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Log-in-Allianzen: Warten, dass 'die Post abgeht'

© netID

Ein halbes Jahr nach dem Launch ist die Außenwirkung der Log-in-Allianz netID noch spärlich. Warum man dort, aber auch in Österreich, weiter an den baldigen Erfolg glaubt, auch wenn Pläne für eine eigene österreichische Log-in-Allianz bei netID auf wenig Gegenliebe stoßen.

Dieser Bericht ist zuerst in Ausgabe Nr. 21/2019 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Konkrete Zahlen dazu, wie viele User das zentrale Log-in der European netID bereits nutzen, will deren Stiftungsvorstand Sven Bornemann nicht nennen. „Da der Markteintritt erst wenige Monate zurück liegt, werten wir die Zahlen derzeit noch aus. Allerdings haben diese, so früh nach Start, noch keine Aussagekraft, zumal wir auch bislang noch keine Werbung geschaltet haben“, meint Bornemann gegenüber HORIZONT – dabei nicht bestreitend, dass die Außenwirkung der Allianz rund ein halbes Jahr nach dem Launch am 8. November überschaubar ist, trotz der schwergewichtigen Partner.

Die Idee zur Allianz entstand 2017 als gemeinsames Projekt von ProSiebenSat1 Media, der Mediengruppe RTL Deutschland und United Internet (GMX, web.de). Weitere Partner von Medien (Süddeutsche Zeitung) über Handel (C&A, Otto Group) bis zu Dienstleistung (dpd) haben sich angeschlossen oder bereits Kooperationen zugesichert.

„Daten sind ein sensibles Thema“, nennt Bornemann als Grund für die nur zögerliche oder wenig prominente Umsetzung des gemeinsamen Log-in-Standards auf Websites unter den Partnern – zugleich freilich betonend, dass „unsere Nutzer die Möglichkeit haben, ihre genutzten Daten von Internetdiensten datenschutzkonform und transparent im netID Privacy Center zu verwalten.

Allerdings dauere auch die Umsetzung der DSGVO deutlich länger als erwartet, räumt Bornemann ein, und gibt weiters zu bedenken: „Zudem verschiebt sich weiterhin der Start der ePrivacy und ein Großteil arbeitet auf der Grundlage des ‚berechtigten Interesses‘. Nichtsdestotrotz sehen wir die ersten sechs Monate als einen sehr guten Start, auf den wir aufbauen wollen und wir sind überzeugt, dass die Verbreitung von netID in den kommenden Monaten stark zunehmen wird.“

‚Sehr‘ und ‚grundsätzlich‘ zufrieden
Bornemann sieht die Allianz noch in der Startphase: Den guten Launch wolle man für Wachstum nützen, um netID schließlich „als Log-in-Standard für den digitalen Markt zu etablieren“. Gerade die Resonanz auf Seiten von Partnern und Kunden zeige, dass der Wunsch nach einer Datenschutz-konformen europäischen Log-in-Alternative zu den Angeboten der US-Digitalriesen groß sei. Man sei also „in Anbetracht der kurzen Zeitspanne, der entgegengebrachten Zustimmung und der Aufmerksamkeit, die das Thema genießt, sehr zufrieden“.

„Grundsätzlich zufrieden“ mit dem Launch ist auch Rainer Will, Geschäftsführer des österreichischen Handelsverbands. Der Handelsverband reihte sich als erstes österreichisches Mitglied in die netID-Allianz ein – vor allem wegen der Signalwirkung als „europäische Alternative zum bestehenden Facebook-Connect-Log-in“, wie Will unterstreicht. Man wolle durch die Zusammenarbeit „keinen finanziellen Nutzen generieren“, sondern dem heimischen Handel den Zugang zu transparenter, sicherer und fairer Infrastruktur bieten und beim Handel selbst auch dementsprechendes Bewusstsein bieten. Restlos glücklich mit der Entwicklung von netID scheint Will aber nicht: Es brauche „natürlich Zeit, bis sich dieses übergreifende Registrierungs- und Anmeldesystem breitflächig durchsetzen wird“, allerdings würde man trotz der Komplexität des Projekts „einen schnelleren Rollout befürworten“. Zudem liegt der Fokus laut Will „aktuell noch auf dem deutschen Markt, wir hoffen aber, dass bald auch Österreich und andere EU-Staaten stärker berücksichtigt werden.“

Ein möglichst breites Netzwerk an aktiven Partnern braucht netID nach Wills Einschätzung auch, wenn es sich durchsetzen will: „Je mehr Unternehmen die netID integrieren, desto größer wird der Nutzen für alle aktiven und potenziellen Allianzpartner. Erfahrungsgemäß dauert es immer eine gewisse Zeit, bis Netzwerkeffekte greifen. Sobald aber eine kritische Masse erreicht ist, geht die Post ab.“

‚Zu kurz gedacht‘
Bornemann bestreitet eine Fokussierung auf den deutschen Markt nicht. Eine Erweiterung auf den D-A-CH-Markt ist aus seiner Sicht der „logische Folgeschritt“ – der dementsprechende Anspruch an sich selbst lasse sich allein schon aus dem Namen European netID Foundation ableiten. Zudem solle einem Markt in der Größe Europas auch eine gesamteuropäische Lösung gegenüberstehen. Einzelstaatliche Log-in-Lösungen seien umgekehrt keine Konkurrenz zur US-Übermacht und „zu kurz gedacht“, so Bornemann, der damit gerade auch Österreich meint.

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