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Medientage: Bernhard Heinzlmaier gibt Einblicke in Medienverhalten junger Menschen

Jugendkulturforscher Bernhard Heinzlmaier ist davon überzeugt, dass digitale Medien das Medienverhalten junger Menschen beeinflussen.
Medientage 2016 Tag1
© J. Brunnbauer

Digitale Devices würden das Medienverhalten junger Menschen nachhaltig beeinflussen und auch verändern.

Der Jugendkulturforscher Bernhard Heinzlmaier hat auf den Österreichischen Medientagen ein Impulsreferat zum Thema "Die Jugend und ihr neues Medienverhalten" gehalten und stellte dabei drei zentrale Thesen auf.

Erste These: Deep Attention vs. Hyper Attention

Durch den Einfluss der digitalen Medien würde die Wahrnehmungsfähigkeit von jungen Mensch stark modifiziert sein. Das ist auch der Grund, warum es jungen Menschen deutlich schwerer fallen würde, zur sogennanten "Deep Attention" zu kommen. "Deep Attention" nennt man die Fähigkeit, sich lange auf eine einzige Tätigkeit oder auf ein einziges Medium konzentrieren zu können und dabei Reize, die von Außen kommen, zu ignorieren. "Menschen, die im Modus der 'Deep Attention' arbeiten, bevorzugen es, sich konzentriert mit nur einem Medium auseinanderzusetzen und können in relativ reizarmen Umgebungen Zeit verbringen, ohne sogleich das Gefühl der Langeweile zu verspüren", erklärt Heinzlmaier. Im Gegensatz dazu steht der Wahrnehmungsmodus der "Hyper Attention". Er ist charakterisiert durch das Bedürfnis, schnell zwischen verschiedenen Tätigkeiten und Aufgaben hin und her zu springen, bedarf einer aus verschiedenen Medienquellen kommenden, starken Stimulation und ist schnell gelangweilt, wenn die Dichte und Intensität der medialen Sinnesreizungen zu gering ist.

Zweite These: Jugendkultur = emotionale Bildkultur

Hier geht es um die Dominanz der Bildmedien und dass junge Menschen ein großes Selbstdarstellungsbedürfnis haben. "Das Medienverhalten junger Menschen ist auf das Bild zentriert. Die Masse denkt also in Bildern", sagt Heinzlmaier. Da dieses Selbstdarstellungsbedüfnis zunehmend in visueller Form befriedigt werde, finde dieses in erster Linie auf Facebook, Instagram und Snapchat statt. Denn auf sozialen Medien wie diesen hätten junge Menschen die Möglichkeit, sich bildlich zu inszenieren. "Insofern ist Jugendkultur für mich eine emotionale Bildkultur", sagt Heinzlmaier.

Dritte These: Erlebnis vor Erfahrung

Medien, mit denen Mediennutzer Erlebnisse teilen können, seien laut Heinzlmaier weiter auf dem Vormarsch. Im Hinblick auf junge Menschen er diese Entwicklung allerdings kritisch und sagt: "Junge Menschen reihen ein Erlebnis an das andere, verstehen aber nicht mehr, diese Erlebnisse zu interpretieren und in Erfahrung umzuwandeln." Das bedeutet, dass junge Menschen von einem Erlebnis zum anderen springen, aber zunehmend nicht imstande sind, diese zu bewerten und einzuordnen.

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