahmequelle bleibt Werbung. Das erste Quartal 2019 liegt im Umsatz deutlich über jenem dem Vorjahreszeitraums. Und trotzdem: Mark Zuckerberg denkt wieder einmal bereits weiter – wie er das mit dem Kauf von WhatsApp und Instagram in den letzten Jahren schon erfolgreich vorexerziert hat.

Diesmal stehen Visionen einer ganz anderen Größenordnung auf der Agenda: Zuckerberg will seine eigene Währung „Libra“ (HORIZONT berichtete). Prominente Partner von Visa über Vodafone bis Spotify untermauern die Ambitionen und Größenordnung. Mit dem Ziel einer globalen Währung will Zuckerberg vor allem eines: Seine sozialen Netzwerke Facebook, Instagram und WhatsApp und die dahinter liegenden Daten noch näher mit den Konsumgelüsten seiner User verschmelzen. Und das wohl – wenn man das Tun Facebooks verfolgt – möglichst allumfassend und ohne große Konkurrenz. Das nächste Monopol taucht da zumindest gedanklich schon am Horizont auf. Die Integration von Produktkatalogen in WhatsApp und damit die Verbindung direkt zum Käufer wurde bereits avisiert. Zuckerbergs Universum ist dann nicht mehr nur Werbe-, sondern auch Konsumplattform samt eigener Währung. Die Auswirkungen auf tradierte Modelle sind in etwa ausmalbar.

So groß die Drohpotenziale sein mögen, liefern die Pläne auch Handlungsanleitungen: Im globalen Wettbewerb wird radikal anders gedacht, ganz gemäß dem Motto „Think big or go home“. Viele Tech-Companys demonstrieren das immer wieder eindrucksvoll. Das sollte im Kontext nur zart aufkeimender neuer Partnerschaften und dem nach wie vor sehnsüchtigen Streben nach neuen Erlösquellen bewusst sein. Denn nicht nur die Maschinerie Facebook hat der heimischen Wirtschaft schon einmal massiv geschadet.

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