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KPI: Einen Arbeitgeber finden

Pascal Volz: „Egal was kommt, steck nicht den Kopf in den Sand. Mut und Kreativität holen dich aus jeder Situation raus.“
© Johannes Brunnbauer

Pascal Volz von fischerAppelt performance erzählte am Werbeplanung.at-Summit 2018, wie die erfolgreiche Viralkampagne #HireUsAsaTeam dem gesamte eCommerce-Team von Air Berlin einen Job brachte.

Der 15. August 2017 war für Pascal Volz ein Datum, dass er nicht so schnell vergessen würde:  An diesem Tag verlor das gesamte eCommerce-Team von Air Berlin seinen Job. „Das war ein sehr emotionaler Moment. Manche hatten ihr ganzes Arbeitsleben bei Air Berlin verbracht und seit 15 Jahren keine Bewerbung mehr geschrieben“, erzählte Volz in seinem Panel am zweiten Tag des Werbeplanung.at-SUMMIT 2018. Zur Untätigkeit verdammt entstand die Idee: Statt als Einzelkämpfer würde man als Gruppe auf Arbeitssuche gehen. „Aber wie bekommen wir das hin? Wir waren 35 Festangestellte und 25 Freelancer - eine Bewerbung als solches war unmöglich“, erzählte der damalige VP. Stattdessen drehte man den Spieß um: „Wir hatten ein funktionierendes eCommerce-Team aus Designern, Techies und Werber - Unternehmen sollten sich bei uns bewerben. Unser einziger KPI war: Einen Arbeitgeber zu finden.“ Innerhalb von drei Tagen entwarf man eine Website und die dazugehörige Marketingstrategie. „Wir haben uns auf eine 100-prozentige Social Media-Kampagne konzentriert, ohne einen einzigen Cent auszugeben“, erzählte Volz. Facebook, Twitter, LinkedIn und Xing wurden ausgewählt, als wichtiger Part galten Influencer – hauptsächlich Personen, mit denen man bereits in Air Berlin-Zeiten erfolgreich zusammengearbeitet hatte – , die ihrerseits in ihren Netzwerken teilten. „Um Punkt 10 Uhr haben wir unsere Message hinausgeschickt, zeitgleich auf allen Kanälen mit dem Hashtag #HireUsAsaTeam.“


Mediawert von 420.000 Euro und über 50 Jobangebote

Die Kampagne ging voll auf, am nächsten Tag konnte man sich vor Anfragen kaum retten: „Wir hatten 54 Jobangebote für das gesamte Team, über 200 für Teile davon und Tausende von Supportnachrichten“, erzählte Volz stolz. Dazu unter anderem 2.500 Likes und Shares über die Social Media-Plattformen sowie 30.000 Besucher innerhalb von vier Tagen auf der Website. Volz: „Alleine die Berichterstattung in den Medien entsprach einem Wert von 420.000 Euro.“ Zwei der Unternehmen kamen letztendlich in die Endrunde, im Zuge des Auswahlprozesses kam es dann zur Entscheidung, sich zwischen den beiden aufzuteilen: „Die gesamte Online-Marketingabteilung ging zu FischerAppelt, das Produkt- und Development-Team zu Lidl.“ Innerhalb der Kommunikationsagentur gründete die ehemalige AirBerlin-Abteilung die Online-Marketing-Unit „fischerAppelt performance“, mit Volz als Geschäftsführer. 


Was eine Viralkampagne erfolgreich macht

Seine wichtigsten Erkenntnisse rund um die Viralkampagne: „Man braucht ein bekanntes Thema, das bereits in den Medien ist. Es muss emotionell besetzt sein und auch unique – ein zweites Mal funktioniert so etwas nicht. Dazu muss auch das Timing richtig sein. Es war wichtig, dass wir mit der Kampagne bereits eine Woche nach der Insolvenz hinausgegangen sind. Zudem muss man den Menschen mit der Kampagne einen Grund geben, etwas zu teilen – in dem Fall bekamen sie beim Teilen quasi Karmapunkte. Und nicht zuletzt sorgten die Influencer mit ihrer großen Reichweite für einen Schneeballeffekt.“ Nach einem „emotionalen Spätsommer“ also ein Happy End für das ehemalige eCommerce-Team der Fluglinie. Die allerwichtigste Einsicht für Volz: „Egal was kommt, steck den Kopf nicht in den Sand. Mut und Kreativität holen dich aus jeder Situation raus.“

[Veronika Höflehner]

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