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Media Server: Die Zukunft steht und fällt mit Online

"Ohne ÖWA gibt es auch den Media Server nicht mehr", sagt Helmut Hanusch, Präsident des Media Server.
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Noch gibt es keine Alternative zur ausgetretenen ÖWA, ein Media Server ohne Online würde das Aus bedeuten. Derweil denken die Verantwortlichen Alternativen an.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 45 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Seit seiner Gründung im Jahr 2012 verfolgt der Verein Media Server das Ziel, den Medienkonsum der Österreicher in seiner gleichnamigen Studie ganzheitlich über alle Gattungen hinweg darzustellen. Im Jänner dieses Jahres trat die Österreichische Webanalyse (ÖWA) unerwartet aus dem Verein aus, der sich bis dahin aus allen gewichtigen Vertreterverbänden der Branche zusammensetzte. Helmut Hanusch, dem die Gremien vor wenigen Wochen erneut die Präsidentschaft des Vereins übertragen haben, über bisher erfolglose Gespräche, die ÖWA zum Wiedereintritt zu bewegen, wovon die Zukunft des Media Server abhängt und Überlegungen, das Projekt Media Server mit weniger hohen Kosten neu aufzusetzen.

Aus der Sicht des neuen Präsidenten Helmut Hanusch kann es keinen Media Server geben, ohne Online zu erheben. Darüber, wie die Studie ohne Teilnahme der ÖWA aussehen kann und ob andere Player als die ÖWA das Thema Online im Media Server vertreten könnten, haben in den letzten Monaten die technischen Kommissionen der einzelnen Gattungen und eine kleine Projektgruppe beraten. Eine Alternative zur ÖWA sei bisher nicht gefunden worden, jedenfalls keine „über die Konsens herrschen würde“, so Hanusch. Die Tür zum Wiedereintritt stehe der ÖWA nach wie vor offen, auch Gespräche seien nie abgebrochen worden, wie der Präsident betont. „Intensive Gespräche hat es insbesondere von den Mediaagenturen (die Mediaagenturen werden von der Interessengemeinschaft der Mediaagenturen IGMA im Verein Media Server vertreten, Anm.) gegeben.“ Das Problem sei aus Hanuschs Sicht, „dass es die ÖWA aktuell zerbröselt und dort im Moment eine gewisse Entscheidungsschwäche“ herrschen würde – mehrere namhafte Teilnehmer an der ÖWA hatten ja wie berichtet ihre Kündigung eingereicht.

Ungewisse Onlinezukunft

Als Grund für den Austritt seitens der ÖWA aus dem Media Server wurden im Jänner finanzielle Probleme genannt – die finanzielle Lage dürfte sich seither auch nicht verbessert haben, im Gegenteil: Vier der fünf in der ÖWA ausgewiesenen Vermarktungsgemeinschaften nutzen die mit Ende September auslaufende Frist, um ihre Kündigung zu erklären – styria digital one, Goldbach, Purpur Media Reichweitennetz und das AboutMedia-Netzwerk. Sollten sich die vier Vermarktungsgemeinschaften mit Ablauf der Kündigungsfrist, also zu Jahresende, dazu entschließen, aus der ÖWA auszutreten, dürften sich die finanziellen Probleme verschärfen. Oder – so jedenfalls Hanuschs Sicht – endgültig erledigen, denn dann gebe es auch keine Zukunft mehr für die ÖWA: „Stellen Sie sich doch einen Teletest ohne den ORF vor. Oder eine Media-Analyse ohne Kronen Zeitung, Kurier oder Heute. Braucht kein Mensch.“

Was würde das für den Media Server bedeuten? „Wenn es die ÖWA nicht mehr gibt, gibt es auch den Media Server nicht mehr“, bringt es Hanusch auf den Punkt. Die Zukunft des Media Servers hänge nämlich „an einer vernünftigen Währungsstudie aus dem Onlinebereich, sonst ist der Media Server tot“. Doch obwohl der neue Präsident dem Media Server eine ungewisse Zukunft prophezeit, übt sich dieser gleichzeitig auch in Zuversicht: „Das Positive ist, dass ich glaube, dass Onlinemedien sehr wohl eine funktionierende Währungsstudie brauchen – das kann eine reformierte ÖWA oder etwas Neues sein. Es wird eine Währungsstudie geben, da bin ich ganz sicher.“ Und sollte sich eine neue Währungsstudie formieren, „dann werden wir die Ersten sein, die darauf zugehen werden“.

Billigerer Media Server angedacht

Das Thema Finanzierung ist auch ganz generell eine offene Baustelle im Verein Media Server. Bislang wurde viel Geld investiert, die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa zwei Millionen Euro pro Studie. Ein Aufsetzen eines neuen Media Servers, der „nicht mehr ganz so teuer ist“, hält Hanusch durchaus für denkbar – hierzu gäbe es „ein paar Überlegungen“. Das Teure seien auch nicht die Mitgliedsbeiträge, die die Vertreter im Verein Media Server bezahlen würden, sondern der Kostenbeitrag für die Studie. Zudem gehe es auch darum, die Learnings aus der ersten Hauptstudie in der zweiten zu berücksichtigen.

Der für Anfang 2018 geplante Start der zweiten Erhebung verschiebt sich jedenfalls nach hinten. Denkbar wäre, dass diese Mitte 2018 in den Markt geschickt wird. „Wenn wir Mitte 2018 erwischen wollen, müssen wir uns bis Februar oder März 2018 darüber einigen, wie ein neuer Media Server aussehen kann“, sagt Hanusch. Eine Beauftragung Mitte 2018 würde eine Fertigstellung Mitte 2019 und eine Veröffentlichung im Herbst 2019 bedeuten. Die zweite Hauptstudie käme dann vier Jahre nach der ersten, die im November 2015 präsentiert wurde. Ursprünglich war ein jährlicher Studienrhythmus angedacht, bald habe sich aber auch herausgestellt, dass sich das Mediennutzungsverhalten „nicht so rasend schnell ändert“ so Hanusch, der prinzipiell einen Zwei-Jahres-Rhythmus für sinnvoll erachten würde.

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