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„Minority Report ist bereits jetzt Wirklichkeit“

Horizont Summit 2018
Hilton
© Johannes Brunnbauer

Wie weit Facial Recognition bereits in der Praxis ist und was in Zukunft möglich sein wird, zeigten Doris Lieber und Dominik Cubera beim Werbeplanung.at-SUMMIT 2018.

Facial Recognition zwischen Möglichkeiten und Gefahren beleuchteten Doris Lieber, Digital Advisor bei Microsoft und Dominik Brumm, Head of Development, Cubera Solutions AG am zweiten Tag des Werbeplanung.at-SUMMIT 2018. Ganz zu Beginn ihres Vortrages sagte Lieber: „Die Utopie des Science Fiction Filmes Minority Report ist heute bereits Wirklichkeit.“ Bei Microsoft unterscheidet man drei unterschiedliche Arten von Facial Recognition: „Face Detection, wie es bereits jetzt zum Beispiel auf Snapchat verwendet wird, erkennt nur das Gesicht. Eine Speicherung der Daten ist dabei nicht notwendig, es dient rein zur Personalisierungserfahrung des Users.“ Als zweites führte Lieber Face Recognition auf: „Daran erkennt man zum Beispiel, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, ob die Person jung oder alt ist und ob sie glücklich oder traurig ist.“ Diese Methode kann zum Beispiel im POS verwendet werden. Bei der Face Identifikation als dritte Art werden die meisten Kundendaten gespeichert, „hier werden auch zum Beispiel Falten, Hauttyp, Ohrenlage oder Stirntyp analysiert, um die beste Identifizierung zu ermöglichen“. Facial Identifikation werde vor allem zur Identifizierung bei sicherheitskritischen Anwendungen benutzt, führte die Expertin aus.

Einsatzfeld Robotics

Die Technologien dazu stehen als API auf einer eigenen Open-Source-Plattform bei Microsoft bereits jetzt zur Verfügung – „die Anwendungsfälle explodieren momentan“, sagte Lieber. In Kombination mit anderen Anwendungsfällen wie Spracherkennung seien viele Szenarien möglich: Zum Beispiel im Bereich Schadensfällen bei großen Versicherungsunternehmen, wo die Begutachtung eines Unfalles bereits remote mit der Kamerafunktion des Smartphones durchgeführt werden könnte. „Gerade US-Unternehmen sind im Bereich Health Care schon sehr weit. In Italien haben wir in Kooperation mit COOP den Supermarkt der Zukunft konzipiert, in der jeder Konsument bei seinem Besuch unterschiedliche Informationen – je nachdem was er braucht; ob er alt oder jung ist oder ob er Allergien hat – eingeblendet bekommt.“ Gesichtserkennung in Verbindung mit Objekterkennung sowie VR und AR spielen auch im Bereich der Robotik eine große Rolle, weiß Lieber: „Jeder Art von Robotics wird auch Gesichtserkennung und Objekterkennung sowie AR und VR in sich tragen - denn sonst kann ein Roboter nicht agieren.“

DSGVO sorgt für Sicherheit

Lieber beruhigte, was die momentanen Einsatzmöglichkeiten von Facial Recognition in Österreich betreffe: „Im Rahmen der DSGVO ist sehr streng geregelt. Wer biometrische Daten speichert, muss den Konsumenten um seine Einwilligung fragen.“ Nicht daran halten würden sich zum Beispiel Unternehmen wie Amazon: Im Rahmen des Echo Dot behalte sich der Big-Five-Player vor, die Stimme auch auf anderen Geräten zu erkennen und diese Daten auch weiterzuverwenden, klärte Lieber auf. Hier befinde man sich im Spannungsfeld zwischen komfortablen Service und Datenschutz, den jeder selbst für sich definieren müsse, sagte die Microsoft-Expertin dazu. „Für mich geht es hier klar um eine Teilung der Verantwortung zwischen Technologie, Kunden und Unternehmen. Jeder muss seinen Teil erfüllen, damit die Technologie künftig einen Mehrwert erfüllen kann.“

Facial Recognition im Kaffeehaus

Für Gesprächsstoff sorgten zwei Anwendungsfälle, die Dominik Brumm von Cubera Solutions auf den SUMMIT mitbrachte: Einerseits eine kleine Anwendung auf dem Smartphone, die alle Teilnehmer der Konferenz nur durch den Blick durch die Smartphone-Kamera identifizieren konnte und andererseits ein Probe-Usecase aus einem Schweizer Café. Dabei wurde eine Kundin bei ihrem Bestellprozess mit Foto und ihren kulinarischen Vorlieben in einer Datenbank erfasst, damit sie ihrem zweiten Besuch bereits wie eine Stammkundin behandelt werden konnte. Brumm dazu: „Die Vorteile für den Kunden sind die persönliche Betreuung. Vorteile für den Dienstleister sind die bessere Kundenbindung, denn der Kunde wird bereits beim Betreten des Geschäftes erkannt und nicht erst dann, wenn er im Zuge des Bezahlprozesses die Kundenkarte zückt.“ Der Einsatz solcher Technologien sei bereits bei vielen Unternehmen im Gespräch, „es wird spannend, was man da noch in Zukunft sehen wird“, schließt Brumm. 

[Veronika Höflehner]

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