Horizont Newsletter

Kroatisches Magazin veröffentlicht Namen und Fotos kritischer Journalisten

Schon in der Vergangenheit gab es im Zusammenhang mit dem Treffen laut Reporter ohne Grenzen Angriffe auf die Pressefreiheit.
© APA

Auslöser war die Berichterstattung über das umstrittene Gedenktreffen in Bleiburg. Laut Reporter ohne Grenzen (ROG) stellt das rechtsnationale Magazin "Hrvatski Tjednik" fünf österreichische und deutsche Journalisten sowie deren Arbeitgeber auf dessen Cover an den Pranger.

Einschüchterung von Journalisten sei "immer ein Versuch, unabhängige Berichterstattung verstummen zu lassen. Das ist in einer Demokratie nicht hinnehmbar", erklärte die Präsidentin von ROG Österreich, Rubina Möhring. Die Organisation werde deshalb auch in einem Schreiben an den kroatischen Botschafter in Wien darauf hinweisen und Protest einlegen. "Wenn Journalisten eingeschüchtert werden sollen, sind wir alle das Ziel", so Möhring.

Das kroatische Blatt bildete nach Angaben von ROG die fünf Journalisten von Ö1, dem "Standard", der "Deutschen Welle", der "Welt" sowie der "Frankfurter Rundschau" auf der Titelseite der aktuellen Ausgabe ab und bezeichnete sie als "jungkommunistische Internationale, die das Gedenken in Bleiburg nicht verhindern konnte".

"Nationalismus tötet" twitterte etwa die betroffene Standard-Journalistin Olivera Stajić. Auch der sich am Magazin-Cover befindliche Welt-Journalist Krsto Lazarević kommentiert die Ereignisse via Twitter: "Falls ihr gerade in Kroatien seid, könnt ihr am Kiosk dieses "Magazin" erwerben auf dem vier großartige Kollegen und meine Wenigkeit zu sehen sind. Es wird behauptet, wir seien eine 'Tito-Jugend', dessen Lebensziel es sei Kroatien schlecht zu machen".

Offizieller Anlass der Gedenkfeier auf dem Loibacher Feld in Bleiburg (Bezirk Völkermarkt) ist die Ermordung Tausender Ustascha-Soldaten nach der Kapitulation der Nationalsozialisten 1945. Das Gedenken gilt als Treffpunkt von Kroaten, die den faschistischen Vasallenstaat Hitler-Deutschlands im Zweiten Weltkrieg verklären. Rund 40.000 geflüchtete Soldaten, die aufseiten Deutschlands gekämpft hatten, wurden in Bleiburg mit ihren Familienangehörigen von der britischen Besatzungsmacht an die kommunistischen Einheiten Titos ausgeliefert. Tausende verloren in der Folge gewaltsam ihr Leben. Kroatien befindet sich auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen auf Rang 64 von 180, Österreich auf Rang 16.

0 Kommentare

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder
Netiquette auf HORIZONT online