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Markenrelevanz vor kurzfristigen Reichweiten

Seit 2002 fungiert Spatt als Senderchef von Ö3.
© Hitradio Ö3/Roman Pfeiffer

Ö3-Senderchef Georg Spatt skizziert im Gespräch mit HORIZONT die Programm-Pläne des Senders im Detail und gibt Ausblicke zur Digital-Zukunft des Radios.

Aus Sicht des Radiotests hätte man alles beim Alten belassen können: Schließlich baute Ö3 seine Marktführerschaft aus und gewann bei allen Kennwerten in allen Altersgruppen hinzu. Aber: "Wichtiger als Radiotest-Zahlen und kurzfristige Reichweiten ist, dass Ö3 als Marke Relevanz hat", betont Senderchef Georg Spatt im Gespräch mit HORZIONT. Vielmehr gehe es bei den kürzlich publik gewordenen Programm-Neuerungen um langfristige Überlegungen, um "die Gattung Radio weiterzuentwickeln".

Neue Sendungen als digitaler Verlängerungsarm

Es gelte schließlich, das Image als "innovativste und modernste Medienmarke innerhalb des ORF" aufrechtzuerhalten – und dabei auf die neuen digitalen Konsumtrends einzugehen. Mit den neuen Formaten ab September will Spatt, neben dem Linearen, Content-Marken einbauen, die die Möglichkeit sowohl zum linearen als auch non-linearen Hören bieten – quasi Radio, "wann und wo ich will". Um die neuen Format-Marken sollen sich – der stetig steigenden nonlinearen Nutzung Rechnung tragend – weitere Distributionskanäle bilden. Um den weiter bestehenden "Treffpunkt Österreich" könnten das etwa Social-Media, inklusive eigenem Instagram-Account, oder ein begleitender Podcast sein, nennt Spatt einige Beispiele. Etwaige gesetzliche Digital-Schranken fielen in den Zuständigkeits-Bereich Anderer im ORF. Denn: "Ich nehme mir den Luxus heraus, dass ich mich mit regulatorischen Rahmenbedingungen in meiner Position nicht befassen muss. Ich kümmere mich um Konsumenten-Bedürfnisse".

Vielfältige Podcast-Bühne

Mit dem via APA angekündigten "Treffpunkt Podcast" setzt man etwa einen aktuellen Trend um. Dabei will man auch Ö3-Externen eine Bühne bieten. In die Sendung sollen Menschen eingeladen werden, die sich mit dem Thema Podcast beschäftigen – von Ö3, Ö1 bis hin zu Radio Energy oder Podcast-Schaffenden aus anderen Medien-Gattungen. Das neue Podcast-Format versteht Spatt als eine "gemeinsame Werkstatt mit der freien Podcaster-Szene". Dabei sollen die jeweiligen Podcasts präsentiert und die Macher über das dahinterliegende Thema und die Entstehungs-Geschichte sprechen.

Abend-Retter

Mit der angekündigten "Ö3-Hauptabendshow" will Spatt einem Branchen-Trend "zu einem sehr reduzierten Abend-Programm" entgegenwirken. Aus Kostendruck habe man sich "in den letzten Jahren nicht wahnsinnig um unser Publikum am Abend gekümmert". Das von 18 bis 22 Uhr laufende Infotainment-Format beinhaltet News aus den Themenbereichen New und Social Media, Entertainment, (Live-)Sport und Verkehr. Die Format-Zielgruppe ist für Spatt eine breite: Menschen, die von 18 bis 22 Uhr noch mit Arbeit zu Hause beschäftigt sind, etwa Bankgeschäften, Online-Shopping oder Haushalt. Dementsprechend breit ausgerichtet soll auch die Musikformatierung der "Hauptabendshow" sein. An der Spitze des Formats stehen mit Benny Hörtnagl und Elke Rock Moderatoren, die sich "stark um Musik kümmern".

Kreativ gegen Kostendruck

Beim Ö3-Umbau setzt Spatt vermehrt auf Wort- vor Musik-Content. Denn: "Wir wollen nicht in Wettbewerb mit den Musik-Streamern treten, die alle die gleiche Musik spielen". Ob sich der verhältnismäßig teurere Wort-Content mit dem ORF-Sparprogramm vereinbaren lässt? In Zeiten knapper werdender Bugets gehe es darum, "kreativ zu wirtschaften", so Spatt, der sich in der Rolle eines Regisseurs für Ö3 sieht. Und: "Die Antwort kann nicht ein Sparprogramm für unser Publikum sein". Schließlich bespiele man mit Ö3 eine große Bühne, dementsprechend müsse auch das Programm gestaltet sein. Daher gelte es, laufend "Investitionen in die Bühnenausstattung und das Ensemble vorzunehmen". Der Sender werde schließlich stark über seine Moderations-Persönlichkeiten wahrgenommen.

Damit es nicht zum Stillstand komme, sei ein Aufbauen und Ausbilden jenes Ensembles unabdingbar – sprich neue Gesichter. Mit Eberhard Forcher geht bekanntlich eine mehr als 40 Jahre währende Stimme in Ö3-Pension. Forchers kolportierter Einstieg bei Superfly und ein mögliches Abwandern von Ö3-Hörern, mache Spatt keine Sorgen. "Dass er teilweise Hörer mitnehmen wird, ist ganz normal". Nach einer langen Zeit der Zusammenarbeit sei die Beziehung zu Forcher weiterhin "sehr wertschätzend. Was auch immer er machen wird, wird er super machen".

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