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maxdome: "Netflix ist Wettbewerber"


© maxdome

Die ProSiebenSat.1-Tochter maxdome gilt als Marktführer in Sachen Videostreaming in Deutschland und Österreich. Während Sky mit Preissenkungen auf den anstehenden Netflix-Start reagierte, will maxdome-Chef Andreas Heyden sein Angebot kundenfreundlicher machen

„Die Situation erinnert mit ein bisschen an Weihnachten: Alle freuen sich auf ein Paket, von dem sie noch gar nicht wissen, was drinnen ist.“ Natürlich hat auch Andreas Heyden, Geschäftsführer des Videostreaming-Dienstes maxdome, einer Tochter der ProSiebenSat.1 Media AG, den anstehenden Start des US-Dienstes Netflix in Österreich und Deutschland am Radar. Erwartet wird der Launch von Netflix in der Woche um den 17. September, und hinter den Kulissen rumort es deswegen schon lange in der Medien­branche. maxdome sieht sich auf Basis von ­GfK-Zahlen im deutschsprachigen Raum als Marktführer in Sachen Video­streaming. „Wir sehen Netflix durchaus als Wettbewerber, aber wir sind gut ­gerüstet“, sagt Heyden im HORIZONT-Gespräch.

Streaming plus Downloads plus Live-Übertragungen

maxdome, das 2006 gegründet wurde, ist bei genauerer Betrachtung etwas mehr als nur ein Streaming-Dienst und wird manchmal als eine Mischung aus Netflix, iTunes und Sky beschrieben. Denn neben dem Abo-Dienst, bei dem ein Nutzer um 7,99 Euro pro Monat uneingeschränkten Zugriff auf etwa 50.000 Filme beziehungsweise Serien­episoden bekommt, gibt es außerdem die Möglichkeit, Titel gegen Gebühr einzeln auszuleihen (sie sind dann 48 Stunden zum Streamen verfügbar) oder als Download zu kaufen. Außerdem bietet man mit „maxdome Live“ auch Live-Übertragungen an, etwa von Sportveranstaltungen oder Konzerten.  Zum Vergleich: Bei Snap by Sky, der Onlinevideothek des Bezahl-TV-Senders, gibt es 5.000 Titel.

Was ist im Packerl drin?

Mit welchen Inhalten und zu welchen Preisen Netflix in Österreich an den Start gehen wird, ist bis dato unklar. ­Anders als maxdome bietet die Firma aus Kalifornien weder Einzel-Downloads noch Live-Übertragungen an. Der Kunde zahlt einen monatlichen Fixpreis für den Zugang zum Content, den er dann auf Smartphones, Tablets, Spielkonsolen und Set-Top-Boxen ansehen kann. Fix ist, dass Netflix die Eigenproduktion „House of Cards“, ­einen Politthriller mit Kevin Spacey in der Hauptrolle, in Österreich und Deutschland nicht zeigen wird können – diese Rechte hat sich Sky gesichert, das übrigens auch HBO-Serien zeigt.

Keine Gefahr von den "Cord Cuttern"

Auch ist der deutschsprachige TV-Markt anders strukturiert als jener in den USA, wo Netflix einen Siegeszug hingelegt hat und zu Spitzenzeiten mehr Internet-Traffic verursacht als selbst YouTube. In Übersee spricht man bereits von den sogenannten „Cord Cuttern“, die auf Kabel- oder Satelliten-TV verzichten und stattdessen nur mehr Netflix schauen. Das Programm im Free-TV wie auch im ORF gilt hinsichtlich ­Serien und Filme als gut bestückt. „Wir sehen vor allem eine komplementäre Nutzung zum herkömmlichen TV“, sagt maxdome-Chef Heyden.

„Es mag ­einige Cord Cutter geben, die zugunsten von Streaming komplett auf Kabel- oder Satelliten-TV verzichten, aber das ist nichts für die breite Masse.“ Wesentlicher Erfolgsfaktor von Videostreaming-Diensten sind jedenfalls Serien, die dem Nutzer das sogenannte „Binge Watching“ ermöglichen – also das stun­denlange Glotzen von vielen Episoden am Stück. „Die Hauptnutzung beim Abo liegt ganz klar bei den Serien“, sagt Heyden. Deswegen würde man bei maxdome versuchen, den Nutzern manche Serien schon vor dem Start im regulären TV zugänglich zu machen.

Kooperationen im Hintergrund

Spannend ist zudem, dass die maxdome-Mutter ProSiebenSat.1 nicht ausschließlich in Konkurrenz zu US-Anbietern steht. So hat SevenOne Media die Serie „Lilyhammer“ für Netflix mitfinanziert und die Serie „Bosch“ für Amazon Instant Video produziert. Generell baut man bei maxdome auf die langjährige Erfahrung am deutschsprachigen Entertainment-Markt, die sich Netflix erst erarbeiten muss und nicht nur auf den Newcomer-Bonus und die Strahlkraft seiner Marke bauen kann.

Preissenkungen nicht überall

Der anstehende Netflix-Start hat jedenfalls Bewegung in den Streaming-Markt gebracht. Kürzlich reduzierte Snap by Sky die Preise für Neu- und ­Bestandskunden teilweise drastisch (HORIZONT berichtete). Auch der ORF hat reagiert, ist mit Plänen zu einer ­eigenen kostenpflichtigen Videoplattform schwanger gegangen und hat zudem in den kleinen österreichischen Streamingdienst Flimmit investiert.

Die Strategie von maxdome zum Netflix-Start hört sich da vergleichsweise gelassen an. „Wir werden unser Angebot noch kundenfreundlicher und auf noch mehr Plattformen darstellen, aber aggressive Preissenkungen schließe ich eher aus“, stellt ­Heyden die Erneuerung der maxdome-App auf einigen Endgeräten in Aussicht. Nähere Details dazu sollen kommende Woche folgen. jak

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